Interview mit Adoptiv-Mama: "Man muss das wirklich wollen"

FREITAG, 22.03.2019 Andrea Huber

Anna und Georg können keine Kinder bekommen. Ihr Ausweg: Adoption. Warum das die beste Entscheidung ihres Lebens war und was Anna fühlte, als sie ihre Kinder zum ersten Mal sah ... 

Ich kenne Anna schon ziemlich lange. Zu Studienzeiten haben wir wild gefeiert, gelacht und den ein oder anderen Prosecco gekippt. Ich habe auf ihrer Hochzeit die Nacht zum Tag gemacht und wir haben uns – zum Glück – auch danach nie ganz aus den Augen verloren. Als ich sie fragte, ob sie Lust hätte mit mir über das Thema Adoption zu sprechen, war sie sofort dabei. Anna und ihr Mann Georg können keine eigenen Kinder bekommen. Aufgeben? Das kam für das starke Paar aber nie in Frage. Mittlerweile sind sie Eltern von Laurin und Amelie, zwei wunderbaren Adoptivkindern. Der Weg dahin war nicht immer leicht. Was ihnen geholfen hat? Ihre Liebe, ihre Zielstrebigkeit und diese innere Gewissheit, dass sie irgendwann ein Kind haben würden.

Wann und warum kam bei euch der Gedanke "Adoption" auf? Wart ihr euch sofort im Klaren darüber und einig? Oder habt ihr länger überlegt?

Nachdem wir nach unserer Hochzeit gemerkt haben, dass es mit einer Schwangerschaft nicht funktioniert, haben wir uns testen lassen und eine ziemlich eindeutige Diagnose bekommen. Das war erstmal ein harter Schlag für uns. Wir haben uns beide sehr Kinder gewünscht und eine solche Diagnose reißt einem erstmal völlig den Boden unter den Füssen weg. Aber wir sind beide sehr zielstrebige Menschen, haben uns sofort mit der Situation auseinandergesetzt und überlegt, welche Möglichkeiten es gibt und was wir wollen. Alle medizinischen Maßnahmen, die für unseren Fall in Frage kamen, haben wir einvernehmlich ausgeschlossen und waren uns ganz bald einig, dass wir gerne Kinder adoptieren möchten. Und so hat unser Vorhaben sehr schnell seinen Lauf genommen.

Wie ging es dann weiter? 

Wenn man sich für Adoption interessiert, führt einen der erste Weg zum Jugendamt in der Stadt, in der man wohnt. Und bei den Inlandsadoptionen sind die potenziellen Babys auch diejenigen, die in der Stadt geboren werden in der man lebt. In unserem Fall also München. Babys die in Hamburg geboren werden, werden auch an Paare in Hamburg vermittelt. Bei Auslandsadoptionen verweist das Jugendamt einen dann an die unterschiedlichen Organisationen, je nachdem aus welchem Land man adoptieren möchte.

Ihr habt euch ja dann für ein "Münchner Kindl" entschieden. Wie habt ihr euch beworben und welche Anforderungen musstet ihr erfüllen?

Das Jugendamt bietet in regelmäßigen Abständen Informationsabende zu Inlands-, Auslands-Adoptionen und Pflegschaft an. Wir haben uns alle angehört, das war sehr informativ. Wir haben uns dann erst mal für den Weg der Inlandsadoption entschieden, obwohl wir uns auch ein Kind aus dem Ausland hätten vorstellen können. Wir waren zu diesem Zeitpunkt beide noch relativ jung, ich war 30 Jahre und Georg 32 Jahre, das ist für eine Inlandsadoption schon von Vorteil. Wenn die Diagnose nicht so eindeutig gewesen wäre, wäre wohl noch einige Zeit ins Land gestrichen. So ist es oft bei Paaren ohne ärztliche Befunde oder bei Paaren, die es lange mit künstlicher Befruchtung versuchen. Es vergehen in dem Fall schnell ein paar Jahre und dann wird die Zeit oft knapp für eine Adoption. Richtlinie für das Alter von Bewerberpaaren war damals, dass der Altersabstand zwischen Mutter, Vater und Kind nicht mehr als circa 40 Jahre sein sollte.

Nach dem Infoabend haben wir dann die Bewerbungsunterlagen bekommen. Man muss zum Beispiel ein erweitertes Führungszeugnis und ärztliches Attests abgeben und einen sogenannten Lebensbericht von beiden. Dort soll man über sich selber schreiben, zum Beispiel wie man aufgewachsen ist, wie man erzogen wurde, welche Beziehung man zu seiner Mutter und seinem Vater hat und wie man seine Kinder gerne erziehen möchte. Die Betreuer vom Jugendamt möchten die Bewerber so gut wie möglich kennen lernen, damit sie genau wissen, welche Kinder in Fragen kommen. Dem Jugendamt ist es sehr wichtig, dass "ihre Babys" – wie sie immer liebevoll sagen – auch in die richtigen Hände kommen. Und wenn man das beherzigt, ist es auch selbstverständlich, dass man sehr ehrlich ist und viel von sich erzählt. Und dann gibt es noch den Fragebogen, der spätestens am Ende der Bewerbungsphase abgegeben werden muss. Das war schon eine Herausforderung und für uns die größte Hürde. Man muss sich hier mit sehr wichtigen und teilweise krassen Fragen beschäftigen, zum Beispiel ob man sich auch ein Kind aus einer Vergewaltigung vorstellen kann oder kranke Kinder? Oder Kinder von Eltern, die vielleicht eine erbliche Krankheit haben? Farbige Kinder? Kinder von suchtkranken Müttern und so weiter. Es ist ganz wichtig, dass man sich viel Zeit für die "Kreuzchen" lässt und sich gut informiert, was es für die Entwicklung des Kindes bedeuten kann. 

Wow, das klingt wirklich nicht so einfach und vor allem sehr umfangreich. Wie lange hat es bei euch gedauert und hattet ihr Angst, dass es nicht klappen würde?

Natürlich ist die Angst immer da, dass es nicht klappen könnte. Auch das Jugendamt kann nicht in die Zukunft schauen, wie viele Kinder im kommenden Jahr zur Adoption freigegeben werden. Und wenn dann ein Baby da ist, wird im Team überlegt, zu welchem aktuellen Bewerberpaar das Baby am besten passt. Und hier ist dann eben der Fragebogen ganz wichtig. Wenn das Baby zum Beispiel eine Erkrankung hat, fallen alle Paare raus, die Babys mit Erkrankungen ausgeschlossen haben. Und wenn man angibt, dass nur ein Baby direkt nach der Geburt in Frage kommt, dann wir das Bewerberpaar bei einem älteren Baby auch nicht in die engere Wahl kommen. Zu unserer Zeit kamen auf circa 10 Babys pro Jahr ungefähr 70 Bewerberpaare. Da kann man sich ja schnell ausrechnen, dass nur jedes siebte Paar ein Baby bekommen hat. Wie es aktuell aussieht, weiß ich gar nicht. Aber ich denke, dass die Chancen heute besser sind.

Wie bist du damit umgegangen? Also mit dem Hoffen und Bangen?

Ich habe irgendwie immer gespürt, dass es bei uns klappt, die Hoffnung war bei uns immer stärker. Wir haben alle Voraussetzungen mitgebracht. Und wenn es nicht geklappt hätte, dann wären wir eben für alle Kinder, die zur Adoption freigegeben worden sind, nicht die passenden Eltern gewesen. Wichtig ist, dass man auch wirklich ein Kind adoptieren möchte, des Kindes willen. Die Beziehung der Bewerberpaare muss sehr stabil sein. Auch alle medizinischen Maßnahmen, also künstliche Befruchtungen und so weiter, sollten beendet sein, wenn man sich für eine Adoption entscheidet. Man muss das wirklich wollen. Und das ist den Betreuerinnen vom Jugendamt sehr wichtig. Es werden viele ausführliche Gespräche geführt und immer wieder "Hausaufgaben" aufgegeben, was man sich zutraut und was nicht. Und hier ist Ehrlichkeit und Offenheit sehr wichtig. Wir hatten viel Glück und das Schicksal hat es gut mit uns gemeint: Nach den 9 Monaten Bewerbungsphase hat es bei unserem ersten Kind ungefähr 8 Monate gedauert und bei unserer Tochter nur 5 Monate.

Ihr habt eure Kinder ja als Babys adoptiert. Ist das bei Inlandsadoptionen die Regel?

Laurin war 4,5 Monate und Amelie 9 Wochen. Bei Inlandsadoptionen sind die Kinder meistens nicht älter als 1 Jahr. Oft werden die Babys direkt nach der Geburt abgegeben. Wenn die Situation noch nicht ganz klar ist, sich die leibliche Mutter unsicher ist, ob sie sich eventuell doch für das Baby entscheidet, kommen die Babys zunächst zu Kurzzeit-Pflegemüttern, so war es auch bei unseren Beiden. Ältere Kinder, also über 1 oder 2 Jahren sind dann meistens Pflegekinder oder Kinder aus dem Ausland.

Du hast vorher gesagt, dass ihr neun Monate lang in der Bewerbungsphase wart. Ist das die Regel? 

Ja. Wenn man sich nach dem Infoabend für Adoption entscheidet, kommen circa 9 Monate Bewerbungszeit, in der etwa alle 4 Wochen Gespräche mit der jeweiligen Betreuerin geführt werden. Danach geht die Wartezeit los.

Ist so eine Adoption eigentlich teuer?

Kosten fallen bei Inlandsadoptionen eigentlich nicht an... ich kann mich an 13 Euro für das Führungszeugnis erinnern und 3 Euro für die Bewerbermappe (lacht). Kinder zu adoptieren hat nichts mit Geld zu tun, das denken fälschlicherweise viele. Kinder zu haben dagegen ist teuer, aber das weißt du ja auch.

Ja, da hast du Recht. Und da stellt sich mir gleich die Frage: Wie läuft das eigentlich in Sachen Elternzeit und so? Gilt für Adoptivkind-Mamis die gleiche Rechtsgrundlage?

Ja, es gelten die gleichen Rechte, zum Glück. Das ist auch gut so, denn bis auf die Mutterschutz-Zeit macht es ja keinen Unterschied. Elternzeit und Elterngeld gibt es ab dem ersten Tag und die Beantragung lief bei uns auch relativ problemlos, sagt zumindest mein Mann. Darum hat er sich zum Glück gekümmert, ich hatte zu dem Zeitpunkt ja nur "Baby" im Kopf. Wir konnten das ja nicht vorher beantragen. Eine Art Schwangerschaftsdemenz hatte ich übrigens auch (lacht), das lässt sich demnach nicht auf die Hormone schieben, liebe Mamas... oder meine Hormone haben sich auch geändert, wer weiß!

Wie hat es sich für euch eigentlich angefühlt, das "Plötzlich Mama, plötzlich Papa"-sein? Wie habt ihr erfahren, dass eure Babys geboren sind und ihr Eltern werdet? 

Es kam DER Anruf! "Ihr seid als Eltern ausgewählt worden für den kleinen Laurin. Er ist 4,5 Monate alt und sucht liebevolle Eltern. Wir haben uns ihm Team geeinigt, dass Ihr die auserwählten Eltern für ihn sein sollt." So in etwa klingt es dann am Telefon. Und man fällt fast in Ohnmacht. Ich kann mich erinnern, dass ich als Übersprunghandlung in den Supermarkt gegangen bin und mir eine Cola gekauft habe... ich trinke nie Cola. Dann sind wir am gleichen Tag noch ins Jugendamt gefahren und haben alles über unseren Sohn erfahren. Einen Tag später haben wir die leibliche Mutter kennengelernt und einen Tag darauf endlich unseren Sohn. Es war so wunderbar! Ich habe ihm gleich seine Flasche geben dürfen, ich war im siebten Himmel. Danach kam die "Anbahnungsphase", also die Zeit, in der wir uns kennengelernt haben. Laurin war nach seiner Geburt bei einer tollen Kurzzeit-Pflegefamilie. Dort haben wir ihn rund eine Woche lang täglich besucht und viel Zeit mit ihm verbracht. Nach einiger Zeit ist er dann täglich zu uns gekommen, um langsam sein neues Zuhause kennen zu lernen. Ungefähr nach insgesamt 2,5 Wochen ist er dann bei uns eingezogen und war ab da an nun endgültig bei uns. Ich habe in der ersten Nacht kein Auge zugemacht, Laurin dagegen hat 12 Stunden durchgepennt. Bei unserer Tochter Amelie war die Anbahnung kürzer, da sie noch jünger war. Sie war die ersten Wochen auch noch bei einer sehr netten Kurzzeit-Pflegemutter, nach circa einer Woche war die kleine Maus dann bei uns und ist, wie auch Laurin, sofort angekommen. Wir können uns noch so gut erinnern, als wir Amelie das erste Mal gesehen haben. Wir standen vor der Eingangstür der Kurzzeit-Pflegemutter und mussten noch auf unsere Betreuerin vom Jugendamt warten. Diese Minuten kamen uns wie Stunden vor, wenn man weiß, dass hinter dieser Türe unsere Tochter ist und wir sie gleich das erste Mal in den Arm schließen dürfen. Es war ein unglaubliches Gefühl. Sie hat uns von Anfang an ganz tief in die Augen geschaut, wie wenn sie gefühlt hat, dass das nun Mama und Papa sind.

Die Familie möchte aus naheliegenden Gründen gerne anonym bleiben, weshalb wir alle Namen geändert haben. Aber das Foto der Hände zeigt die Original-Familie, wie sie heute ist.

War euch sofort klar, dass ihr offen mit dem Thema umgeht? 

Für die Entwicklung der Kinder ist es gut, wenn man offen und ehrlich mit dem Thema umgeht. Die Offenheit der Bewerberpaare, auch ein eventueller Kontakt zu den leiblichen Eltern, ist dem Jugendamt schon auch wichtig. Wir möchten keine Geheimnisse vor unseren Kindern haben und wir finden es wichtig, dass sie wenig Fragezeichen mit sich herumschleppen. Unsere beiden wissen, dass sie nicht bei mir im Bauch waren, sondern jeweils bei einer anderen Frau. Trotzdem sind WIR Mama und Papa. Sie sollten selbstbewusst damit umgehen, dass sie adoptiert sind und wissen, dass es bei uns eine ganz besondere und tolle Geschichte ist. Und mal ehrlich: Was macht denn eine Mutter aus? Sie ist immer da, wenn das Kind sie braucht. Sie ist bei den ersten Zähnchen da und freut sich darüber. Die ersten Schritte werden bejubelt, gefilmt und an alle Omas und Tanten geschickt – eine Mama hält Händchen beim Kinderarzt und freut sich immer mit ihrem Kind mit. DAS macht doch eine Mutter aus, da spielt es doch keine Rolle, in welchem Bauch man war. Im Alltag ist das Thema Adoption selten präsent. Unser Alltag unterscheidet sich ja nicht von dem Alltag anderer Familien. Und genetisch ... oft entwickeln leibliche Kinder auch Eigenschaften, bei denen man denkt: Wo hat er/sie das denn her? Und optisch sehen wir uns lustiger weise auch alle ziemlich ähnlich. Das ist natürlich Zufall und war uns überhaupt nicht wichtig. Wir hätten auch gerne farbige Kinder adoptiert, aber das ist bei den Inlandsadoptionen eher selten. Und ich finde, wenn man offen damit umgeht, nimmt man bereits im Voraus einigen Leuten den Wind aus den Segeln, damit erst gar kein Getratsche entsteht nach dem Motto: "Ist dir schon aufgefallen, dass die Kinder von den Dingens ganz andere Augen- und Haarfarbe haben, die war doch gar nicht schwanger? Sind die Kinder von einem anderen?"

Apropos Schwangerschaft. Kanntet ihr die Mütter bereits während der Schwangerschaft?

Nein. Und das ist auch nicht üblich, zumindest nicht in München. Der Anruf, dass man als Eltern für ein Baby ausgewählt wurde, kommt erst, wenn das Baby da ist und die Situation soweit geklärt ist. Die leibliche Mutter hat 8 Wochen nach der Geburt noch die Möglichkeit, ihr Baby zurück zu nehmen. Da ist natürlich bitter, wenn es bereits bei einem ist, aber das ist das Recht der Mutter. Diese Situation kommt aber wohl nicht häufig vor.

Habt ihr denn zu beiden leiblichen Müttern Kontakt? Warum habt ihr euch dafür entschieden und wie fühlt es sich für euch an?

Wir haben nur zu den leiblichen Eltern vom Laurin Kontakt. Amelies Eltern haben bisher noch keinen Kontakt gesucht. Sie wissen aber, dass sie sich jeder Zeit ans Jugendamt wenden können und einen Kontakt herstellen können. Amelies Geburt war eine vertrauliche Geburt, das heißt dass Amelie mit 16 Jahren die Möglichkeit hat, ihre leiblichen Eltern kennen zu lernen. Mit Laurins leiblichen Eltern treffen wir uns 2 Mal im Jahr und unternehmen etwas zusammen: Museum, Spaziergänge oder so. Wir wahren aber eine gewisse Anonymität, das heißt dass wir nur über unsere Betreuerin kommunizieren und uns mit den Vornamen ansprechen. Unseren Nachnamen, Mailadresse, Wohnort und so weiter kennen sie nicht. Es funktioniert sehr gut, da wir alle unsere Rolle in diesem Konstrukt gefunden haben. Die beiden sind sehr dankbar, dass sie Laurin ab und an sehen können. Es ist bei den Treffen ähnlich, wie wenn man sich mit einer Tante und einem Onkel trifft, die man eben nur ab und an sieht. Für unsere Kinder werden wir immer die Eltern sein, keiner kennt sie besser als wir und das wird auch immer so bleiben. Wenn die zwei Mäuse dann wieder am Sonntagmorgen um 6:30 Uhr Händchen-haltend vor unserem Bett stehen und rufen: "Ihr seid die besten Eltern der Welt!" dann ist doch alles gesagt, oder?

Ja da schmilzt das Mutterherz, das kenne ich nur zu gut. Besprecht ihr das Thema Adoption eigentlich mit euren Kindern? Wie gehen sie damit um?

Ja. Unsere Kinder wissen von Anfang an, dass sie nicht bei mir im Bauch waren. Unser Sohn fragt mittlerweile schon genauer nach, er versteht nun auch, dass sein Aussehen genetisch bedingt ist und er vergleicht dann ab und zu vor dem Spiegel, was er von seiner leiblichen Mutter oder seinem Vater hat. Auch für diese Selbstfindung ist es von Vorteil, dass er die beiden kennt. Amelies leibliche Eltern haben wir selber noch nie gesehen, unsere Betreuerin vom Jugendamt hat sie kennengelernt und uns beschrieben, wie sie aussehen. Ich bin selber schon sehr gespannt, wenn wir sie mal kennen lernen. Falls sie sich vor Amelies 16tem Geburtstag nicht melden, dann darf sie entscheiden, ob sie Kontakt aufnehmen möchte. Wir werden jede Entscheidung akzeptieren und sie unterstützen. Wir haben sehr großen Respekt vor allen Müttern, die sich bewusst gegen eine Abtreibung entscheiden und bewusst dafür entscheiden, das Baby auszutragen und anschließend zur Adoption frei zu geben. Sie schenken den Kindern ein glückliches Leben bei Eltern, die sich nichts Sehnlicheres wünschen. Das ist doch toll! Wir sagen unseren beiden auch immer, dass die Frauen, bei denen sie im Bauch waren, aus Liebe gehandelt haben und sie tolle und starke Frauen sind.

Sieht euer Umfeld das auch so? Wie sind Familie und Freunde damit umgegangen? 

Wir sind von Anfang an auch nach außen sehr offen damit umgegangen. Das nahe Umfeld hat ja auch mitbekommen, dass wir von heute auf morgen ein Baby oder ein zweites Kind hatten, daher wissen es eigentlich auch die Meisten. Ich muss sagen, wir haben ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Alle haben sehr positiv reagiert und waren sehr interessiert und haben viele Fragen gestellt. So wie du gerade (lacht). Ich kann mich an eine nette Mama im Kinderturnen erinnern, die meinte, dass mir die Amelie so ähnlich sieht. Ich habe mich bedankt und erzählt, dass wir sie adoptiert haben. Die Mama war völlig verdattert und konnte es gar nicht glauben. Am Ende der Turnstunde kam sie dann nochmal zu uns und hat leicht trotzig und schmunzelnd gesagt: "Und trotzdem finde ich, dass ihr zwei Euch ähnlich seht!" Das fand ich sehr süß!

Eure Erfahrung macht anderen Paaren bestimmt Mut. Was würdet ihr einem Paar sagen, dass sich fragt, ob man ein adoptiertes Kind wirklich liebt.

Ich weiß ja nicht, wie man ein leibliches Kind liebt, aber ich kann mir nicht vorstellen, Kinder noch mehr lieben zu können, als ich es tue. Mehr geht meiner Meinung nach nicht! Wichtig ist, dass man sich sehr gut über das Thema Adoption informiert. Beide Elternteile sollten sich wirklich einig sein, Kinder adoptieren zu wollen. Das Münchner Jugendamt hilft einem wirklich sehr gut dabei.

Würdet ihr im Nachhinein etwas anders machen oder gibt es etwas, dass ihr davor gerne gewusst hättet?

Nein. Wir würden es genauso wieder machen. Unsere Zielstrebigkeit und die Hoffnung, die wir nie aufgeben haben, haben sich ausgezahlt und insbesondere mir damals geholfen, nicht eifersüchtig und neidisch auf alle Mamas und Schwangeren zu sein. Durch die eiserne Hoffnung habe ich es damals schnell geschafft, mich für alle mitzufreuen, die ein Baby erwarten, weil ich irgendwie wusste, dass ich das Glück auch bald haben werde. Kinder sind das Schönste der Welt und wir sind unendlich dankbar, dass wir zwei so tolle Kinder bekommen haben und großziehen dürfen. Oft schaue ich nachts nochmal in ihre Zimmer und kann es immer noch nicht fassen, dass die beiden Engel den Weg zu uns gefunden haben.

Interview mit Adoptiv-Mama: "Man muss das wirklich wollen" pin

Wie funktioniert eigentlich eine Inlandsadoption in Deutschland und wie fühlt sich das an? Unsere Autorin traf eine Adoptiv-Mama zum Interview und bekam ganz persönliche Einsichten in eine Familie mit zwei adoptierten Kindern.

MeinSpatz Gezwitscher:

Und was, wenn sich ein homosexuelles Paar ein Kind wünscht? Wie ist eigentlich die rechtliche Lage für schwule und lesbische Paare mit Kinderwunsch? Zwar sind sie vor dem Gesetz leider noch nicht gleichgestellt, aber hier könnt ihr lesen, unter welchen Umständen eine Adoption trotzdem möglich ist.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.