Ich bin glücklich, auch ohne Kinder

MONTAG, 24.09.2018

Für viele Frauen ist klar, dass sie Mama sein wollen. Bei mir ist das anders. Ich liebe Kinder, möchte aber kein eigenes. Damit bin ich sehr zufrieden.

Wenn eine Frau Mitte 30 ist und noch keine Kinder hat, scheint klar zu sein: Entweder hat sie keinen Mann, will zuerst Karriere machen oder sie hat Probleme, schwanger zu werden. Die Möglichkeit, dass sie gar keine Kinder will, steht offenbar gar nicht zur Debatte. Zugegeben, es ist sicher eher ungewöhnlich. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich die Einzige ohne Kinderwunsch. Dabei bin ich weder total karrierefixiert, noch fühle ich mich super egoistisch oder mag keine Kinder. Im Gegenteil. Ich habe zwei Patenkinder, die ich über alles liebe. Ich bin ihr Babysitter, hole die Kleine zweimal im Monat von der Kita ab und weiß genau, welche Superhelden der Große gerade am liebsten mag (Ironman, by the way). Mona ist die Tochter meiner Schwester, Johann der Sohn meiner besten Freundin seit der Grundschule. Ich bin gerne mit den zwei Rackern zusammen und gehe in der Rolle als Tante völlig auf. Und wenn ich abends dann wieder kinderfrei bin, genieße ich die Ruhe, die Zeit für mich und die Freiheit auszugehen, wann ich will.

Der Gedanke reifte erst langsam heran

Natürlich ging auch ich mit Anfang 20 davon aus, dass ich irgendwann eine Familie mit Kindern haben würde. Wobei ich schon immer "nur" ein Kind im Kopf hatte. Allerdings schien mir der Gedanke so unglaublich weit weg. Meine Freundinnen und ich reisten, studierten und erlebten viel. Wir fühlten uns so frei. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dieses Gefühl aufzugeben. Mit Mitte 20 sprachen die ersten Mädels in unserer Clique von Kindern. Manche waren schon länger in einer Beziehung, verlobten sich und heirateten und zwei von uns acht wurden schwanger. Ich freute mich für sie, feierte mit ihnen und gratulierte ehrlich, von ganzem Herzen. Aber nicht eine Sekunde lang spürte ich das Verlangen, es ihnen gleich zu tun. Ich war auch bereits seit vier Jahren mit meinem Freund zusammen. Wollte aber weder heiraten, noch eine Familie gründen. Was mich erstmal an unserer Beziehung zweifeln ließ. Auch meine beste Freundin meinte: "Wenn du den Richtigen gefunden hast, willst du sicher eine Familie mit ihm." Nach zwei herrlich unkomplizierten Jahren als Single fand ich den Richtigen. Aber Kinder wollte ich immer noch nicht.

Mein Leben ist wunderbar  - auch ohne Kind

Zum Glück für unsere Beziehung wünscht sich auch mein Partner keine Kinder. Ich denke, das ist einer der Gründe warum wir so gut zusammenpassen. Auch für ihn war es gar nicht einfach, eine Frau zu finden, die ein Leben ohne Kids führen wollte. Wir reisen viel, wir gehen abends gerne ein Glas Wein trinken, wir sind meist sehr spontan für alles zu haben, und wir treffen uns wirklich gern mit unseren Mami- und Papi-Freunden. Wir mögen beide Kinder, und wir spielen und toben mit ihnen durch den Garten, bringen Geschenke mit und hören uns auch alle Geschichten über Form und Farbe des Stuhlgangs, Schlafgewohnheiten und die Probleme in der Trotzphase an – wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass es manchmal schon erstaunlich ist, wie viel es über all diese Themen zu berichten gibt. Unsere Freunde nahmen uns anfangs nicht ernst. "Jetzt wartet mal ab", oder "Bald tickt auch bei dir die Uhr" waren die Standards bei allen Baby-Antrittsbesuchen. Aber wenn mein Freund und ich in die völlig übermüdeten Augen der frischgebackenen Eltern blickten, zwinkerten wir uns nur verschwörerisch zu. Dann kam der Abend meines Junggesellinnen-Abschieds: Nach vier Jahren Beziehung machte mein Freund mir einen Antrag. Ich war 36 und mitten in der lustigsten Feierlaune riet mir eine Freundin, bald loszulegen mit der Familienplanung. Da platzte mir der Kragen.

Ich bin eine Frau, die weiß was sie will

Ich ärgerte mich wirklich extrem über ihren natürlich gut gemeinten "Rat". Mein Leben ohne Kinder war keine Laune oder verrückte Idee. Es war eine bewusste Entscheidung für mich. Ich wollte endlich ernst genommen werden. Ich wollte, dass meine Freundinnen mein Leben genauso akzeptierten wie ich das ihre. Offenbar wurde ich so laut, dass das schlagartig allen klar wurde. Meine beste Freundin rettete die Situation: "Cool, dann bist du ab jetzt mein fix eingeplanter Babysitter. Back off Mädels, ich hab zuerst gefragt. Wer will noch Gin Tonic?" Wir fingen an zu lachen, tranken, feierten und niemand fragte mehr, wann ich endlich schwanger werden würde.

Meine Mutter hat bereits drei Enkel, sie akzeptiert meine Entscheidung voll und ganz. Manchmal macht sie sich Sorgen, dass ich es später bereue. Dann, wenn ich keine Kinder mehr bekommen kann. Sie möchte nicht, dass ich im Alter allein bin. Das verstehe ich, und manchmal denke auch ich darüber nach. Andererseits sind eigene Kinder keine Garantie dafür, dass man als älterer Mensch nicht allein ist. Ich habe eine große Familie. Ich habe einen tollen Mann, meine Eltern, meine Schwester, Neffen und eine Nichte, ich habe zwei Patenkinder und eine paar großartige und sehr enge Freunde. Ich fühle mich nicht allein und habe auch nicht das Gefühl, jemals allein zu sein. Klar, ich tue auch etwas dafür. Ich interessiere mich für alle, nehme an ihrem Leben teil und bin immer da, wenn mich jemand braucht. Mir fehlt nicht. Manchmal sind meine Freundinnen sogar ein wenig neidisch auf mich, meine Freiheit, die Reisen, die ich unternommen habe und meine Wohnung, die ganz ohne Kinderspielzeug und Legosteinchen unterm Sofa auskommt. Trotzdem würden sie ihr Leben mit ihren kleinen Zwergen nie gegen meines tauschen. Und ich auch nicht. Denn Glücklichsein geht für mich auch ohne Kinder. 

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Eine Frau ohne Kinderwunsch findet leider oft keine Akzeptanz in unserer Gesellschaft. Aber nicht jede findet ihr Glück im Mamasein.

MeinSpatz Gezwitscher

Beide Partner wollen keine Kinder? Das ist in den meisten Fällen leider nicht so. Meistens hängt entweder der Mann oder die Frau dem Kinderwunsch nach. So ging es auch unserer Autorin: „Ich will ein Baby – aber mein Mann spielt nicht mit“.