Sex nach der Geburt: Ab wann ist es okay?

DONNERSTAG, 29.08.2019 Julia M.

Das erste Mal Sex nach der Geburt ist fast so aufregend, wie das erste Mal überhaupt. Aber auch Ängste bestehen. Wir beantworten dir alle deine Fragen.

Sex nach der Geburt: ab wann ist es okay?

Meist raten Ärzte Frauen mit dem Sex vier bis sechs Wochen zu warten. Dein Körper muss sich jetzt erstmal von den Strapazen der Geburt erholen. Außerdem löst sich deine Plazenta und hinterlässt eine Wunde in der Gebärmutter, die erst einmal heilen muss. Das äußert sich durch den so genannten Wochenfluss. Sobald dieser abklingt, ist die Wunde verheilt. Sollten du und dein Partner trotzdem in den ersten vier Wochen bereits Lust bekommen, solltet ihr auf alle Fälle Kondome benutzen. Es besteht nämlich ein erhöhtes Infektionsrisiko. 

Tut Sex nach der Geburt weh?

Eine Geburt verändert alles, vor allem wenn es dein erstes Kind ist. Das Wichtigste ist, dass du und dein Partner beide euren Spaß habt. Es kann sein, dass du noch einige Wochen starke Schmerzen hast, zum Beispiel wegen eines Dammschnitts. Höre auf deinen Körper und warte lieber mit dem Sex, bis alles abgeheilt ist und du dich bereit fühlst. Bis sich deine Gebärmutter wieder zurückgebildet hat, kann der Penis des Mannes beim Geschlechtsverkehr dagegen stoßen, was äußerst unangenehm sein kann. Wenn es noch zu sehr weh tut, dann hört lieber auf.

Keine Lust auf Sex. Was tun?

Stress dich nicht, wenn du einfach noch keine Lust aufs Liebesspiel hast oder unsicher bist. Das ist bei den meisten frischgebackenen Eltern so. Die Erinnerungen an die Geburt und körperliche Veränderungen verunsichern Neu-Mamas oftmals und damit sinkt die Lust auch erstmal auf Null. Das ist völlig okay. Gib dir selbst so viel Zeit wie nötig, schließlich musst du dich jetzt erst einmal mit deiner neuen Rolle als Mutter zurechtfinden. Rede offen mit deinem Partner und sag ihm, dass du noch ein wenig Zeit brauchst. 

Panik vor dem ersten Sex nach der Geburt?

Das erste Mal nach der Geburt kann ganz schön Angst machen. Keine Panik, du bist damit nicht alleine. Vielleicht fragst du dich, ob der Sex jetzt anders wird als zuvor. Außerdem bist du jetzt Mama und hast ein Ohr immer beim Baby. Gib dir und deinem Partner Zeit und geht am Anfang ganz behutsam vor, mit viel Zärtlichkeit. So könnt ihr euch neu entdecken und ganz entspannt aufeinander einlassen.

Ist meine Vagina jetzt weiter als zuvor?

Der Kopf eines Babys ist ganz schön groß. Aber keine Sorge, deine Vagina ist super elastisch und bildet sich wieder zurück. Sobald dein kleiner Spatz draußen ist, zieht sie sich wieder zusammen. An dem Mythos, dass Mütter "da unten" weiter sind nach der Geburt, ist rein gar nichts dran. Rückbildungsgymastik strafft zudem gezielt den Beckenboden, damit du wieder mehr Spannung hast und deine Blase beim Sex dicht bleibt. Nicht wenige Frauen leiden nach der Geburt an Inkontinenz, die leider meist nicht mehr ganz weggeht. Eine starke Beckenbodenmuskulatur kann dir aber helfen, es besser in den Griff zu bekommen.

Sieht meine Scheide jetzt nicht schrecklich aus?

Solltest du Bedenken haben, dass deine Vagina nach der Geburt total zerstört ist, dann können wir dich beruhigen: Nach etwa zwei Wochen ist alles meist wieder an seinem Platz. Bei manchen Frauen bilden sich die äußeren Geschlechtsorgane sogar schon fünf bis sieben Tage nach der Geburt komplett zurück. Solltest du eine Dammnaht haben, kann es etwas länger dauern, in manchen Fällen bis zu drei Wochen. Vor allem nach schweren Geburten können Prellungen und Blutergüsse zurückbleiben, die bis zu zwei Wochen brauchen um komplett abzuheilen. Viele Frauen fühlen sich in ihrem Intimbereich meist noch länger ziemlich wund. Höre also auf deinen Körper und bleib gelassen. Es ist dein Körper und deine Libido und jeder Frau ist letztendlich anders.

Was tun gegen eine zu trockene Scheide?

Wenn du dein Baby stillst, ist der Östrogenspiegel in deinem Blut niedrig und kann sich auf die Schleimdrüsen in deiner Vagina auswirken. Solltest du unter Trockenheit leiden, dann nimm dir mit deinem Partner etwas mehr Zeit fürs Vorspiel, bis du dich feucht genug fühlst. Auch Gleitcremes können helfen. 

Wie sieht es mit der Verhütung aus?

Tatsächlich solltest du das Thema Verhütung ernst nehmen, falls du nicht gleich wieder schwanger werden möchtest. Stillen ist kein Verhütungsmittel, auch wenn das manche immer noch glauben. Wenn zwischen zwei Brustmahlzeiten mehr als vier Stunden liegen, reicht der Prolaktinspiegel im Blut nicht aus, um den Eisprung zu unterdrücken. Zur Sicherheit also immer verhüten, zum Beispiel mit Kondomen.

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Langsam wieder Lust auf Sex? Wir zeigen dir, worauf du achten solltest.

MeinSpatz Gezwitscher

Nach der Geburt ändert sich auch vieles für und in deiner Partnerschaft. Eine unserer Autorin erzählt, was sich vor allem im Schlafzimmer geändert hat und wie sie und ihr Mann mit er neuen Situation umgegangen sind:

"Schwierig war (und ist) die Sache mit dem Sex. Vor allem für meinen Mann. Ihn stört es einfach nicht, wenn der kleine Mann im Beistellbettchen liegt, während wir Sex haben. Mich schon! Auch wenn er meint, er wäre ganz schnell fertig: Ich will das nicht! Zumal mir der Sex auch nicht so sehr fehlt wie ihm. Gerade die erste Zeit nach der Geburt konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, jemals wieder Sex aktiv zu werden. Nach etwa vier Wochen, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, wieder Geschlechtsverkehr zu haben. Das Thema hat uns viele nervenaufreibende Diskussionen beschert. Inzwischen haben wir einen Kompromiss geschlossen: Wir lieben uns, wenn der Kleine schläft – und zwar einfach woanders und nicht im Bett. Mein Mann darf so zwar nicht ganz so oft ran, wie er gerne würde, aber hey – es ist ein Kompromiss (und besser als gar nichts)."

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.