Pflegekind aufnehmen: Das solltest du beachten

MITTWOCH, 11.09.2019 Julia M.

Du überlegst, ein Pflegekind aufzunehmen? Dann solltest du bestimmte Anforderungen erfüllen. Welche das sind, erfährst du hier.

Nicht jedes Kind wird in glückliche Familienverhältnisse geboren. Manche Eltern sind schlichtweg überfordert, haben mit Suchtkrankheiten zu kämpfen oder können ihren Kindern aus anderen Gründen kein gesundes Familienleben bieten. Du kannst solchen Kindern helfen, indem du sie als Pflegekind aufnimmst und ihnen Stabilität und vor allem Liebe bietest. Für viele Paare mit Kinderwunsch ist das eine gute Option, vor allem wenn aus bestimmten Gründen (z.B. dem Alter) eine Adoption nicht in Frage kommt. Anders als bei einer Adoption bleibt das Sorgerecht bei der Aufnahme des Kindes erstmal bei den leiblichen Eltern. Manchmal kann das Pflegeverhältnis auch in eine Adoption übergehen, aber das ist nicht immer der Fall. Die Fähigkeit loslassen zu können, ist für Pflegeeltern daher äußerst wichtig. Solltest du diese Option für dich in Betracht ziehen, solltest du dir über die Elternschaft auf Zeit also im Klaren sein.

Pflegekind aufnehmen: Diese Voraussetzungen solltest du erfüllen

Wenn ein Kind sein leibliches Elternhaus für eine bestimmte Dauer verlässt, dann hat das gute Gründe. Die Kinder kommen aus instabilen Verhältnissen, haben zum Beispiel den Alkohol- oder Drogenkonsum ihrer Eltern hautnah miterlebt, kennen ihren zweiten Elternteil nicht und sind oftmals Opfer psychischer und physischer Gewalt. Umso wichtiger ist es, dass du ihnen auf Zeit Geborgenheit, Toleranz und Sicherheit geben kannst. Eine hohe Belastbarkeit und viel Geduld sind unabdingbar, denn gerade am Anfang kann es eventuell zu Schwierigkeiten kommen. Du solltest dir bewusst sein, dass das Kind Zeit braucht, um sich an deine Familie zu gewöhnen.

Du und dein Partner müsst nicht zwingend verheiratet sein und auch gleichgeschlechtliche Paare können Pflegeeltern werden. In manchen Fällen können sogar Alleinstehende in Betracht gezogen werden, wobei dies meist auf den Einzelfall ankommt. Schließlich brauchst du für die Betreuung des Kindes Zeit, was bei zwei Elternteilen meist leichter zu bewerkstelligen ist. Meist achten die Ämter darauf die Kinder in Familien zu geben, in denen es bereits andere Kinder gibt. Das jüngste Kind der Familie muss allerdings mindestens zwei Jahre älter sein, als das Pflegekind.

Wichtig ist natürlich auch eine sichere finanzielle Lage. Im besten Fall reicht das Gehalt eines Partners aus, damit sich der andere voll und ganz der Betreuung widmen kann. Du bekommst darüberhinaus ein Pflegegeld vom Jugendamt für die Deckung der Unterhaltskosten. Auch deine Wohnung oder dein Haus müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen und genug Platz bieten.

Zudem solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du kooperativ sein musst. Die meisten Entscheidungen fällst du nämlich mit dem Jugendamt und oft auch mit den leiblichen Eltern zusammen. Vergiss dabei auch nie, dass es um das Wohl des Kindes geht. Du solltest bereit sein es so anzunehmen, wie es ist, mit all den Problemen der Vergangenheit. Entwicklungsstörungen sind bei vernachlässigten Kindern keine Seltenheit. Viele Kinder klammern stark, da sie starke Verlustängste haben. Ander lassen hingegen niemanden an sich ran und verschließen sich komplett.

So bewirbst du dich als Pflegefamilie

Im ersten Schritt kannst du dich an das Jugendamt in deiner Stadt wenden, dass dir Kontakt zu anderen Pflegefamilien vermitteln kann. Das ist sinnvoll, damit du dir einen Eindruck machen und checken kannst, ob du den Schritt wirklich gehen möchtest. Danach kannst du dich bei deinem zuständigen Jugendamt als Pflegefamilie bewerben. Jetzt ist Geduld gefragt, denn das Bewerbungsverfahren dauert oft mehrere Monate, alleine um deine Eignung zu prüfen. Sollte das Jugendamt entscheiden, dass du geeignet bist, meldet es sich mit ausführlichen Informationen über dein potentielles Pflegekind, seine Vorgeschichte und Eltern bei dir. So kannst du in Ruhe entscheiden, ob du diese verantwortungsvolle Aufgabe annehmen möchtest. Entscheide dabei immer im Sinne des Kindes, dem du schließlich ein besseres Leben ermöglich möchtest. 

Hier haben wir ein paar nützliche Links für dich, bei denen du dich informieren und mit anderen Pflegeeltern austauschen kannst. Viele dieser Organisationen veranstalten bundesweit auch Infoabende, bei denen du direkt in Kontakt treten und aus dem Erfahrungsschatz anderer Pflegeeltern schöpfen kannst:

  • BAG KiAP - Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien: www.kiap.de
  • PFAD - Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien: www.pfad-bv.de
  • Pflegeelternforum - Portal von Pflegeeltern für Pflegeeltern www.pflegeelternforum.de
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Pflegekinder brauchen vor allem eines: ganz viel Liebe. Als Pflegefamilie gibst du ihm ein sicheres Zuhause auf Zeit.

MeinSpatz Gezwitscher

Familie N. ist eine so genannte Bereitschaftspflegefamilie. Das heißt, sie nehmen Babys und Kinder auf, die in akuter Not sind und schnellstmöglich aus ihren Familien genommen werden müssen. Was es genau damit auf sich hat, siehst du in diesem Video.

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.