Ungeschönt: Was macht die Geburt mit meinem Körper?

MITTWOCH, 13.12.2017

Blasenschwäche, Dammriss, Dehnungsstreifen – eine Geburt hinterlässt ihre Spuren.  

Die natürliche Geburt eines Babys wird nicht umsonst als Wunder bezeichnet. Schließlich leistet dein Körper schier Unglaubliches. Und wenn man so darüber nachdenkt, ist es auch ganz logisch, dass das nicht spurlos an deinem Äußeren vorbeigeht. Eines vorweg: keine Panik! Die meisten Dinge regeln sich mit der Zeit und danach wird dein Körper im Normalfall genauso funktionieren wie zuvor.

Endspurt: Die Geburt geht los

Eingeläutet wird die Geburt des Kindes ganz unterschiedlich. Spätestens wenn du das Austreten von Fruchtwasser bemerkst, ist es endlich soweit: Dein Baby macht sich auf den Weg. Kommen deine Wehen in einem regelmäßigen Abstand, ist das ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Geburt bevorsteht.

Bevor dein Kind das Licht der Welt erblickt, muss sich der Muttermund auf zehn Zentimeter weiten. Erst dann passt das Köpfchen des Babys durch. Vor allem beim ersten Kind kann das ganz schön dauern. Sind die zehn Zentimeter erreicht, beginnt die sogenannte „Austreibungsphase“. Mithilfe der Presswehen wird das Kind – mit dem Kopf voran – förmlich aus dir herausmassiert. Ein extrem anstrengender Kraftakt, sowohl für dich als auch für dein Baby.

Dein Körper leistet Enormes

Der Natur sei Dank, dass du in diesem Moment so von Endorphinen überschwemmt wirst, dass die ganzen Schmerzen und Strapazen schnell in den Hintergrund rücken. Doch legt sich nach ein paar Tagen der erste Schleier des Glücks merkst du, was dein Körper da eigentlich vollbracht hat. Schon in der Schwangerschaft hat er alles dafür getan dem Baby genug Raum zu geben. In Vorbereitung auf die Geburt wir alles weich, wie z. B. die Bänder im Becken. Ist das Baby auf der Welt, werden keine Schwangerschaftshormone mehr ausgeschüttet. Die Gebärmutter zieht sich langsam auf ihre ursprüngliche Größe zusammen, das Gewebe im Körper festigt sich und die Bauchmuskelfasern werden wieder kürzer. Das alles ist ein Prozess, der Zeit braucht.

Die „Untenrum-Probleme“ nach der natürlichen Geburt

Bringst du dein Kind auf natürliche Weise zur Welt, vergrößert sich deine Vagina auf die zehnfache Größe. Nach ein paar Monaten sollte sie aber ihre normale Form zurückbekommen. Bis dahin solltest du einige Wochen nach der Geburt mit der sogenannten Rückbildungsgymnastik beginnen, damit du deine Beckenbodenmuskulatur straffst. Mit dieser Gymnastik behebst du gleichzeitig die (vorübergehende) Blasenschwäche nach einer Geburt. Niesen, Lachen, Husten oder Trampolinspringen kann zu unfreiwilligem Wasserlassen führen. Normalerweise erledigt sich das nach ein paar Tagen oder Wochen von selbst. Solltest du nach 6-8 Wochen noch keine Besserung bemerken, sprich mit deinem Arzt darüber. Die sogenannte Stressinkontinenz ist behandelbar.

Außerdem ist es möglich, dass deine Scheide extrem trocken ist. Das liegt am durcheinandergewirbelten Hormonhaushalt nach der Schwangerschaft. Stillende Mamas trifft es häufiger. Hier kann eine Fettcreme oder Östrogensalbe helfen. Frag deine Hebamme oder deinen Frauenarzt.

Die Angst vor einem Dammriss ist groß. Dabei ist dieser jedoch nicht vorprogrammiert und abhängig von der Elastizität deines Gewebes, der Größe des Kindes, der Vorbereitung des Damms (du kannst ihn während der Schwangerschaft massieren) und der Geschwindigkeit der Geburt. Doch auch wenn größere Dammrisse genäht werden müssen, verheilt die Schleimhaut sehr gut und macht im Normalfall keine Probleme.

Mit dem Milcheinschuss wachsen die Brüste

Auch wenn deine Brüste in der Schwangerschaft schon größer geworden sind, werden sie mit dem Milcheinschuss noch einmal wachsen. Dieser setzt ein paar Tage nach der Geburt ein. Das bleibt dann so solange du stillst. Auch deine Brustwarzen sind dunkler und größer. Durch ihr schnelles Wachstum, musst du an deinen Brüsten – wie auch am Bauch – mit Dehnungsstreifen rechnen. Zwar kann man ihnen mit der richtigen Pflege vorbeugen, doch manchmal bleiben kleine Risse bestehen.

Dein Körper hat wunderbares geleistet. Gibt ihm jetzt die Zeit die er braucht, um sich zu erholen. Du solltest dich mit Liebe betrachten. Freunde dich nach der Geburt neu mit deinem Körper an – auch wenn nicht alles wieder hundertprozentig so ist wie vorher. Das ist ganz normal. Das ist die Natur. Das ist das Leben. Du wirst für alles mit einem riesengroßen Wunder belohnt, das du um nichts in der Welt wieder hergeben willst!

Die Geburt verändert den Körper

Eine Geburt verändert vieles im Leben. Worüber man nicht so gerne nachdenkt: Auch der Körper ist nicht mehr derselbe.

MeinSpatz Gezwitscher

Vor dem ersten Sex nach der Geburt ist vielen Frauen etwas mulmig zumute. Man muss ja erst einmal wieder selbst mit seinem veränderten Körper zurechtkommen. Sich unverhüllt seinem Partner zu präsentieren erfordert da manchmal ein kleines bisschen Mut. Einer Kollegin in der Redaktion ging es zumindest so. Und als sie nach dem Liebesakt nackt neben ihrem Mann im Bett lag, machte er ihr das für sie schönste Kompliment in dieser Situation: Er sah sie an und sagte mit einem Lächeln „Ist doch alles so wie vorher!“ Das war es objektiv natürlich nicht, aber er empfand es subjektiv so. Manchmal braucht es nicht viele Worte.