Erfahrungsbericht: Wann wird es Zeit fürs Geschwisterchen?

MITTWOCH, 03.01.2018

Als unser erster Sohn drei Monate alt war, sprachen wir zum ersten Mal über ein weiteres Kind. Zwei Monate später war ich wieder schwanger. 

Ob ich es wieder so machen würde? Kurz gesagt: Ja. So schnell hintereinander zwei Kinder zu bekommen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich hatte aber auch Glück, denn die Rahmenbedingungen haben es mir einfach gemacht. Zum einen war es mir finanziell möglich, vier Jahre in Elternzeit zu sein. Zum anderen wohnten wir in der Anfangszeit nur einen Steinwurf von meinen Eltern entfernt. Oma und Opa haben uns unermüdlich und tatkräftig unterstützt, hatten dabei aber immer einen Riecher dafür, wenn wir als Familie unsere Privatsphäre brauchten. Vor allem hatte ich problemlose Schwangerschaften. Zwar machte mir bei beiden Jungs Schwangerschaftsdiabetes zu schaffen, aber ansonsten fühlte ich mich bis zu den Geburten absolut fit.

Der Kleine wird zum großen Bruder

Als unser Zweiter auf die Welt kam, war sein großer Bruder gerademal 15 Monate alt. Alle haben gesagt, dass das erste Jahr bestimmt wahnsinnig anstrengend sein würde, aber danach würde es einfacher. Lustigerweise war es bei uns genau andersherum. Unsere Jungs haben von Anfang an sehr gut geschlafen und problemlos gegessen – beides tun sie glücklicherweise bis heute. Der Kleine kuschelte stundenlang bei mir in der Trage, während der Große auf dem Spielplatz im Sand buddelte. Das erste halbe Jahr verging rasend schnell und war nicht mehr oder weniger anstrengend als das Jahr zuvor mit nur einem Kind. Nach einem halben Jahr nahm sich mein Mann sechs Monate frei und wir konnten die Zeit einfach nur genießen.

Stress pur?

Nach einem Jahr wurde Nummer Zwei so richtig aktiv und Nummer Eins kam mit Pauken und Trompeten ins Trotzalter. Ab da wurde es spürbar mehr Arbeit, gelangte ich an meine Grenzen. Aber zu sehen, wie die Jungs zusammenwuchsen und immer mehr miteinander anfangen konnten, entschädigte für vieles. Und ich war von Beginn an oft mit den Zwergen unterwegs: Lange Autofahrten waren nie ein Problem und verschafften mir ein bis zwei Stunden Pause. Egal ob Kindersitz, Trage oder Kinderwagen – Hauptsache, es gab etwas zu sehen und zu beißen, dann war Ruhe.

Werden sie dann losgelassen, gehören meine Jungs aber zu den sehr wilden und temperamentvollen Kindern. Die zwei Rabauken sind mittlerweile drei und vier Jahre alt und wenn sie gemeinsam Gas geben, wackeln bei uns die Wände. Aber genau das ist das Wunderbare: Sie sind immer zu zweit. Klar gibt es mal Streit. Aber die meiste Zeit toben sie gemeinsam durchs Haus, flitzen mit den Laufrädern die Einfahrt rauf und runter und beschäftigen sich in ihrem gemeinsamen Spielzimmer mit Rollenspielen. Sie sind mittlerweile unzertrennlich, gehen in den gleichen Kindergarten, haben viele gemeinsame Freunde und sie nehmen sofort die Beschützerrolle ein, falls ein anderes Kind den Bruder angreift.

Geschwisterliebe

Langeweile ist tatsächlich kein großes Thema bei uns. Eifersucht war auch nie eines. Ich würde sagen, die beiden profitieren täglich voneinander. Und sie vermissen sich, wenn sie getrennt unterwegs waren. Sie sind nicht allein im Zimmer, wenn es regnet, oder wenn Mama und Papa mal schimpfen. Da ist immer jemand da, der Pups-Witze genauso zum Brüllen findet und gerade von Planeten und Astronauten fasziniert ist. Sie teilen alles: ihre Interessen, ihren Spaß, ihr Spielzeug und sogar ihre Klamotten.

Wenn wir mit Freunden unterwegs sind, bei denen der Abstand zwischen den Kindern größer ist, können wir uns jetzt entspannt zurücklehnen, da unsere Jungs keine durchgehende Aufsicht mehr benötigen. Da ist kein kleines Baby mehr, auf das wir aufpassen müssten.

Gibt es auch Nachteile? Für mich gab es keine. Ich habe dreieinhalb Jahre täglich bis zu zwölf Mal Windeln gewechselt, aber auch das wird irgendwann normal. Inzwischen sind wir mit Fläschchen, Windeln, Schnuller, Kinderwagen und allem, was die Kleinsten sonst so brauchen, durch. Und wir schlafen seit einem Jahr zuverlässig sechs bis acht Stunden in der Nacht – je nachdem wann wir ins Bett gehen. Manchmal merke ich, dass mir das fast ein wenig zu schnell ging. Und dann denke ich über Kind Nummer Drei nach …

Wann ist es Zeit für das zweite Kind? pin

Damit der Körper der Frau Zeit hat sich zu erholen, raten Frauenärzte zu einem Abstand von 12 bis 18 Monaten von der Geburt bis zum Beginn der nächsten Schwangerschaft. Unsere Autorin hat auf derlei Ratschläge gepfiffen.

MeinSpatz Gezwitscher

Bei Geschwistern mit geringem Altersabstand kann es schon mal Konkurrenz geben. Der Psychologe Prof. Dr. Jürg Frick rät, den Fokus darauf zu legen, dass jeder andere Stärken hat. Am besten, jedes Kind geht später seinem eigenen Hobby nach, dann ist der Vergleich nicht so direkt.