Wehen natürlich auslösen und fördern: 9 Hebammentipps

MITTWOCH, 14.08.2019 Lotte L.

Im letzten Trimester der Schwangerschaft bereitet sich der Körper auf die nahende Geburt vor. Hier teilt eine Hebamme ihre Erfahrungen, wie man auf natürliche Weise die Geburtsvorbereitung unterstützen und Wehen anregen und fördern kann.

Der errechnete Geburtstermin rückt immer näher und mit jedem Tag wächst die Vorfreude und Ungeduld der werdenden Eltern. Die gute Nachricht: es gibt einfache und effektive Mittel, die Geburt natürlich vorzubereiten und auszulösen. Die Hebamme Anne Schmidt beschreibt in diesem Artikel bewährte Methoden zur Geburtsförderung und Unterstützung der Wehentätigkeit.

Wichtig: Halte bitte unbedingt Rücksprache mit deiner betreuenden Hebamme, bevor du einen dieser Vorschläge ausprobierst. Zusammen könnt ihr klären, welche dieser Maßnahmen in welcher Dosierung für dich in Frage kommt.

Maßnahmen, die auf die Geburt vorbereiten und die Wehen sanft fördern

Für eine geburtsförderliche Lebensweise und zur Anregung und Förderung der Wehen in den letzten Wochen der Schwangerschaft empfehle ich in der Regel folgende Maßnahmen:

1. Himbeerblättertee: Der Klassiker unter den natürlichen Hausmitteln zur Geburtsvorbereitung ist der Himbeerblättertee. Ihm wird nachgesagt, entspannend und lockernd auf die Beckenbodenmuskulatur zu wirken und die Darmtätigkeit zu stimulieren. Dadurch haben die Himbeerblätter auch eine wehenanregende und -fördernde Wirkung. Daher sollte der Tee auch erst ab der 34. Woche angewendet werden. Für die Zubereitung wird ein Teelöffel Himbeerblätter mit kochendem Wasser übergossen. Alle Details zur Anwendung und Wirkung des Himbeerblättertee findest du hier.

2. Weihnachtsgewürze (zum Beispiel Zimt, Nelke, Koriander, Kardamom, Anis, Ingwer): Sie fördern Wehen, denn sie enthalten Wirkstoffe, die auf die Gebärmutter und den Muttermund wirken. Besonders wenn Frauen eine Neigung zu vorzeitiger Wehentätigkeit haben und dann viele Weihnachtsgewürze (zum Beispiel in Gebäck und Teemischungen) zu sich nehmen, kann das zu einer Anregung der Wehen führen. Wenn der Geburtstermin bereits überschritten ist, empfehlen wir Hebammen den Verzehr genau dieser Gewürze, damit man sich ihre wehenanregende Wirkung zunutze machen kann. Wie Himbeerblätter können Weihnachtsgewürze in Form von Tee konsumiert werden. Bezüglich der genauen Anwendung hälst du am besten Rücksprache mit der Hebamme.

3. Leinsamen: Die Samen des Flachses lassen das Gewebe geschmeidiger werden und haben eine schleimproduzierende Wirkung. Im Volksmund sagt man, der Leinsamen lässt „das Kind besser flutschen“. Wir raten Schwangeren, einen Esslöffel Leinsamen mit sehr viel Wasser täglich einzunehmen. Wichtig ist, dass der Leinsamen geschrotet wird (z.B. in der Küchenmaschine oder mit dem Mixer), denn nur dann entfaltet er seine Wirkung. Der Leinsamen regt den Darm an, wodurch gleichzeitig die Gebärmutter stimuliert wird. Bei regelmäßiger Einnahme kann Leinsamen daher die Wehentätigkeit anregen und die Geburt schneller einleiten. Deswegen ist es auch hier wichtig, ihn erst ab der 34. Woche anzuwenden.

4. Heublumendampfsitzbad: Ein Dampfsitzbad dient der Geburtsvorbereitung und kann die Wehen unterstützen. Das Bad kann bis in Geburt hinein benutzt werden, z.B. in der Anfangsphase, wenn die Kontraktionen noch nicht so regelmäßig sind. Die Wärme und der Dampf der Heublumen wirken auf den Damm- und Beckenbodenbereich und helfen, die Wehen zu regulieren. Vorsicht: Für Frauen mit Heuschnupfen ist diese Maßnahme nicht geeignet! Um Details bei der Anwendung zu klären, wende dich bitte an deine Hebamme.

5. Bewegung: Leichte körperliche Aktivitäten können die Geburt anstoßen, z.B. Spaziergänge im Freien (am besten in Begleitung) oder Yoga.

6. Verschiedene Formen von Massagen: Bauch- oder Fußreflexzonenmassagen (idealerweise von einer Hebamme), auch in Kombination mit ätherischen Massageölen, können durch eine Förderung der Durchblutung die Wehentätigkeit anregen.

Was tun, wenn das Baby einfach nicht kommen will?

Ist der errechnete Geburtstermin schon verstrichen und trotzdem ist noch nichts passiert? Dann gibt es einige Möglichkeiten, den Wehen auf natürlichem Wege einen Anstoß zu geben, um so eine medizinische Einleitung zu umgehen.

8. Nelkenöl-Tampon: Ein Tampon wird in Nelkenblütenöl eingelegt oder damit beträufelt und dann für eine Stunde vaginal eingeführt. Das Öl bewirkt, dass der Muttermund erweicht und sich dadurch öffnen kann. Wenn dann noch die wehenanregende Wirkung des Öls hinzukommt, kann das manchmal genau der kleine Anstoß sein, der als Auslöser zur Geburt gefehlt hat. Das ist in meiner Erfahrung eine sehr effektive Methode. Es gibt auch Studien, die die Wirksamkeit untersucht haben und eine Reihe von Krankenhäusern arbeiten mittlerweile standardmäßig mit dem Nelkenöltampon. In der Klinik, in der ich meine Ausbildung gemacht habe, wurde diese Maßnahme regelmäßig als erster Versuch der Einleitung vorgenommen.

9. Rizinuscocktail: Dieser Wehencocktail ist eine bekannte Maßnahme, die mit Vorsicht zu genießen ist. Man macht es sich zunutze, dass der Darm angeregt wird und sich richtig entleert. Dadurch erhofft man sich, alle Hindernisse für die Geburt zu beseitigen und den Uterus anzuregen, weil er so eng mit dem Darm verbunden ist. Der abführende und entgiftende Rizinus wird in der Regel mit Aprikosensaft vermischt, der gut schmeckt, aber dem auch eine wehenanregende Wirkung nachgesagt wird. Manche Hebamme geben noch Sekt hinzu, da der Alkohol entspannt und das Öl seine Wirkung entfalten lässt. Andere fügen auch Mandelmus hinzu. Ganz wichtig ist, dass eine Frau einen solchen Cocktail niemals auf eigene Faust nimmt, denn die Wirkung kann sehr heftig ausfallen, da der Cocktail stark abführend wirken kann. Da klappt bei manchen Frauen der Kreislauf komplett zusammen und dann geht es natürlich auch dem Kind nicht gut. Da möchte ich wirklich unbedingt an die betreuende Hebamme verweisen, um mit ihr die Vorgehensweise abzusprechen.

10. Geschlechtsverkehr: Auch Sex ist wehenanregend. Im Samen enthaltene Prostaglandine wirken erweichend und anregend auf den Muttermund. Wichtig ist auch, dass der Kopf der Schwangeren frei ist. Manchmal empfehle ich einem Paar, sich einen schönen Abend zu machen, einfach etwas zu unternehmen, was entspannt. Denn man kann viele Maßnahmen anwenden, aber wenn man innerlich verkrampft und nicht bereit für die Geburt ist, blockiert das häufig deren Wirkung.

Etwas Wichtiges zum Schluss: Keine dieser Maßnahmen kann mit Sicherheit garantieren, dass man eine gute Geburt hat oder man keinen Dammschnitt benötigt. Man kann aber sagen, dass sich durch eine Kombination von geburtsförderlichen Maßnahmen (z.B. die Einnahme von Himbeerblättertee, vielleicht noch in Kombination mit einer Dammmassage) die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen bzw. medizinische Eingriffe verringert.

Für die bevorstehende Geburt wünsche ich euch von Herzen alles Gute! Eure Anne

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Im letzten Trimenon reagiert der Körper verstärkt auf wehenstimulierende Maßnahmen. Sind sowohl Mutter als auch Kind bereit für die Geburt, können eine Reihe von einfachen Methoden die Wehentätigkeit anregen und die Geburt auslösen.

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.