Erfahrungsbericht: Warum ich unbedingt ein Baby haben will

DONNERSTAG, 22.02.2018

Es läuft gut: tolle Beziehung, spaßiger Job, viele Freunde, stylische Wohnung – rundum nichts zu meckern. Und doch kann ich nur an eines denken: ein Kind.

Ich frage mich immer, warum ich mich so danach sehne, mein relativ entspanntes Leben einem derartigen Stressfaktor auszusetzen. Ich komme und gehe wann ich will, mein Freund und ich lassen uns sehr viel Freiraum. Spontane Partynächte sind kein Problem, zwar sind die Arbeitstage danach ein wenig anstrengend, aber mit viel Kaffee und guten Kollegen locker zu überstehen. Vor allem warten nach Feierabend Couch, TV, Pizza und Ruhe auf mich. Unsere Wohnung ist klein, aber perfekt gelegen, sehr zentral und mit dem öffentlichen Nahverkehr komme ich in unter 30 Minuten überall hin. Mein Freund und ich sind happy, flexibel und genießen unsere Endzwanziger-Zeit in vollen Zügen. Und trotzdem will ich das alles ändern, will raus aus der Stadt, will mich fest binden und ein Kind bekommen. Warum nur?

Mein Leben langweilt mich

Ja es ist Jammern auf hohem Niveau, aber die ewige Party, die Clubs, die Feier-Freundschaften und die absolute Freiheit langweilen mich. Seit ich mit 19 Jahren von zu Hause ausgezogen bin, habe ich mein Leben in vollen Zügen genossen. Das war auch richtig so, aber irgendwie finde ich, dass da jetzt noch mehr kommen muss. In mir wächst der Wunsch, Mutter zu werden. Ich möchte Verantwortung übernehmen, ein Zuhause aufbauen, eine Familie gründen. Ist das etwa die viel beschworene biologische Uhr, die mir langsam aber sicher den Kinderwunsch ins Gehirn tickt? Plötzlich sehe ich überall schwangere Frauen und junge Mütter und ich beneide sie um ihr Leben. Um die Erfüllung, die sie zweifelsohne haben müssen, während ich mich durch eine belanglose Nacht nach der anderen feiere. Mein Leben macht Spaß, aber macht es auch Sinn?

Meine Schwester die Supermami

In meiner Familie bin ich umgeben von Kindern, denn meine Schwester ist Mehrfach-Mami. Sieben Kinder und drei Katzen toben durch ihr wunderbares Haus, das vor lauter Leben zu leuchten scheint. Ihr größter Sohn ist 12 Jahre, die Kleinste wurde vor kurzem geboren. Dazwischen ein lustiger Haufen. Vier Jungs und drei Mädchen sind es insgesamt. Meine Schwester fragt sich bestimmt nicht, ob ihr Leben Sinn macht. Manchmal werde ich traurig, wenn ich sehe, wie zufrieden sie ist und wie ein ums andere Mal ihr Bauch mit einem Kind darin zur Kugel heranwächst. Sie hat sich immer viele Kinder gewünscht. Okay, sieben Kinder müssen es bei mir nicht sein, ich wäre schon mit einem zufrieden und ich weiß, dass ich noch genug Zeit habe. Aber ich möchte nicht mehr warten. Nur … ich treffe diese Entscheidung ja nicht allein.

Mein Freund ist noch nicht bereit – und jetzt?

Wir sind seit neun Jahren ein Paar und im Moment spricht absolut nichts gegen eine Fortsetzung unserer Geschichte. Naja, fast nichts. Zum einen will mein Freund nicht heiraten, weil er das Konzept Ehe an sich überholt findet und zum anderen will er noch keine Kinder. Noch nicht. Für einen Mann ist der Kinderwunsch in unserem Alter nicht so präsent, ich verstehe das. Er hat einfach mehr Zeit. Ich denke aber nicht nur an das erste Kind, sondern bereits an das Geschwisterchen. Ich will kein Einzelkind. Und ich will mit 30 das erste Kind haben. So war immer mein Plan. Wobei ich mir eingestehen muss, dass ich gar nicht so genau weiß, warum. Ich denke aber auch daran, wie und wann ich danach wieder in den Job einsteigen kann. Ich denke daran, dass wir jetzt ein kleines Häuschen auf dem Land kaufen müssten, wenn wir es noch irgendwann abbezahlen wollen. Ich denke daran, dass meine Freundinnen alle Kinder bekommen und ich nicht. Ist das etwa der Grund? Bin ich nur neidisch? Bin ich egoistisch? Aber steckt hinter dem Wunsch, ein Kind zu bekommen, nicht immer ein egoistischer Ansatz? Niemand entschließt sich doch, ein Kind um des Kindes willen zu bekommen. Frauen, Männer, Paare, alle möchten doch ein Kind für SICH. Und warum will ICH unbedingt ein Kind?

Ich will ein Kind, weil …

Ich will ein Kind, weil ich glaube, dass das Leben mehr Sinn macht mit Kindern. Ich will ein Kind, weil ich endlich ankommen will. Ich will ein Kind, weil ich meinen Freund liebe und das Gefühl habe, dass wir das Elternsein zusammen rocken würden. Ich will ein Kind, weil ich mich endlich erwachsen fühlen will. Ich will ein Kind, weil ich es mir wunderschön vorstelle schwanger zu sein. Ich will ein Kind, weil es für mich einfach dazu gehört. Und ja, ich will ein Kind, weil alle anderen auch schon Kinder haben. Ich will ein Kind, weil ich eine junge Mutter sein will. Ich will ein Kind, weil ich mich einfach nach dem Gefühl sehne, Mutter zu sein. Ich will ein Kind, weil ich endlich mit einem Kinderwagen durch die Stadt spazieren will. Ich will ein Kind, weil ich auch mal besonders sein will, nicht nur meine Schwester. Und wo ich jetzt so darüber nachdenke, merke ich, dass ICH ziemlich viel will. Und dass ich lernen muss, Kompromisse mit meinem Partner einzugehen. Denn ich will ein Kind mit IHM. Weil ich ihn liebe. Doch wenn es so weit sein wird, muss ich bereit sein zu sagen: „Und was willst DU, mein Kind?“ Denn das ist mir klar: Ab dem Moment, in dem mein Kind in mir wächst, wird es nicht mehr nur darum gehen, was ich will.  

Erfahrungsbericht: Warum ich unbedingt ein Baby haben will

Unsere Autorin spricht Klartext: Was ist, wenn du unbedingt ein Kind willst, dein Partner dafür aber noch nicht bereit ist?

MeinSpatz Gezwitscher

Vielen Dank an die Autorin für diesen emotionalen Einblick in ihr Seelenleben. Geht es dir ähnlich? Hast du eine Meinung zu diesem oder anderen Themen und möchtest sie uns mitteilen? Dann besuch uns doch auf Facebook. Wir freuen uns auf dich.