Plazenta-Pillen: Was ist dran am neuen Trend?

MITTWOCH, 06.06.2018

Ganz Hollywood schwört darauf. Sogar Kim Kardashian hat ihre Plazenta zu Pillen verarbeiten lassen. Was steckt dahinter?

Eigentlich ist es kein neuer Trend, die eigene Plazenta zu verspeisen. Seit Jahrhunderten hat der Mutterkuchen seinen festen Platz in der chinesischen Medizin. Auch in anderen asiatischen Ländern ist es durchaus üblich, den Mutterkuchen zum Beispiel in Kosmetika zu verwenden. So werden u. a. Sunblock-Foundations mit Plazenta-Inhaltsstoffen in Korea und auf den Philippinen verkauft.

In den USA und Kanada gewinnt die Plazenta zur Zeit sehr an Bedeutung. Immer mehr Frauen schwören auf die positiven Wirkstoffe dieses Gewebes. Leider gibt es von offizieller Seite kaum Informationen zur Verarbeitung des Mutterkuchens. In einigen amerikanischen Ländern ist es sogar verboten, ihn aus dem Krankenhaus mitzunehmen. Auch wurden nur wenige Studien zur Einnahme von Plazenta durchgeführt. Die meisten Informationen wurden über Generationen und Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet. Der neueste Schrei sind Plazenta-Pillen.

Pillen und andere Rezepte

Das funktioniert so: Nach der Geburt wird die Plazenta getrocknet, zu Pulver gemahlen und in Kapseln verpackt. So sind die Pillen einfach zu schlucken und man muss dem Gewebe nicht mit Messer und Gabel zu Leibe rücken – für die Meisten ein unvorstellbarer Gedanke. Es gibt auch Firmen und Doulas, die mit speziellen Prozeduren werben. Aus einer Plazenta lassen sich dabei 30 bis 60 Pillen gewinnen.

Manche Frauen verarbeiten ihren Mutterkuchen selbst. In Pulverform wird er dann Gerichten beigemischt. Mit etwas Geduld, finden sich tatsächlich Rezepte für Plazenta-Lasagne, -Chili oder -Smoothies im Netz. Wie auch immer die Plazenta verarbeitet wird: Im Endeffekt handelt es sich um verderbliches Fleisch. Es ist also wichtig, hygienisch sauber zu arbeiten und das Produkt durchzugaren.

Positive Wirkung

Im Wochenbett, sowie während der Monatsblutung oder in der Menopause verspricht das Verspeisen der Plazenta viele positiven Eigenschaften. Frauen berichten von weniger Depressionen, erhöhter Oxytocin-Ausschüttung und mehr Schwung durch einen aufgefüllten Eisenspeicher, sowie einer beschleunigten Rückbildung und verstärkter Milchbildung. Allerdings gibt es kaum Studien darüber. Wissenschaftlich lassen sich die Thesen zu den positiven Eigenschaften deshalb nicht untermauern, wie z. B. „Spiegel online“ berichtet.

Risiken und Nebenwirkungen

Auf der anderen Seite wird von offiziellen Stellen von der Einnahme von Plazenta-Pillen abgeraten. Das Infektionsrisiko von Mutter und Kind kann sich durch die Einnahme erhöhen, so die Ärzte. So ist beispielsweise ein Fall bekannt, wo sich ein Neugeborenes mit Bakterien infiziert hat, was auf die Einnahme von Plazenta-Pillen zurückzuführen war. Auch klagen manche Frauen über Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit nach der Einnahme der Kapseln. Wichtig ist zu beachten, dass durch die Einnahme Krankheiten, die über das Blut übertragen werden, weitergegeben werden können.

Wie auch immer du zum Verspeisen der Plazenta stehst: Im Einzelfall solltest du die gesundheitlichen Risiken, aber natürlich auch die Vorteile auf jeden Fall mit deinem Arzt oder deiner Hebamme besprechen.

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MeinSpatz Gezwitscher

Einen Erfahrungsbericht zur Einnahme von Plazenta-Pillen findest du im NEON Magazin. Hier wird auch die These diskutiert, dass Säugetier den Urinstinkt verspüren die Plazenta zu fressen. Beim Menschen ist es dagegen umgekehrt: Viele Frauen finden es sogar abstoßend.