Droht dir eine Risikoschwangerschaft?

DIENSTAG, 10.04.2018

Wird deine Schwangerschaft durch bestimmte Faktoren gefährdet, bekommst du automatisch die Diagnose „Risikoschwangerschaft“ – und eine intensivere Betreuung.

Der Begriff „Risikoschwangerschaft“ wird in Deutschland sehr häufig verwendet, beinahe schon inflationär. Mindestens jede vierte Frau erhält diese Diagnose vom Frauenarzt. Glücklicherweise kommen dennoch etwa 95 Prozent aller Kinder gesund zur Welt. Du hast also mit hoher Wahrscheinlichkeit neun spannende, aber völlig unproblematische Schwangerschaftsmonate vor dir.

Keine Panik vor der Diagnose

Lass dich also nicht beunruhigen von dem Wort „Risikoschwangerschaft“. Es besagt nur, dass Arzt, Hebamme und Klinikpersonal bei dir in einigen Punkten besonders aufmerksam oder vorsichtig sind.  Damit sollen Komplikationen während deiner Schwangerschaft vermieden werden. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen dann beispielsweise häufigere Untersuchungen beim Frauenarzt und die Behandlung spezieller Schwangerschaftserkrankungen. Frank Louwen vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe findet hierfür auf „Spiegel online“ klare Worte: "Der Begriff ist irreführend. Wir vermuten bei dem Wort Risiko, dass etwas Gewaltiges droht. Die Markierung als Risikoschwangerschaft bedeutet für die behandelnden Ärzte aber nur, dass sie bei dieser Schwangeren die spezifische Konstellation im Blick haben müssen."

Auffällige Befunde

Dein Mutterpass, der dir die Schwangerschaft bestätigt, enthält einen Fragenkatalog mit 52 Punkten, die zur Einschätzung einer Risikoschwangerschaft herangezogen werden. Treffen zwei oder mehr Faktoren auf dich zu, wirst du als Risikoschwangere eingestuft. Im Mittelpunkt stehen chronische Erkrankungen wie Diabetes, Asthma und Bluthochdruck, weil du in der Schwangerschaft meist auf andere Medikamente umsteigen musst. Du wirst auch nach einer Drogenabhängigkeit gefragt. Außerdem wird starkes Übergewicht vermerkt, ob dein Blut Rhesus-negativ ist und ob du schon Fehl- oder Frühgeburten und Kaiserschnitt-Entbindungen hattest. Auch dein Heuschnupfen kann eine Rolle spielen.

Ärzte im Zwiespalt

Der Arzt entscheidet darüber, ob er seine Patientin als Risikoschwangere einstuft. "Die niedergelassenen Kollegen haben große Sorgen, dass sie juristische Probleme bekommen, wenn sie den Hinweis 'Schwangerschaftsrisiko' nicht ankreuzen und später Komplikationen auftreten", erklärt Louwen. Die juristische Absicherung geht also häufig auf Kosten der Schwangeren. Denn sie werden durch die Einstufung verunsichert.

Auch wirtschaftliche Gründe treiben Mediziner an. Je mehr Risiken dokumentiert werden, desto mehr zusätzliche Untersuchungen können abgerechnet werden. Nicht immer ist der Befund also stichhaltig.

Ältere Mütter sorgen für Zunahme der Risikoschwangerschaften

Als Hauptrisikofaktor für Schwangere gilt das fortgeschrittene Alter. Ab 35 Jahren steigt die Gefahr von Fehlgeburten und Missbildungen deutlich an. Der Arzt ist dann verpflichtet, dich über die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik, etwa durch Fruchtwasseruntersuchungen oder Nackenfaltenmessungen, aufzuklären. Schwangere Frauen über 35 und unter 18 Jahren werden automatisch als Risikoschwangere eingestuft, auch weil sie statistisch häufiger unter Gestose erkranken.

Diagnose Risikoschwangerschaft? Keine Panik! Sprich mit deinem Arzt und deiner Hebamme ganz genau darüber, was dies in deinem Fall bedeutet. Oft ist die Einstufung nur eine Vorsichtsmaßnahme und du erlebst trotzdem eine entspannte Schwangerschaft. In keinem Fall solltest du dir die Vorfreude auf das kleine Wunder, das in dir heranwächst nehmen lassen. 

Droht dir eine Risikoschwangerschaft? pin

Was genau ist eigentlich eine Risikoschwangerschaft? Und warum trifft diese Diagnose auf so viele Frauen zu?

MeinSpatz Gezwitscher

In unserem Artikel „Späte Mutterschaft – Baby mit 40+?erfährst du mehr über die Risiken für Spätgebärende. Außerdem: Wie denkt die Gesellschaft darüber? Was sind die Vor- und Nachteile?