Vorteile und Risiken einer Hausgeburt

DIENSTAG, 29.05.2018

„Wir bekommen unser Baby daheim!“ Viele Frauen wünschen sich eine selbstbestimmte Geburt in gewohnter Umgebung. Das solltest du über eine Hausgeburt wissen. 

Die Vorteile einer Hausgeburt liegen auf der Hand. Du gebärst in deiner vertrauten Umgebung, fühlst dich wohl, kannst essen und trinken wann und was du willst. Die Geburt zu Hause läuft ohne Diskussion, ganz nach deinen Wünschen ab. All das beeinflusst den Geburtsverlauf sehr positiv. Das frühere Öko-Image einer Hausgeburt ist längst überholt. Selbstbestimmung bei der Niederkunft liegt voll im Trend.

Die drei größten Vorteile

Erfahrene Hebammen und vertraute Personen

Deine Hebamme begleitet dich schon in der Schwangerschaft und kennt dich, sowie deine Wünsche und Ängste. Ihr habt ein echtes Vertrauensverhältnis und das ist für dich als Gebärende absolut von Vorteil: Du lässt dich fallen, hörst auf deinen Körper und kommst so leichter durch die Geburt. Vertraute Personen wie Freunde, Verwandte oder Geschwisterkinder dürfen anwesend sein. Das gilt auch für die Stunden nach der Geburt. So wird dein Kind in einer sehr familiären Umgebung geboren.

Weniger medizinische Eingriffe

Hausgeburten kommen ohne große medizinische Eingriffe aus. Der Grund liegt unter anderem darin, dass die Schwangere alle Zeit der Welt hat, ihr Kind zu gebären. Viele Hebammen helfen mit Akkupunktur und Homöopathie nach. Sie massieren den Damm während der Geburt, so dass auch weniger Dammschnitte gemacht werden müssen. Bei Hausgeburten liegt die Dammschnittrate bei rund 5 Prozent, gute Kliniken weisen etwa 20 Prozent und mehr auf. Unkomplizierte Schürfwunden und kleine Dammrisse oder Dammschnitte werden von deiner Hebamme vor Ort medizinisch versorgt.

Selbstbestimmte Geburt

Im Kreißsaal wirst du zwar gut betreut, aber du unterliegst auch den Regeln der Ärzte und dem straffen Zeitplan des Klinikpersonals. Sie können nicht so viel Rücksicht auf deine Wünsche und Bedürfnisse nehmen. Zuhause entscheidest du ganz allein: Wie willst du gebären? Was willst du dabei anhaben? Welche Körperhaltung ist dir gerade angenehm? Wer soll dabei sein? Die Hebamme steht dir zur Seite und unterstützt dich in den Stunden bis dein Baby da ist, ganz so wie du es willst. Nach der Geburt bist du in deinen eigenen vier Wänden und das Bonding mit deinem Baby geschieht komplett ungestört. Alles läuft ruhiger und natürlicher ab.

Die drei größten Nachteil

Umfangreiche Vorbereitung nötig

Bei einer Geburt zu Hause musst du allerdings auf professionelles Equipment verzichten. Geburtsstühle, Tuch, Ball, Gebärwanne, Hocker und Co.  – einige Hilfsmittel kannst du dir zwar beschaffen, das ist aber mit etwas Aufwand verbunden. In der Vorbereitung ist eine Hausgeburt ziemlich aufwändig. Denke daran, dass deine Hebamme Platz und einen sauberen Ort braucht, um dein Baby auf die Welt zu bringen. Auch sollte es jemanden geben, der Geschwisterkinder und Haustiere betreut, nach der Geburt alles wieder an Ort und Stelle rückt und sauber macht

Bei Komplikationen: Transport ins Krankenhaus

Vor Ort stehen je nach Krankenhaus erfahrene Frauen- und Kinderärzte sofort zur Seite. Bei schweren Komplikationen ist das für dich oder dein Kind lebensrettend. Zwar gehen auch Hausgeburtshebammen kein Risiko ein und verlegen die Schwangere bei Komplikationen sofort ins Krankenhaus oder holen sich Ärzte zur Seite, dabei geht allerdings etwas Zeit verloren. Auch bei starken Dammrissen (meist dritten und vierten Grades) wirst du ins Krankenhaus verlegt werden, um die Wunde bestmöglich zu versorgen. Zwischen elf und zwölf Prozent aller Hausgeburten müssen während der Geburt in die nächstgelegene Klinik verlegt werden.

Keine PDA möglich

Viele Frauen wollen sich offenhalten, ob sie während der Geburt eine Periduralanästhesie (PDA) möchten oder nicht. Während einer Hausgeburt ist das starke Schmerzmittel ausgeschlossen. Zwar sind die meisten Gebärenden zu Hause generell entspannter und die Hebamme kann mit Massagen und Akkupunktur die Schmerzen lindern. Trotzdem gilt gerade für sehr langwierige Geburten: Nach vielen Stunden Wehen sind Schwangere oft sehr erschöpft und haben wenig Kraft für die Presswehen und die Endphase der Geburt übrig. Hier kann eine PDA während der Wehen der Schwangeren eine Ruhephase verschaffen.

Bei komplikationslosen Schwangerschaften und vor allem vorangegangenen Geburten ohne Schwierigkeiten spricht meist nichts gegen eine Hausgeburt. Wenn du dir eine Hausgeburt wünschst, solltest du die Umstände auf jeden Fall früh genug mit deinem Frauenarzt und deiner Hebamme genau durchsprechen. Versuche dich nicht auf den Ablauf der Geburt, das Wann, Wie oder Wo zu versteifen. Eine Geburt läuft immer anders als gedacht. ​

Vorteile und Risiken einer Hausgeburt pin

Eine Hausgeburt hat ihr Öko-Image schon längst abgelegt. Es geht um mehr Selbstbestimmung. Die Vor- und Nachteile findest du in unserem Artikel. 

MeinSpatz Gezwitscher

In der Hebammen-Kolumne „Die Wehenschreiberin“ der Süddeutschen Zeitung schreibt Maja Böhler von einer ganz besonderen HausgeburtEin Fall für die Couch“. Die Redaktion verteilt das Prädikat: sehr lesenswert.