Was sind eigentlich Nachwehen?

FREITAG, 05.10.2018

Schmerzen auch noch nach der Geburt? Wenn du weißt, wie wichtig die Nachwehen sind, lassen sie sich leichter aushalten. Übrigens: Schmerzmittel sind erlaubt.

Wehen, Wehen, Wehen – hört denn das nie auf? Gerade First-Mums werden häufig eiskalt von der Erkenntnis erwischt, dass sie auch noch nach der Geburt Schmerzen ertragen müssen. Während die Nachgeburtswehen, mit denen die Plazenta aus der Gebärmutter abgestoßen wird, etwa eine halbe Stunde nach der Entbindung einsetzen und meist nicht sehr weh tun, kann es mit den Nachwehen ganz anders aussehen.

Eine natürliche Reaktion des Körpers

Sie beginnen erst ein bis zwei Tage nach der Geburt, während du wahrscheinlich schon unsterblich in dein Baby verliebt bist und auf Wolke sieben schwebst. Gerade, wenn alles am schönsten ist, und du dich einigermaßen von den Geburtsstrapazen erholt hast, schießt die Milch ein und zeitgleich mit der Hormonausschüttung werden meist die Nachwehen ausgelöst. Bist du zum ersten Mal Mama geworden, bemerkst du die Nachwehen vielleicht gar nicht sofort. Sie haben ungefähr die Intensität von Regelschmerzen. Mit jedem weiteren Kind werden die Nachwehen jedoch deutlich spürbarer, unabhängig von der Art der Geburt, also auch nach einem Kaiserschnitt. Manche Frauen behaupten, beim dritten oder vierten Kind seien die Nachwehen sogar schlimmer als die Geburtswehen. Aber egal wie schmerzhaft, sie sind enorm wichtig für deinen Körper. Das Wissen über die Notwendigkeit der Nachwehen kann dir helfen, sie besser zu verkraften. Und das kommt jetzt:

Nachwehen helfen deinem Körper zu heilen.

Nachwehen sind Kontraktionen der Gebärmutter. Die Gebärmutter ist ein Muskel. Zieht er sich zusammen, löst er eine Wehe aus. Wehen pressen das Kind und die Plazenta heraus und nun – nach der Entbindung – sorgen sie dafür, dass das Wundsekret abgeht. Es bildet sich an der Stelle, an der die Plazenta mit deiner Gebärmutter verwachsen war. Damit stillen die Nachwehen die erste Blutung deines Wochenflusses. Die Wunde beträgt anfangs mehr als 12 Zentimeter im Durchmesser. Innerhalb von zwei Wochen halbiert sie sich bereits auf etwa fünf Zentimeter, nach der Wochenbettzeit von etwa acht Wochen ist sie völlig verheilt.

Während der Nachsorge kontrolliert deine Hebamme  durch Drücken auf deinen Unterleib regelmäßig, ob sich deine Gebärmutter ständig weiter zurückbildet bis sie auf ihre Normalgröße vor der Geburt geschrumpft ist. Bei Mehrlingsgeburten und Baby zwei, drei, vier ff. muss sich die Gebärmutter für ihre Rückbildung deutlich stärker anstrengen als beim ersten Mal. Stellen sich die Nachwehen nicht von alleine ein, werden sie sogar künstlich ausgelöst, um diesen lebenswichtigen Prozess in Gang zu setzen. 

Ich will keine einzige Wehe mehr erleiden! Musst du auch nicht!

Nicht nur während der Geburt, auch nach der Entbindung stehst du dem Schmerz nicht hilflos gegenüber. Sind die Nachwehen sehr stark und rauben dir nachts den Schlaf, lass dir von deiner Hebamme oder dem Klinikpersonal krampflösende Mittel (zum Beispiel Ibuprofen) geben, die sich mit dem Stillen vertragen. Wenn es lediglich beim Stillen (oder Abpumpen) unangenehm zwickt, hilft vielen Müttern meist schon die Vorstellung, dass mit jeder Kontraktion die Rückbildung angekurbelt wird und ihr Körper sich ordentlich anstrengt, bald schon wieder so auszusehen wie früher. Ist doch eigentlich toll, wie die Natur das von ganz allein unterstützt, oder? 

Nachwehen ohne Schmerzmittel überstehen

Wenn du doch lieber auf Schmerzmittel verzichten möchtest, können auch Wärmeanwendungen wie eine Wärmflasche, Kirschkernkissen oder eine warme Dusche helfen. Warme Bäder sind wegen des Wochenflusses noch tabu. Auch bei Nachwehen hilft es den Körper zu entspannen und den Schmerz durch bewusstes Atmen zu lindern. Arnica-Globuli und Kräutertee aus Anis, Fenchel und Kümmel wirken krampflösend. Informiere dich auch bei deiner Hebamme, bestimmt hat sie gute Tipps auf Lager und kann dich schon vorher mit Globuli und Co. versorgen. Übrigens je nach Frau sind die Nachwehen nach zwei bis drei Tagen wieder verschwunden. 

Was sind eigentlich Nachwehen? pin

Theoretisch sind die Wehen nach der Geburt vorbei. Praktisch gibt es da leider noch die Nachwehen...

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mami aus unserer Redaktion hatte nach ihrer zweiten Entbindung so heftige Nachwehen, dass sie weder stehen, liegen oder schlafen konnte. Nach Einnahme eines Schmerzmittels ging es ihr wieder gut. Ihr Mann besorgte ihr alle paar Stunden eine neue Tablette, obwohl sie ein schlechtes Gewissen deswegen hatte. Der Kommentar der Schwester: "Endlich fragt mal jemand danach. Die Frauen denken immer sie müssten alles aushalten, dabei stimmt das gar nicht. Mit Schmerzmitteln können sie sich viel entspannter um ihr Baby kümmern."