Ich will ein Baby – aber mein Mann spielt nicht mit

DIENSTAG, 15.05.2018

Wenn du unbedingt ein Baby willst, dein Partner aber nicht – davon erzählt dieser sehr persönliche Bericht einer Mama.

Mir war immer klar, dass ich Kinder will. Als ich dann den Richtigen kennenlernte, wusste ich: Jetzt wird es Zeit für ein Baby. Nicht sofort, aber in zwei oder drei Jahren. Frisch verliebt sah mein Mann das ganz genauso. Doch die Jahre vergingen, das Thema rückte immer weiter in den Hintergrund und ich wurde immer unglücklicher. Dann tat ich etwas, das ich nie tun wollte: Ich stellte meinem Mann ein Ultimatum

Für mich gehörte eine Familie mit Kindern stets zu meinem Lebensentwurf. Ich wusste lange nicht, welchen Beruf ich machen oder wo ich wohnen wollte – aber dass ich eines Tages Mama sein würde, wusste ich genau. Ich lernte meinen Mann mit 26 kennen und nach ein paar Wochen Dating sprachen wir auch über das Kinderthema. Ich wollte gerne vor 30 zum ersten Mal schwanger sein. Auch mein Mann fand den Plan ideal und konnte sich das mit mir gemeinsam wunderbar vorstellen. Ich war happy. Wir zogen zusammen, begannen beide mit unseren ersten Jobs und genossen das pulsierende Nachtleben in der Großstadt.

Keine Lust mehr auf Party

Nach zweieinhalb Jahren hatte ich genug von Clubs und langen Partynächten und dachte langsam daran, unseren Kinderplan in die Tat umzusetzen. Mein Mann hatte sich mittlerweile aber anders entschieden. Er wollte noch einmal ausbrechen, die Welt sehen und ein paar Monate woanders leben. Danach, so versprach er mir, wäre auch er bereit für ein Baby. Eine Auszeit zusammen mit meiner großen Liebe klang verlockend und so stimmte ich seinem Vorschlag liebend gerne zu – auch wenn es dann vor 30 mit Kind Nummer 1 nicht mehr klappen würde. Wir sparten etwas Geld und machten uns für drei Monate auf den Weg nach Neuseeland. Eine magische, wunderschöne und wirklich anstrengende Zeit. Denn auf dieser Reise wurde klar: Er war auch danach noch nicht bereit für ein Kind. Ich fühlte mich um meinen Kinderwunsch betrogen und war sauer, dass unsere vielen Gespräche darüber offenbar nichts galten.

Zurück im Alltag begann ich wieder zu arbeiten, mein Mann jedoch kam nicht mehr richtig an. Er hatte sein Herz an das andere Ende der Welt verloren und wollte für immer dort leben. Mit mir. Das kam für mich nicht in Frage. So weit weg von meiner Familie und meinen Freunden sein? Auf keinen Fall. Wir brauchten fast ein ganzes weiteres Jahr, bis wir dieses Dilemma lösen konnten und bis er sich entschied, doch bei mir zu bleiben. Ein weiteres Jahr ohne Kind.

„Wenn du kein Kind willst, müssen wir uns trennen“

Dann machte mein Mann sich selbständig und das Baby-Thema wurde zum finanziellen Risiko heruntergespielt. Ich war 32. Ich wollte nicht mehr warten. Ich fühlte, dass er nicht bereit war. Aber ich wartete seit vier Jahren darauf und war nun selbst nicht mehr bereit, es noch länger zu tun. „Wenn du kein Kind willst, ist das deine Entscheidung. Aber dann müssen wir uns trennen. Denn ich will Kinder. Für mich ist diese Beziehung sonst Zeitverschwendung.“ Harte Worte, die ich bereits bereute, als ich sie aussprach. Aber sie waren wahr. Unsere Beziehung wäre fast daran zerbrochen. Doch mein Mann hatte mich endlich verstanden.

Nach einer sehr traurigen Fehlgeburt bekam ich mit 34 Jahren unseren ersten Sohn. Es war ohne Übertreibung der beste Tag meines Lebens. Zusammen mit der Geburt unseres zweiten Sohnes, nur 15 Monate später und dem Tag, an dem mein Mann um meine Hand anhielt. Im Nachhinein war alles gut so, wie es war. Wir waren neun Jahre lang nur zu zweit. Wir hatten unglaublich viel Zeit für uns als Paar. Das bildete eine unerschütterliche Basis für unsere Beziehung, für unsere Elternschaft und für alles, was wir noch gemeinsam erleben werden. 

mein Mann will keine Kinder pin

Du willst ein Kind, dein Mann aber nicht? Unsere Autorin war in genau dieser Lage.

MeinSpatz Gezwitscher

Der Kinderwunsch von Männern und Frauen verläuft nicht immer synchron. Lange Gespräche, viel Verständnis und Respekt für die Lebensplanung des Partners helfen, die Situation zu klären. Sind die Fronten verhärtet, kann es sinnvoll sein, sich Hilfe bei einer Familien- oder Paarberatung zu holen. Gemeinnützige Einrichtungen wie die Caritas oder die AWO bieten sogar kostenlose Erstgespräche an.