So verhütest du nach der Schwangerschaft

FREITAG, 02.11.2018

Die Geburt liegt bereits ein paar Wochen zurück, und langsam kommt das Thema Sex wieder ins Spiel. Wir verraten dir, wie du jetzt sicher verhüten kannst.

Es ist nicht ganz einfach, nach einer Geburt und vielen schlaflosen Nächten vom Mama-Modus auf sexy Geliebte umzustellen. Die ersten Wochen nach deiner Entbindung wirst du kaum am Sex denken. Dein Körper muss sich erholen, eventuelle Wunden heilen, und der Schlafmangel tut sein Übriges. Vor allem aber wirst du erstmal völlig erfüllt sein von der Liebe zu eurem Baby und den Veränderungen, die das Leben als kleine Familie mit sich bringt. Irgendwann wirst du aber merken, wie dein Lustempfinden wieder steigt – wann, das ist von Frau zu Frau völlig unterschiedlich. Sobald du wieder mit deinem Mann schlafen willst, solltest du an Verhütung denken. Denn ein Mythos hält sich hartnäckig: Stillen funktioniert als natürlich Verhütung. Leider ist das eher Theorie.

Stillen schützt nicht vor Schwangerschaft

Während du stillst bildet dein Körper das Stillhormon Prolaktin. Es kurbelt die Milchbildung an und hemmt gleichzeitig die reguläre Funktion deiner Eierstöcke, so dass in der Regel kein Eisprung stattfindet. Das gilt aber nur, wenn du dein Baby absolut regelmäßig alle vier Stunden stillst. In diesem Zeitraum ist die Prolaktin-Konzentration hoch genug. Allerdings genügen kleinste Abweichungen, um den Stillhormonspiegel durcheinanderzubringen und die Tätigkeit der Eierstöcke wieder anzukurbeln. Theoretisch kann ein Eisprung bereits wenige Woche nach der Entbindung stattfinden. Du bist dann unwissentlich fruchtbar, noch bevor deine erste Periode einsetzt. Auch das Thema natürliche Verhütung, etwa mit der Temperaturmessmethode, ist jetzt noch nicht sinnvoll. Dazu muss sich dein Zyklus erst wieder einpendeln.

Hormonelle Verhütung: Stillpille, Hormonspirale und Co.

Viele junge Frauen beginnen mit der Pille und fragen sich nach der Geburt, ob hormonelle Verhütungsmittel während der Stillzeit überhaupt infrage kommt. Grundsätzlich ja, aber nicht alle. So enthalten Minipille, Hormonspirale und auch die Dreimonatsspritze nur geringe Mengen des Hormons Gestagen, aber kein Östrogen. Sie sind somit stillverträglich. Die Hormonspirale wirkt lokal, die Hormone werden direkt in die Gebärmutter abgegeben. Die Vorteile der hormonellen Verhütung: Sie bietet zuverlässigen Schutz und ist relativ unkompliziert in der Anwendung. Dafür können sich die Hormone auf die Periode, das Gewicht und deine Libido auswirken. Am besten berät dich aber dein Frauenarzt über alle Vor- und Nachteile. Nicht geeignet während der Stillzeit: Vaginalring, Verhütungspflaster und Kombipille. Sie enthalten Östrogen und beeinflussen so die Milchproduktion negativ.  

Alternative Verhütungsmethoden ohne Hormone

Nach dem ganzen Hormon-Durcheinander während deiner Schwangerschaft hast du keine Lust mehr auf die Einnahme zusätzlicher Botenstoff-Helferlein? Dann gibt es natürlich auch Verhütungsmethoden, die absolut ohne auskommen: die sogenannten Barrieremethoden. Dazu gehören Kondom, Portiokappe und das Diaphragma. Sie beeinflussen weder deine Milchproduktion noch die Gesundheit deines kleinen Spatzes. Übrigens: Hast du bereits vor der Geburt mit Diaphragma verhütet? Dann lass den Sitz nochmal von deinem Gynäkologen kontrollieren. Dein Körper hat sich durch Geburt und Schwangerschaft verändert. Vielleicht brauchst du jetzt ein anderes Modell.

Spirale und Diaphragma: Geduld ist gefragt

Spiralen (also auch die Kupferspirale) können während der Stillzeit ohne Probleme verwendet werden, da sie nur lokal wirken. Allerdings musst du dafür ein wenig Geduld haben. Denn eine Spirale kann frühestens sechs Wochen nach der Geburt, bzw. wenn sich dein Beckenboden vollständig zurückgebildet  hat, eingesetzt werden. Je nach Frau und Körper verlängert sich die Zeitspanne auch um ein gutes Stück. Bei einem Diaphragma musst du sogar mindestens drei Monate warten. Erst dann wird es wieder eingesetzt und angepasst. 

Wochenfluss: Kondome sind die beste Wahl

Wenn dir danach ist, darfst du natürlich auch während der Zeit deines Wochenflusses Sex haben. Dabei solltest du allerdings mit einem Kondom verhüten. Das Sekret in deiner Scheide ist zwar nicht infektiös, bietet aber einen perfekten Nährboden für Keime, vor denen du dich mit einem Kondom gut schützen kannst. Übrigens solltet ihr in dieser Zeit auch auf Oralsex verzichten.

Kurz zusammengefasst: der Pearl-Index

Der Pearl-Index ist das Beurteilungsmaß für die Sicherheit von Verhütungsmitteln. Je kleiner sein Wert, desto sicherer ist die Verhütungsmethode: "Wenden 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum drei Schwangerschaften auf, so beträgt der Pearl-Index 3. Ein Pearl Index von 0,1 besagt, dass eine von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel anwenden, schwanger wird." (Quelle: profamilia.de). Wir haben die Werte der infrage kommenden Verhütungsmittel für dich zusammengefasst.

  • Hormonspirale: 0,16
  • Depotspritze: 0,3 – 0,88
  • Mini-Pille: 0,5 – 3
  • Kupferspirale: 0,3 – 0,8
  • Diaphragma: 1 – 20 / 
  • Kondom: 2 – 12
  • Portiokappe: 6 / 
  • Koitus interruptus: 4 – 18

Du hast Sex, wenn DU soweit bist

Sex gehört zu einer Beziehung dazu. Euer wunderbares Kind wurde beim Sex gezeugt. Trotzdem ist nach der Schwangerschaft alles anders. Manche Frauen möchten nach vier Wochen ihrem Partner wieder nahe sein, andere brauchen mehrere Monate, bis die Lust auf Sex wieder ins Schlafzimmer zurückfindet. Alles ist völlig normal. Vielleicht hast du noch Probleme mit deinem Körper, weil er sich durch die Schwangerschaft stark verändert hat. Möglicherweise überfordert dich der Gedanke an lustvolle Körperlichkeit, weil du im Moment voll im Mami-sein aufgehst. All das gehört dazu. Es ist nicht immer einfach, den eigenen Körper nach einer Geburt als sexy und begehrenswert zu sehen. Vergiss aber nicht, dass dein Partner es vielleicht anders empfindet. Bist du noch nicht bereit? Dann redet darüber und erkläre deinem Partner deine Situation. Vielleicht geben dir sanfte Massagen und Streicheleinheiten langsam ein Gefühl für deinen Körper zurück. 

So verhütest du nach der Schwangerschaft pin

Für viele frischgebackene Mamas ist es keine Option, wieder zur Pille als Verhütungsmittel zurückzukehren. Schließlich haben sie das Hormonchaos nach der Geburt gerade erst hinter sich gelassen. 

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mama aus der Redaktion verhütet seit der Geburt nur noch mit Kondom. Sie hatte vorher 17 Jahre lang die Pille genommen. In der Zeit als sie schwanger werden wollte, hat sie das Körpergefühl ohne die hormonelle Verhütung sehr genossen. In jungen Jahren war die Pille für sie sinnvoll, da sie sehr sicher eine ungewollte Schwangerschaft verhindert, wenn man sie korrekt anwendet. Aber nach dem ersten Kind ist sie jetzt froh, dem Hormon-Chaos entronnen zu sein. Sie und ihr Partner kommen seit 4 Jahren wunderbar mit Kondomen zurecht.

Jede Frau ist anders. Jeder Körper reagiert anders: In diesem Video erzählt Vloggerin JackiLina von ihren Erfahrungen zum Thema Verhütung nach der Stillzeit. Sie ist ein Fan der Spirale.