Still geboren: Sternenkinder

FREITAG, 19.01.2018

Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Und nicht jede Schwangerschaft endet mit einem gesunden Baby im Arm. 

Wenn ein Kind nicht lebensfähig ist und frühzeitig zur Welt gebracht werden muss, nennt man es Sternen- Engels- oder Schmetterlingskind. Die Eltern müssen lernen, mit dem Verlust des Kindes umzugehen. Doch sie sind nicht alleine mit ihrer Trauer.
In den ersten zwölf Schwangerschaftswochen ist die Gefahr eines Abgangs noch relativ hoch. Daher behalten viele werdende Eltern ihr kleines Geheimnis in dieser Zeit oft für sich. Je weiter der Bauch wächst, desto geringer wird die Gefahr einer Fehlgeburt. Doch trotz guter medizinischer Versorgung gibt es immer wieder Fälle, in denen die Schwangerschaft auch nach der zwölften Woche plötzlich endet. Die Eltern durchleben jetzt eine unglaublich schwere Zeit und müssen sich von ihrem Sternenkind verabschieden. Ihre Träume und Hoffnungen enden abrupt. Die Traurigkeit ist kaum auszuhalten.

Die Frage nach dem Warum

Die Gründe für eine Tot- oder Fehlgeburt sind sehr unterschiedlich. So kann ein genetischer Fehler das Wachstum des Kindes hemmen. Auch eine Fehlbildung der Gebärmutter oder eine hormonelle Störung können Ursachen sein. Die Gründe sollte man immer mit seinem Gynäkologen besprechen, damit so bei einer Folgeschwangerschaft das Risiko einer weiteren Fehlgeburt verringert wird. Doch egal, wie viele Ärzte und Schwestern helfend und beratend zur Seite stehen – die Frage nach dem „Warum?“, nach dem „Warum ausgerechnet unser Kind?“ bleibt. Für die Eltern wird sie nie zufriedenstellend beantwortet werden, aber sie verblasst mit der Zeit.

In aller Stille

Der Schock über die schreckliche Nachricht, über den Tod des Kindes im Mutterleib, fordert viel Kraft von den Eltern. Die Gefühle bei der Geburt eines Sternenkinds sind kaum in Worte zu fassen. Denn in den meisten Fällen wird den Eltern zu einer natürlichen Geburt geraten. Diese sogenannte „stille Geburt“ ist für den Körper und die Psyche der Mutter besser zu verkraften als ein Kaiserschnitt. Auch wenn es unvorstellbar grausam klingt: Die natürliche Geburt ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und die Bildung bestimmter Hormone während der Geburt hilft dabei, Abschied zu nehmen. Die Eltern werden hier besonders intensiv und liebevoll durch die Hebamme betreut.

Unsagbar traurig

Viele Paare stürzen nach einer Fehlgeburt in ein tiefes Loch. Die Trauer und der Verlust sind allgegenwärtig. Es ist dennoch wichtig, sie in Worte zu fassen und mit dem Partner viel und offen darüber zu reden. Noch wichtiger ist es für die Eltern, sich in Ruhe und mit viel Zeit von ihrem Sternenkind zu verabschieden. Die meisten Kliniken nehmen in diesem Fall viel Rücksicht. Um diesen wertvollen Moment der Trauer und des Abschieds zu bewahren, bieten ehrenamtliche Fotografen an, die kurze Zeit mit dem verstorbenen Kind zu dokumentieren. Sie werden z. B. von der Initiative „Dein Sternenkind“ vermitteln, genauso wie passende Kleidung für das Schmetterlingskind. Ein Bild mit dem toten Kind im Arm – was so schrecklich tragisch klingt, gibt vielen betroffenen Paaren Kraft und die Möglichkeit, ihr Kind auch später noch um sich zu haben. Der Initiator Kai Gebel fasst diesen Gedanken in Worte "Jedes Leben besteht aus einer Kette von Reisen. Die Länge der Kette können wir allerdings nicht selbst bestimmen. Manche Kette hält wenige Wochen, eine andere ganze Monate und die nächste vielleicht viele Jahrzehnte. Dennoch kann auch eine kurze Kette viele Reisen bündeln. Wir möchten, dass Ihr Kind nicht nur im Gedächtnis bleibt, sondern auch in greifbaren Objekten auftaucht."

Ein Schimmer der Hoffnung

Wer sein Baby gehen lassen muss, wird diese Traurigkeit sein Leben lang mit sich tragen. Die Erinnerung an dieses unfassbare Ereignis begleitet einen für immer. Aber nach einer gewissen Zeit schwindet die dunkle Zeit der Trauer. Und ein Gedanke gibt Hoffnung: Auch nach einer Fehl- oder Totgeburt kann ein Paar gesunde Kinder zur Welt bringen.

Still geboren: Sternenkinder

Ein Kind durch eine Fehlgeburt zu verlieren, ist schwer zu verkraften.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Autorin von MeinSpatz hatte einen Bruder - er war ein Sternenkind. Er kam nach ihrer älteren Schwester zur Welt. Bevor sie geboren wurde. Wäre er kein Schmetterlingskind gewesen, wäre sie jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf dieser Welt. Und hier passt der umgekehrte Spruch: Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben.

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