Was kostet eigentlich eine Geburt?

MITTWOCH, 06.02.2019 Julia M.

Krankenhausaufenthalt, Nachsorge, Krankenversicherung fürs Baby. Was zahlt die Krankenkasse und wofür musst du bei einer Geburt selbst aufkommen?

Die Geburt des eigenen Kindes ist für junge Eltern ein unbeschreibliches Erlebnis – an anfallende Kosten denkt in diesem Moment wohl kaum jemand. Trotzdem solltest du wissen: Schon bei der Geburt können Kosten entstehen und diese werden nicht alle von der Krankenkasse übernommen! Entscheidest du dich zum Beispiel für die Betreuung durch eine Hebamme, kommt deine gesetzliche Krankenkasse im Normalfall für die Kosten auf. Möchtest du allerdings zuhause oder in einem Geburtshaus entbinden, kann es sein, dass deine Kasse nur einen festgelegten Höchstsatz übernimmt und du einen Teil selbst bezahlen musst. Eine Rufbereitschaft für deine Hebamme kann in diesem Fall für dich bis zu 500 Euro kosten. Möchtest du dein Kind im Geburtshaus zur Welt bringen, kann es sein, dass die Krankenkasse zum Beispiel nur die Hebamme zahlt. In Ausnahmefällen musst du die Nutzung des Geburtshauses selbst aufbringen. Auch hier müsstest du mit rund 500 Euro rechnen. Kläre das im Vorfeld unbedingt mit deiner Kasse ab.

Bei einer Hebammenbehandlung nach der Geburt können Kosten entstehen, die in den Bereich der Eigenleistungen fallen, da für die Nachsorge nur eine bestimmte Anzahl an Terminen festgelegt ist. Trotzdem solltest du nicht auf eine Nachsorgehebamme verzichten. Warum, erklärt eine Mama aus der Redaktion. Kann deine Hebamme die weiteren Besuche medizinisch begründen, etwa bei Stillproblemen, übernehmen viele Kassen aber auch zusätzliche Hausbesuche.

Mit dem Taxi in die Klinik – Wer übernimmt die Fahrtkosten?

Die Wehen setzen ein und du bist gerade alleine? Wenn es für den Krankenwagen noch zu früh ist, kannst du auch mit Taxi oder Bus in die Klinik fahren. Die Kosten dafür können übernommen werden. Tatsächlich ist es von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Allerdings gilt als Faustregel, dass die Schwangere mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro selbst zahlen muss. Der Rest wird in der Regel von der Kasse erstattet. Wichtig ist nur, dass du die Originalquittung aufbewahrst.

Medizinisch notwendige Kosten übernimmt die Krankenkasse

Von der Schwangerschaftsvorsorge über die Geburtsvorbereitung bis zum Kaiserschnitt und die Nachsorge-Behandlung durch eine Hebamme oder den Rückbildungskurs. Alles was rund um deine Geburt "medizinisch notwendig" ist, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Das bedeutet aber auch, dass du die Kosten für einen Wunschkaiserschnitt selbst tragen musst – es sei denn, dein Arzt kann dir die Notwendigkeit aus psychologischen Gründen attestieren. Behandlungen, die ausschließlich dazu dienen, dir die Zeit während der Schwangerschaft und nach der Geburt angenehmer zu machen, werden nicht berücksichtigt. In der Regel kannst du davon ausgehen, dass deine Krankenkasse die Kosten für die Entbindung im Krankenhaus sowie die Unterbringung von Mutter und Baby in einem Mehrbettzimmer trägt.

Wahlleistungen müssen selbst bezahlt werden

Wünschst du dir etwas mehr Komfort, musst du die Kosten dafür meist selbst übernehmen. Zu diese sogenannten Wahlleistungen zählen beispielsweise Akupunktur während der Wehen. Oder auch die Unterbringung in einem Familienzimmer, wo die kleine Familie in aller Ruhe eine intensive Bindung zueinander aufbauen kann und wo auch der frischgebackene Papa übernachten darf. Für die erste Bindung zwischen Mutter und Kind ist die Übernachtung in einem Mehrbettzimmer mit anderen jungen Müttern, laut Krankenkassen, zunächst ausreichend. Die Kosten für ein Familienzimmer belaufen sich auf etwa 50-100 Euro pro Nacht. Übrigens wenn du jemand bist, der gern weiß was auf ihn zukommt, dann hilft dir womöglich ein Geburtsplan bei der Vorbereitung rund um den großen Tag. Hier kannst du auch eventuelle Kosten eintragen.

Wahlleistungen kostenfrei nutzen mit privater Zusatzversicherung

Schließt du frühzeitig eine private Krankenhaus-Zusatzversicherung ab, kannst du einige Wahlleistungen kostenlos nutzen. Wichtig: Du musst die Versicherung unbedingt schon vor der Schwangerschaft abgeschlossen haben. Nur wenn du die vertraglich festgelegte Wartezeit von acht Monaten nach Vertragsabschluss einhältst, kannst du die Leistungen in Anspruch nehmen. Solltest du eine solche Zusatzversicherung in Erwägung ziehen, schließe sie am besten dann ab, wenn ein konkreter Kinderwunsch besteht. So kannst du nämlich deine bezahlten Zusatzleistungen schon zu Beginn der Schwangerschaft nutzen.

Keine Garantie für das Wunschzimmer

Auch wenn die Kosten für dein Familienzimmer von der privaten Zusatzversicherung übernommen werden, gibt es keine Garantie dafür, dass du dein Wunschzimmer bekommst. Je nach Auslastung der Klinik, wird dir vielleicht ein anderes Zimmer angeboten als das, welches du dir vor der Geburt ausgesucht hast. Aber auch werdende Mamas ohne Zusatzversicherung können mit etwas Glück ein Einzelzimmer zum Tarif der gesetzlichen Krankenkasse erhaschen. Kommt dein Baby nämlich zur Welt, wenn im Krankenhaus nicht so viel los ist, kommst du vielleicht auch als gesetzlich Versicherte in den Genuss von etwas Luxus.

Keine zusätzlichen Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung

Was die Krankenversicherung für dein Baby betrifft, kannst du unbesorgt sein. Sobald dein Kind das Licht der Welt erblickt, ist es automatisch bei deiner Krankenversicherung mitversichert und es fallen keine weiteren Kosten an. Besteht bereits eine Familienversicherung bei einer gesetzlichen Kasse, wird dein Baby kostenfrei aufgenommen. Nach dem Einsenden der entsprechenden Formulare können sich die jungen Eltern bei manchen Kassen sogar über ein kleines Begrüßungspaket freuen.

Parkgebühren, Snacks und Trinkgeld

Zwischen 50 und 100 Euro können im Krankenhaus schon nochmal zusammenkommen. Vielleicht möchtest du öfter einen leckeren Kuchen aus der Cafeteria genießen oder eine Zeitschrift aus dem Kiosk schmökern? Auch Telefon, Internet und TV sind nicht immer frei und müssen selbst bezahlt werden. Außerdem freuen sich die Schwestern, die sich Tag und Nacht um dich und dein Baby gekümmert haben, über Trinkgeld für ihre Kaffeekasse. Nicht zu vergessen: die Parkgebühren. Am besten legst du dir also schon beim Packen der Kliniktasche genug Bargeld bereit. 

Was kostet eigentlich eine Geburt? pin

Um die meisten Kosten brauchen sich Krankenversicherte bei einer Geburt keine Sorgen zu machen. Nur Zusatzleistungen wie z. B. ein Familienzimmer kosten extra.

MeinSpatz Gezwitscher

Kinder kosten – und das hört nicht auf. Auch wenn in Sachen Kinderwunsch das Finanzielle nicht an erster Stelle stehen sollte: Kinderzimmermöbel, Klamotten, doppelte Winter-und Matschausstattung für die Kita, weniger Gehalt wegen Eltern- und später Teilzeit – all das gilt es zu beachten. Eine Mama aus der Redaktion erzählt: "Wir wollten gerne noch ein drittes Kind, aber das war finanziell nicht drin. Ich habe keine Gehaltserhöhung bekommen, wir müssen einen Hauskredit abbezahlen und am Ende des Monats bleibt nichts übrig. Ein drittes Kind wäre zwar wunderschön, aber wir könnten es uns tatsächlich nicht leisten."

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.