Wassergeburt: Das solltest du wissen

DIENSTAG, 17.07.2018

Du wünschst dir eine Wassergeburt? Wir erklären dir, was dich erwartet und wie eine Wassergeburt abläuft.

Bei einer Wassergeburt findet die eigentliche Geburt im Wasser statt. Selten besteigen die Gebärenden das Becken schon in der Eröffnungsphase und bleiben die ganze Zeit im Wasser. Gerade bei Erstgebärenden ist die Zeitspanne von Wehenbeginn bis zur Geburt selbst oft recht lange. So dass zum Beispiel ein Spaziergang zwischendrin ganz gut tut. 

In der Klinik bietet dir deine betreuende Hebamme vielleicht schon in der Eröffnungsphase an, in die Wanne zu gehen. Hier kannst du dich entspannen und die Wehen fühlen sich für dich nicht ganz so schlimm an. Wenn du die eigentliche Geburt dann doch lieber an Land vollbringen willst, ist das ganz allein deine Entscheidung. Du kannst jederzeit aus der Wanne aussteigen. Wenn du dein Baby im Wasser gebären möchtest, steigst du erst kurz vor Beginn der Austreibungsphase wieder in die Wanne. Der Grund: Das warme Wasser bremst die Wehen zuvor eher ab, als dass diese gefördert werden.

Geburtspools und -wannen

In vielen Kreißsälen stehen mittlerweile sogenannte Gebärbecken zur Verfügung. Meist haben sie etwa einen Durchmesser von 140 Zentimetern. Das Wasser sollte ungefähr deiner Körpertemperatur angepasst sein. Für Hausgeburten gibt es sogenannte Geburtspools, die du ausleihen kannst. Ein relativ bekannter Anbieter ist Trust Birth Pools. Für 180 Euro kannst du dir hier deinen Pool für vier Wochen inklusive Zubehör mieten. Bedenke, dass der Pool nach der Geburt wieder gereinigt und zurück gesendet werden muss. Ein Tipp: Gebrauchte Pools findest du beispielsweise bei eBay.

Du möchtest eine Wassergeburt im Krankenhaus oder im Geburtshaus? Dann erkundige dich über die Wassergeburten-Rate deiner Klinik und wähle gegebenenfalls eine mit mehr Erfahrung. Äußere deinen Wunsch am besten schon bei der Vorstellung zur Geburt und halte ihn in deinem Geburtsplan fest. Du solltest aber darauf vorbereitet sein, dass die Geburtswanne bei deiner Geburt vielleicht gerade belegt ist. Nicht alle Kliniken haben mehrere Wannen zur Verfügung. Auch um einen Pool für eine Hausgeburt solltest Du dich frühzeitig kümmern. Schließlich weißt du nie, wann es losgeht.

Wann ist eine Wassergeburt nicht möglich?

Bei einer normalen Schwangerschaft und einer zu erwartenden regulären Geburt steht einer Wassergeburt nichts im Wege. Risikoschwangerschaften, sowie einige Vorerkrankungen wie HIV oder Hepatitis B schließen die Geburt im Wasser wegen des erhöhten Infektionsrisikos aus. Bei Schwangerschaftsdiabetes sind die Kinder häufig unreif und in seltenen Fällen setzt der Tauch-Reflex im Wasser nicht ein. Es könnte also zu Atemproblemen kommen, weswegen auch in diesen Fällen von einer Wassergeburt abgeraten wird.

So läuft eine Wassergeburt ab

Wie die Geburt dann tatsächlich abläuft, wird sich zeigen, wenn es soweit ist. Vielleicht will dein Mann mit ins Wasser? Kläre das zuvor mit der Klinik oder der zuständigen Hebamme. Grundsätzlich ist die Bewegungsfreiheit im Wasser auch während der Wehen viel größer als "an Land", so dass du auch leichter zwischen verschiedenen Geburtspositionen wechseln kannst. In der Wanne bist du mehr von äußerlichen Einflüssen abgeschottet und kannst dich voll auf dich und deinen Körper konzentrieren. Im Wasser ist es dir möglich, ganz in deinem Rhythmus zu gebären.

Ist dein Baby endlich da, erkennst du an den Paddelbewegungen, dass du es zu dir nehmen kannst. Natürlich hilft dir bei Unsicherheiten deine Hebamme. Sobald das Kind aus dem Wasser gehoben wird, beginnt es zu atmen. Bis die Atmung regelmäßig ist, wird dein Baby noch durch die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Das warme Wasser wärmt in dieser Zeit des Atmen-Lernens dein Kind, wenn du weiterhin in der Wanne bleiben möchtest. Zur Nachgeburt solltest du bei der gerade beschriebenen Warmwasser-Methode aus der Wanne steigen. Die Blutgefäße sind entspannt und offen, so dass es Krankheitserregern leichter fällt, einzudringen. 

Kühles oder warmes Wasser?

Anders verhält es sich, wenn die Geburt in kühlerem Wasser abläuft. Manche Frauen wünschen sich schon während der Austreibungsphase eine Abkühlung. Nach der Geburt muss das Baby hier gewärmt werden. Die Nachgeburt wird sich durch das Zusammenziehen der Blutgefäße schneller einstellen und dann auch zügig vonstattengehen. Geburtshelfer erkennen am Aussehen und Verhalten deines Babys, wann die Versorgung der Plazenta endet und die Zeit für die Abnabelung gekommen ist.

Vorteile einer Wassergeburt

Die Vorteile einer Geburt im Wasser liegen auf der Hand: Die Geburt ist sehr viel intuitiver und selbstbestimmter. Verschiedene Studien berichten von kürzeren Wehen, weniger Schmerzen, besserem Geburtsfortschritt sowie weniger Dammschnitten und –rissen. Das liegt zum einen an der zusätzlichen Entspannung, zum anderen an der größeren Dehnbarkeit des Gewebes durch das Wasser. Außerdem übernimmt das Wasser durch seinen natürlichen Widerstand den Dammschutz. Darüber hinaus berichtet die Deutsche Hebammen Zeitschrift in einem Artikel über die positiven Begleiterscheinungen der Wassergeburt. Auch gehen Ärzte und Hebammen davon aus, dass die Geburt für das Baby einfacher ist. Immerhin flutscht es erstmal bei gleichbleibender Temperatur ins Wasser und vollendet damit seine Bewegung. 

Nachteile einer Wassergeburt

In der Wanne sind vaginale Untersuchungen komplizierter. Außerdem können Geburtshelfer und Hebammen schlechter mit anpacken, deswegen muss die Gebärende bei Komplikationen oft an Land wechseln. Darüber hinaus ist die Linderung der Wehenschmerzen durch eine PDA in der Wanne nicht möglich. Bei einer Wassergeburt ist die Hygiene nicht im gleichen Umfang umsetzbar wie bei einer konventionellen Geburt. So soll das Infektionsrisiko für Mutter, Baby und Personal durch die Geburt im Wasser verstärken werden, wie US-Mediziner einem Artikel des Tagesspiegels zufolge herausgefunden haben wollen.

Solltest du dich im Geburtsverlauf gegen eine Wassergeburt entscheiden, kann es je nach Geburtsfortschritt anstrengend oder unangenehm sein, die Wanne zu verlassen, sich abzutrocknen und eventuell den Raum wechseln zu müssen.

Ob eine Wassergeburt für dich das Richtige ist oder eher nicht, musst du für dich selbst entscheiden. Lass dir dabei Zeit und besprich die Vor- und Nachteile mit Arzt und Hebamme. Im Zweifel kannst du bei der Geburt immer noch testen, ob du dich im Wasser wohlfühlst oder nicht.

Wassergeburt: Das solltest du wissen pin

Was ist dran an der Geburt im Wasser? Ist sie wirklich angenehmer für Mama und Baby?

MeinSpatz Gezwitscher

Du willst dich noch umfassender über das Thema Wassergeburt informieren? Auf globetrotterfamily.com findest du eine Zusammenstellung verschiedener Studien zum Thema.