So fühlen sich Geburtsschmerzen wirklich an

MONTAG, 21.01.2019 Andrea Huber

Eine Geburt zu erleben ist unglaublich. Das Gefühl, wenn du dein Baby zum ersten Mal siehst – unbeschreiblich. Doch was davor kommt ist einfach nur krass.

Ich habe zwei Kinder bekommen. Mein erster Sohn ließ sich ganze 23 Stunden Zeit. Zu lang für mich, um es ohne PDA zu schaffen. Die Wehen waren heftig und ich irgendwann einfach nur völlig erschöpft. Zum Zeitpunkt der Presswehen spürte ich dann natürlich den Druck und komplett schmerzlos war es auch trotz PDA nicht – aber es war nichts im Vergleich zu Geburt Nummer zwei.

Keine Zeit mehr für eine PDA

Die ging zwar mächtig schnell voran, dafür waren die Schmerzen allerdings so extrem, dass ich dachte, mein ganzer Körper würde zerreißen. Aber ich greife vor. Von der ersten leichten Wehe bis zur Geburt vergingen nur knapp drei Stunden. Ich wachte frühmorgens mit ein wenig Ziehen auf und machte mir erst mal einen Tee. Ich dachte mir noch nichts dabei, ET war erst in zehn Tagen. Nach einer halben Stunde konnte ich nicht mehr stehen. Die Wehen kamen so schnell und intensiv, dass es mir fast Angst machte. Als wir im Krankenhaus ankamen, brachte mich die Hebamme sofort in den Kreißsaal. Ich wollte eigentlich eine Wassergeburt versuchen. "Dafür ist es schon zu spät", erklärte sie mir. Für eine PDA auch. Und schon ging es los.

Ich hörte nur noch auf meinen Urinstinkt

Die Schmerzen waren schlimm. Wirklich schlimm. Ich merkte, wie ich jede Kontrolle verlor und einfach nur instinktiv funktionierte. Es gab diesen Moment, in dem ich das Gefühl hatte, mir selber zuzusehen, wie ich völlig in der Situation aufging, schrie, stöhnte, atmete und vor allem nicht mehr dachte. Mein Kopf war ausgeschaltet, mein Körper übernahm die Führung. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Höhlenmensch. Mein Baby wollte unglaublich schnell nach draußen und nahm offenbar keine Rücksicht auf Verluste. Es fühlte sich an, als würde mein Bauch explodieren. Er war so hart und angespannt, dass ich wirklich dachte, die Haut reißt auf. Dazu kam ein messerscharfes Stechen im Rücken. Dann spürte ich, wie der Kopf sich langsam nach draußen schob. Auch da dachte ich, die Haut würde reißen, was sie allerdings nicht tat.

Plötzlich war der Schmerz vorbei

Der Kopf war draußen und ich musste auf die nächste Presswehe warten. Das war ziemlich merkwürdig und wirklich schmerzhaft – alles fühlte sich überdehnt an und stand unter extremer Spannung. Gleichzeitig war mein gesamter Unterkörper einem irren Druck ausgesetzt. Ich spürte das Köpfchen, streichelte darüber, das Schlimmste war geschafft. Danach flutschte das Körperchen in einem Rutsch nach draußen. Der Schmerz war auf einmal vorbei, der Druck weg. Dafür fühlte sich mein Bauch plötzlich leer an, auch seltsam. Aber egal, denn alles, was jetzt noch zählte, war mein Baby. Wir hatten es geschafft und ich war ziemlich stolz auf uns beide. Denn für den Kleinen war das sicher auch kein Sonntagsspaziergang. 

Es gibt nichts, was sich ähnlich anfühlt

Im Nachhinein muss ich sagen: So eine Geburt ist schon heftig. Viele Mamis erzählen, dass sie den Schmerz danach vergessen. Also, das war bei mir nicht der Fall. Ich weiß wirklich noch ganz genau, wie es sich anfühlte und wie weh es tat. Ich denke, dass es bei jeder Frau anders ist. Jede Geburt ist anders. Ich habe nie mehr so extreme Schmerzen erlebt. Trotzdem würde ich es wieder tun. Also schwanger werden und ein Kind bekommen. Egal wie heftig die Geburtsschmerzen auch sind. Danach ist alles gut. Natürlich ist es kleiner Preis, den wir Frauen zahlen, verglichen mit dem Geschenk, das wir dafür bekommen. Und ich muss sagen, ich habe mich nach den Geburten meiner Kinder kraftvoll und unverwüstlich gefühlt. Wir Frauen sind einfach dafür gemacht. Unser Körper ist dazu ausgelegt. Vor allem sind wir so unglaublich stark. Ich glaube wirklich, dass es ein Privileg ist, ein Kind gebären zu können. Und ich bin stolz und dankbar, dass ich das zwei Mal erleben durfte.

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Unsere Autorin erzählt, wie es sich für sie angefühlt hat, als es für Wassergeburt und PDA schon zu spät war.

MeinSpatz Gezwitscher

Du denkst mit der Geburt ist es vorbei? Leider nicht. Auch wenn das Schlimmste schon überstanden ist, können die Nachwehen nochmal ordentlich weh tun. Aber keine Bange, jede Frau, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hat, wuppt auch die Nachwehen mit links. Noch besser ist es, wenn du weißt, was auf dich zukommt. Hier kannst du dich einlesen.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.