So wurde ich nach der Schwangerschaft wieder fit

FREITAG, 24.08.2018

Blasenschwäche, Wackelbauch und Hormonschwankungen – nach der Geburt war ich unglücklich mit meinem Körper. Nur langsam rappelte ich mich wieder auf …

Ich weiß: Die Geburt ist ein Wunder. In meinem Bauch ist ein Baby gewachsen. Der After-Baby-Body ist etwas ganz Natürliches. Schwabbelschichten, dicke Oberschenkel und Pippi in der Hose gehören zu diesem Wunder nun mal dazu. Trotzdem mochte ich es nicht. Ja sicher, sind das nur Äußerlichkeiten und nichts im Vergleich zu diesem Geschenk des Lebens, welches da gerade neben mir friedlich schläft. Auch ich schreie laut "Hurra!", wenn eine Promi-Mami stolz ihre Schwangerschaftsüberbleibsel in die Kamera hält und sich dafür abfeiern lässt. Ich wünschte, ich wäre auch so selbstbewusst und frei von Komplexen. Bin ich aber nicht.

Ich liebte meinen Babybauch

Als Schwangere fand ich mich tatsächlich wunderschön. Ich liebte meine Kugel, hatte insgesamt nur acht Kilo zugenommen, mein Po blieb rund und mein Busen formte ein Dekolleté, das man nicht anders als üppig bezeichnen konnte. Mir ging es gut, ich hatte keine Schlafprobleme und strahlte folglich tagaus tagein in freudiger Erwartung auf meinen Spatz. Auch die ersten Tage nach der Entbindung ging es mir so. Der postnatale Hormoncocktail verursachte bei mir keinen Babyblues, sondern Hochstimmung. Zwei Wochen später war es damit vorbei. Nicht in Bezug auf mein Baby – ich war, bin und bleibe für den Rest meines Lebens schwer verliebt in den Wurm. Aber mein Körper hatte sich so verändert. Von dem prallen Pregnancy Body war nicht mehr viel übrig.

Alles wabbelt und schwabbelt

Dafür hing meine Bauchdecke schlaff nach unten. Bei jedem Schritt wabbelte und schwabbelte sie im Takt mit. Okay, ich übertreibe, aber so fühlte ich mich. Ich wäre so gerne eine dieser Frauen, die in sich ruhen und ihren Körper in allen Formen und Phasen lieben und akzeptieren. Ich bewundere diese Frauen und bin voll und ganz für Kurven und Body Positivity, sogar mein Mann liebt jedes einzelne Pfund an mir. "Du bist so schön griffig! Ich will was in der Hand haben." Er findet mich auch nach zehn Jahren wirklich sexy. Warum also kann ich das nicht sehen? Warum finde ich ein Bäuchlein an anderen Frauen wunderbar, will aber selbst eine superflache Körpermitte haben? Ich trage nie körperbetone Oberteile, aus Angst, jemand könnte die Röllchen sehen.

Ich probierte alles, nichts funktionierte

Also begann ich ein paar Wochen nach der Geburt mit ausgedehnten Spaziergängen. Mit meinem Baby in der Trage oder im Kinderwagen erkundete ich die Natur, Hügel und Wälder um uns herum. Da mein Beckenboden alles andere als fit war, mit mehreren Stopps hinter Büschen und in Maisfeldern. Nach zwei Monaten begann ich mit der Rückbildung bei meiner Hebamme. Auch zu Hause versuchte ich, die Übungen regelmäßig umzusetzen. Es tat sich überhaupt nichts. Nach einigen Monaten besuchte ich einen fitdankbaby-Kurs, in dem Mamis ihr Baby in die Trage nehmen und eine Art softes Aerobic absolvieren. Nach dem Abstillen, begann ich dann Diäten zu machen. Ich geriet in die klassisch dumme Diät-Jo-Jo-Falle, probierte Saftfasten, trank eine Woche lang nur Wasser mit Zitrone und Ahornsirup, verzichtete auf Kohlenhydrate. Immer mit dem gleichen Erfolg. Kurzfristig purzelten die Kilos, danach waren sie wieder drauf.

Und wo bleibt der Genuss?

Ich wurde wieder schwanger und hörte mit dem Unsinn natürlich sofort auf. Meine Kinder und ihre Gesundheit stehen immer an erster Stelle, auch in Mamas Bauch. Als Nummer Zwei auf der Welt war, ging der Kampf mit meinem Körper aufs Neue los. Mit dem Unterschied, dass es noch schwieriger wurde, Zeit für Sport zu finden. Das änderte sich erst, als wir für ein Jahr zu meinen Eltern zogen, die ganz wunderbare Babysitter waren. Ich konnte dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehen – ein Luxus, den ich sehr zu schätzen wusste. Ich merkte, dass ich auf Essen nicht verzichten will. Ich liebe Kochen, ich liebe gemeinsames Essen, Picknick, Eis im Sommer, Bratwurst im Winter, ein gutes Glas Rotwein am Abend – oder zwei – all das wollte ich nicht aufgeben. Vor allem wollte ich auch meinen Kindern diesen Genuss von frischem, gesundem Essen und ab und an ein wenig Soul Food nicht vorenthalten. Während der Zeit im Fitnessstudio merkte ich, dass mein Körper wieder straffer wurde. Die Kilos blieben drauf, aber es wabbelte nicht mehr so sehr. Meine Trainerin erklärte mir, dass der Körper noch bis zu einem Jahr nach der Schwangerschaft bestimmte Hormone produzieren kann, die das Gewebe weich machen. So war es bei mir. Mein Kleiner war ein Jahr alt und so langsam begann mein Körper auf mich zu reagieren. Wir zogen um, das Fitnessstudio war zeitlich und finanziell nicht mehr drin. Meine Lösung: Fitness-DVDs.

Training zu Hause: für mich perfekt

Ich besorgte mir verschiedenste DVDs: Zumba, Bauch-Beine-Po, Bodyweight Training. Jetzt musste Papa mithelfen. Zwei Mal abends unter der Woche und einmal am Wochenende bespaßte er die Kleinen, während ich im Wohnzimmer herumturnte. Wenn ich Zumba machte, kamen die Zwerge angelaufen und tanzten fröhlich mit. Ah! Sport mit Kindern geht also, ich musste nur erst herausfinden, was das Richtige für mich war. Ganz nebenbei lebe ich meinen Kindern vor, dass Bewegung Spaß macht und dazugehört. Es gibt Phasen, in denen ich weniger Sport mache, dann wieder mehr. Ich habe mal ein/zwei Kilo drauf, dann sind sie wieder runter. Zufrieden bin ich mit meinem Körper immer noch nicht und irgendwie werde ich das leider wohl nie sein. Ich finde das selbst so dumm und überflüssig, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Aber ich fokussiere mich nicht mehr so darauf. Wenn ich etwas esse, genieße ich es. Wenn ich Wein trinke, genieße ich es. Und wenn ich Sport mache, suche ich mir aus, worauf ich gerade Lust habe. Ich versuche immer noch, meinen Körper zu optimieren. Aber noch wichtiger ist es mir, fit zu bleiben. Beweglich zu sein für meine zwei Rabauken und mit ihnen laufen, klettern, schwimmen, rennen, toben und radeln zu können. Und vielleicht, ganz vielleicht, schaffe ich es, meinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Und ihn dafür zu feiern, dass er mir meine zwei Kinder geschenkt hat.

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Unsere Autorin erzählt ehrlich wie sie mit ihrem Körper nach der Geburt zurechtgekommen ist – leider nicht besonders gut.

MeinSpatz Gezwitscher

Mamis sind oft zu kritisch mit sich selbst. Egal, ob es um ihren Körper, den Haushalt oder ihre Mamiqualitäten geht. Dass sie das gar nicht sein müssten, zeigt dieser Liebesbrief eines Papas an seine Frau: "Mama ist die Beste."