In-vitro-Fertilisation: Ein Baby aus dem Reagenzglas

MONTAG, 09.07.2018

Wenn es mit dem Baby nicht klappt, sehen viele Paare den letzten Ausweg in einer künstlichen Befruchtung. Die häufigste Methode ist dabei die In-vitro-Fertilisation. Wir erklären dir, wie das abläuft.

Eine In-vitro-Fertilisation wird häufig als Synonym für künstliche Befruchtung verwendet. Dabei ist es nur eine von vielen Methoden der Reproduktionstechnologie. Die Befruchtung der Eizelle findet dabei nicht in deinem Körper, sondern in einem Labor statt. Nach einer Hormonbehandlung entnimmt dein Arzt reife Eizellen aus dem Eileiter und fügt männlichen Samen hinzu. Wenn die Befruchtung gelingt und die Eizellen sich weiter entwickeln, werden diese in die Gebärmutter verpflanzt. Dann heißt es hoffen, dass das Baby nicht abgestoßen wird. Kinderwunschkliniken verwenden am häufigsten die In-vitro-Fertilisation. Ob diese Methode allerdings überhaupt in Frage kommt, ist je nach Gründen der Unfruchtbarkeit unterschiedlich.

Kontrollierter Eisprung

Damit möglichst viele Eizellen heranreifen und kein unkontrollierter Eisprung stattfindet, wirst du mit Hormonen behandelt. Bei der sogenannten „Downregulierung“ unterdrücken Hormone deinen natürlichen Zyklus. Etwa zwei Wochen später werden dann die Eierstöcke angeregt, damit mehrere befruchtungsfähige Eizellen heranreifen. Per Ultraschall und Blutuntersuchung kontrolliert dein Arzt die Größe und Reife der Eizellen und leitet, wenn sie befruchtungsfähig sind, deinen Eisprung ein.

Befruchtung im Glas

Der Arzt entnimmt die reifen Eibläschen per Follikelpunktion oder seltener Bauchspiegelung. Am selben Tag findet die Befruchtung im Labor statt. Die Samen des Mannes werden gezielt aufbereitet. In einer Nährflüssigkeit werden die Eizellen und Samenzellen zusammengebracht. Das ist die eigentliche In-vitro-Fertilisation. Unter dem Mikroskop kontrolliert der Arzt, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. In Deutschland dürfen bis zu drei befruchtete Eizellen weiterwachsen und werden später in deine Gebärmutter verpflanzt. Der Rest wird auf Wunsch für spätere Versuche eingefroren.

Endlich schwanger?

Die befruchteten Eizellen reifen in einem Brutschrank und werden etwa eine Woche später in deine Gebärmutter übertragen. Wie viele Eizellen eingepflanzt werden, entscheiden du und dein Partner zusammen mit deinem Arzt. Dies geschieht mittels Katheter durch die Scheide. Vierzehn Tage später verrät ein Schwangerschaftstest, ob die Behandlung erfolgreich war.

Für wen eignet sich In-vitro-Fertilisation?

Die In-vitro-Fertilisation eignet sich besonders, wenn deine Eileiter geschädigt sind, Antikörper gegen die Spermien deines Partners oder eine Endometriose vorliegen, die Zeugungsfähigkeit deines Partners eingeschränkt ist, oder keine Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch gefunden werden konnte. Meist wird zunächst eine Insemination, also eine künstliche Spermienübertragung, versucht, bevor Paaren zur In-vitro-Fertilisation geraten wird.

Gesetzliche Bestimmungen

In Deutschland ist eine In-vitro-Fertilisation nur dann erlaubt, wenn das (Ehe-)Paar mindestens ein Jahr erfolglos versucht hat, ein Baby zu bekommen. Um die Kinder zu schützen, ist sowohl die Eizellspende als auch die Leihmutterschaft durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Es darf lediglich fremder Samen zur Befruchtung deiner Eizellen verwendet werden.

Risiken

Auch wenn die In-vitro-Fertilisation für viele Paare der letzte Ausweg in Sachen Kinderwunsch zu sein scheint, solltest du die Risiken bedenken. Die Chance, dass die Befruchtung erfolgreich verläuft, liegt bei etwa 20 bis 40 Prozent und ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Ein unerfüllter Kinderwunsch – vor allem wenn die erfolgreiche Schwangerschaft vermeintlich nahe liegt – kann eine starke psychische Belastung sein und zur Depression führen. Gesundheitlich ist vor allem die Frau durch Hormonbehandlungen und Operationen betroffen. Auch besteht ein leicht gesteigertes Risiko einer Fehlgeburt. Um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, werden oft mehrere befruchtete Eizellen übertragen. Dies vergrößert natürlich auch das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft.

Kosten und finanzielle Unterstützung

Wer sich für eine In-vitro-Fertilisation entscheidet, muss mit Kosten von mehreren tausend Euro rechnen. Vor allem, weil es meist ja nicht bei einer Behandlung bleibt. Je nach Krankenversicherung und Wohnort darfst du mit finanzieller Unterstützung rechnen. Während die Kosten früher komplett von der Krankenkasse übernommen wurden, wird heute nur noch maximal die Hälfte bezahlt. Dazu müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel solltest du über 25 und jünger als 40 und mit deinem Partner verheiratet sein. Je nach Bundesland hast du auch die Möglichkeit, staatliche Hilfen zu beantragen – hier bekommt ihr übrigens auch unverheiratet Unterstützung.

Falls du dich für eine In-vitro-Behandlung interessierst, lass dich von deinem Frauenarzt beraten. Auch auf den Seiten des Informationsportals Kinderwunsch des Bundesfamilienministeriums findest du umfassende Informationen zum Thema.

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Wie funktioniert das eigentlich, wenn ein Baby im Reagenzglas gezeugt wird?

MeinSpatz Gezwitscher

Ob die In-vitro-Fertilisation für dich und deinen Partner der richtige Weg ist, solltet ihr zusammen mit einem Arzt genau abwägen. Bedenke sowohl die psychischen als auch die gesundheitlichen Risiken. Das Wichtigste: Lasst euch nicht unter Druck setzen. Es ist dein Körper und du entscheidest, was für dich das Beste ist. In unserem Artikel „So kannst du dich bei Kinderlosigkeit behandeln lassen“, hast du die Möglichkeit, dich über die verschiedenen Optionen zu informieren.