Wenn die Geburt eingeleitet wird – Ein Erfahrungsbericht

DONNERSTAG, 21.12.2017

Wie es ist, wenn eine Geburt eingeleitet wird, kann man nur wissen, wenn man es selbst erlebt hat …

Es war früh am Morgen, drei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin, als ich aufwachte und feststellte, dass ich offenbar einen Blasensprung hatte. Da ich wusste, dass meine Tochter bereits "in Position" war, fuhren mein Mann und ich relativ entspannt in die Klinik. Wehen hatte ich ja keine. Dort wurde der vorzeitige Blasensprung bestätigt. Jetzt hieß es erstmal abwarten. Vielleicht würde sich ja doch noch was tun. Tat es aber nicht. Also schluckte ich gegen Mittag eine Tablette, um die Wehen in Schwung zu bringen. Mit Erfolg! Am frühen Abend ging es richtig los, noch vor Mitternacht hielt ich mein gesundes Baby in den Armen. Die Geburt verlief ohne weitere Komplikationen und ohne PDA, eine Einleitung wollte ich aber beim zweiten Kind mit allen Mitteln vermeiden. Warum? Weil bei mir die häufigste Nebenwirkung des Medikaments (Erbrechen) voll zugeschlagen hat. Und weil ich das Gefühl haben wollte, mit wehenden Fahnen in die Klinik zu kommen, um dort meinen Sohn ganz natürlich zu bekommen.

Dann war der Entbindungstermin da - aber mein Kind nicht

So rückte der errechnete Geburtstermin immer näher und ich war guter Dinge, dass diese Geburt vollkommen normal verlaufen würde. Immerhin hatte ich schon zwei Wochen zuvor jede Nacht etwa drei Stunden lang – durchaus schmerzhafte – Wehen. Doch jedes Mal hörten sie plötzlich wieder auf. Dann war der Entbindungstermin da - aber mein Kind nicht. Ab jetzt hieß es jeden zweiten Tag: Ab in die Klinik zur Kontrolle. Eine Woche nach errechnetem Termin ließ ich mir von meiner Hebamme das Rezept für einen Rhizinuscocktail geben. Der brachte tatsächlich die Wehen in Schwung. Drei Stunden lang. Dann war wieder Schluss. Am nächsten Tag wurde in der Klinik eine Eipollösung gemacht. Dabei massierte die Hebamme meinen inneren Muttermund. Damit löste sie die äußere Hülle der Fruchtblase vom Rand meiner Gebärmutter. Wieder Wehen. Nach drei Stunden war erneut Schluss. Es war wie verhext.

Ich verbrachte eine Nacht weinend im Krankenhaus

Zehn Tage nach ET wurde ich stationär aufgenommen und bekam die - inzwischen heiß ersehnte - Tablette verabreicht. Ich war guter Dinge, dass es auch dieses Mal schnell wirken würde. Mittlerweile waren mir sogar die Nebenwirkungen egal. Gegen Mittag gab es die zweite Dosis. Am Abend eröffnete mir die Hebamme, dass die Einleitung unterbrochen werden muss. Sie hätten zu viele Notfälle reinbekommen. Mit einem Schlag hörten die – zugegebenermaßen eher harmlosen – Wehen wieder auf. Und ich verbrachte eine Nacht weinend im Krankenhaus. Das Kind war noch immer nicht da, mein Mann musste nach Hause zu unserer Tochter.

Ob mein Sohn jemals rauskommen würde?

Am nächsten Morgen bekam ich die nächste Tablette. Zur Mittagszeit sollte es weitergehen. Doch im Kreißsaal schickten sie mich (ohne weitere Tablette) aufs Zimmer. Zu viele Notfälle. Ich war der Verzweiflung nahe. Ob mein Sohn jemals rauskommen würde? Nach einer halben Stunde dann der erlösende Anruf aus dem Kreißsaal: Die Hebamme vom Vortag meinte, ich solle sofort kommen. Sie drückte mir mit den Worten "Das Kind kriegen wir heute noch!" eine Tablette in die Hand. Und tatsächlich:  Am Abend ging es los – und dieses Mal wusste ich sofort, das sind jetzt "echte" Wehen. Vier Stunden später war mein Sohn geboren. Ohne PDA, ohne Saugglocke oder andere Hilfsmittel. Und ohne Nebenwirkungen.

 

Ob ich eine Einleitung empfehlen würde? Nein! Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Kinder möglichst natürlich auf die Welt kommen sollten. Doch wenn es nicht mehr geht - sei es aus physischen oder psychischen Gründen - dann soll es eben so sein. Letztlich bin ich einfach nur froh, dass ich am Ende meine beiden Kinder gesund in meinen Armen halten konnte.

Die Geburt verändert den Körper

Wie fühlt man sich, wenn die Geburt eingeleitet wird? Eine Mama berichtet.

MeinSpatz Gezwitscher

Wir bedanken uns bei unserer Autorin für die ehrlichen Worte und die Zuversicht, dass auch mit Einleitung letztlich alles gut werden kann.