„So, jetzt geht es los!“ – Wie Papa die Geburt erlebt

DIENSTAG, 30.01.2018

Männer kennen diesen weiblichen Vorwurf: „Wenn Ihr die Kinder kriegen müsstet, wäre die Welt schon lange ausgestorben!“ Wie soll jemand, der nicht mal einem Schnupfen gewachsen ist, Geburtsschmerzen ertragen können?

Offensichtlich hat es die Natur mit Bedacht und sehr weise so eingerichtet, dass Frauen die Kinder zur Welt bringen – und die Männer dabei höchstens deren Händchen halten.
Nicht wenige Frauen, so sehr sie den Vater des zu gebärenden Lebens auch lieben mögen, verzichten während der Geburt allerdings nicht nur auf dessen Händchen, sondern gänzlich auf dessen Anwesenheit. So bleibt beiden Seiten einiges erspart.

Eine natürliche Geburt hätte ich niemals „überlebt“

Zugegeben: Bei einer natürlichen Geburt hätte ich höchstwahrscheinlich freiwillig dankend abgewunken. Viel Blut war noch nie meins. Und der Liebsten dabei zuzusehen, wie sie sich quält, ertragen viele Männer schon beim Blick in die Küche nicht – und schließen vorsichtshalber die Tür. Ist die Tür des Kreißsaals indes mal ins Schloss gefallen, gibt es kein Entrinnen mehr. Auch nicht für den Mann. Wer mag in diesem Moment schon ein Schisser sein und die Frau im Stich lassen, die schon neun Monate lang die Hauptlast der menschlichen Vermehrung getragen hat?
Unsere Geburt bezog ihre Spannung nicht so sehr aus ihrem unvorhersehbaren Verlauf. Ein Kaiserschnitt ist – aus ärztlicher Sicht – ein seit Jahrzehnten eingeübter Routineeingriff. Vor unserer Geburt wussten weder meine damalige Freundin (und heutige Frau) noch ich, was unser Leben fortan bereichern würde: ein Junge oder ein Mädchen?

Händchen halten in OP-Uniform

Ich hatte also durchaus nicht nur Handschweiß, als ich von einer netten OP-Schwester darum gebeten wurde, mich geburtsgerecht umzukleiden. Antiseptisch gewandet, begann die Zeit des Wartens. Eine echte Probe für die Nerven. Ich versuchte, meine Freundin und mich selbst zu beruhigen, indem ich ihre Hand hielt und ihr – im wahrsten Sinne des Wortes – beistand.
Vor meinen Augen spielte sich geschäftiges Treiben ab. OP-Besteck wurde platziert. Der große Moment nahte. Irgendwann wurde ich gebeten, ein paar Meter Abstand zu nehmen. Meine Frau blieb „alleine“ zurück. Ich verzog mich in eine Ecke, in der ich niemandem im Weg sein würde. Diejenigen, die bald neues Leben in der Hand halten würden, verzogen sich hinter diesen großen grünen Vorhang, der verbirgt, was vor Zartbesaiteten verborgen gehört. Ich hörte ein Klappern und Werkeln. Gleich musste es soweit sein. Mein Adrenalin schoss ein wie Muttermilch in eine Brust. Plötzlich meinte eine der Schwestern: „So, jetzt geht es los.“ Wie? Jetzt erst? Ich hatte meine ganze Anspannung und Aufregung in die Vorbereitungen investiert?

Mit einem Glas Wasser kreidebleich an einer Wand

Schlagartig wich die Farbe aus meinem Gesicht. Derart sichtbar, dass eine der Schwestern mich fragte, ob alles in Ordnung sei. Wahrheitsgemäß verneinte ich. Voller Fürsorge für den werdenden Vater, bot mir die Schwester ein Glas Wasser an. Ich setzte mich damit gegen die Wand, vor der ich minutenlang gebibbert hatte.
Und genau in dem Moment passierte es: Sie holten unseren Sohn auf die Welt. Ich schaffte es gerade so, einen Blick auf ihn zu erhaschen, denn eine Schwester raste mit ihm auf dem Arm sogleich ins nächste Zimmer, um die ersten Untersuchungen und Messungen anzustellen.
Das Wunder der Geburt war wieder einmal geschehen. Ich war dabei gewesen. Überwältigend. Einmalig. Unvergesslich. Ich war stolz auf meine Frau. Männer können sowas einfach nicht. Um Männer in die Knie zu zwingen, genügt ein Schnupfen.

Wie ein Papa die Geburt erlebt pin

Wie gut, dass Frauen die Kinder bekommen. Das sagt zumindest ein Papa, der weiß wovon er spricht.

MeinSpatz Gezwitscher

Liebe Papas da draußen. Auch wenn ihr euch vielleicht denkt, dass ihr bei einer Geburt nutzlos seid. Das stimmt nicht! Denn alleine das Wissen, dass wir Frauen dabei nicht alleine sind, ist den Einsatz schon wert. Und die Erfahrung, das gemeinsam durchgestanden zu haben, kann einem niemand mehr nehmen.