Schwanger, trotz Endometriose?

FREITAG, 04.01.2019

Rund 6 Millionen Frauen leiden in Deutschland an Endometriose und damit an starken Unterleibs-Schmerzen und Fruchtbarkeitsstörungen. Wir erklären, wie du dir trotz Krankheit deinen Kinderwunsch erfüllst.

Die Diagnose „Endometriose" trifft viele Frauen wie ein Schlag: Nach Schätzungen der Endometriose Vereinigung Deutschland sind allein in Deutschland jedes Jahr rund 30.000 Frauen betroffen. Bei vielen von ihnen wird die Krankheit erst entdeckt, wenn ein Kinderwunsch verdächtig lange unerfüllt bleibt. Der Europäischen Endometriose Liga zufolge steckt die Krankheit sogar hinter der Hälfte aller Fruchtbarkeitsprobleme bei Frauen. Und umgekehrt hat die Hälfte aller bereits diagnostizierten Patientinnen Schwierigkeiten beim schwanger werden. Ein Grund zum Verzweifeln sollte das aber nicht sein, denn eine Endometriose muss nicht das Ende deiner Familienplanung bedeuten. Wir erklären dir, was es alles zum Thema Endometriose und Schwangerschaft zu wissen gibt.

Die Krankheit: Das passiert in deinem Körper

Obwohl Endometriose weit verbreitet ist, ist noch viel zu wenig über die Krankheit bekannt und Ärzte brauchen oft lange, um die richtige Diagnose zu stellen. Zeit, die vor allem Frauen mit Kinderwunsch wie eine Ewigkeit vorkommt und an den Nerven zehrt. Doch was macht die Krankheit mit deinem Körper? Gutartige Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) siedelt sich außerhalb der Gebärmutter an, hauptsächlich findet sich das Gewebe an Organen wie Eierstöcken, Eileitern, Darm und Blase. Hier durchläuft die Schleimhaut die gleichen zyklischen Veränderungen wie das normale Endometrium, kann jedoch nicht bei der Regelblutung abgestoßen und ausgeschieden werden. In der Folge kommt es deshalb an den Endometrioseherden zu Entzündungen, Zysten und Vernarbungen. Und genau diese Narben und Entzündungen beeinträchtigen im schlimmsten Fall die Funktion von Eierstöcken und Eileitern.

Die Symptome: Starke Schmerzen

Was die Diagnose so schwierig macht? Wie genau sich eine Endometriose zeigt, ist von Frau zu Frau verschieden: Ein sehr typisches Symptom sind zum Beispiel heftige Unterleibsschmerzen. Sie beginnen häufig schon einige Tage vor der Regel und bleiben während der Menstruation durchgehend stark. Auch Unterleibsschmerzen an anderen Tagen des Zyklus können auf Endometriose hindeuten. Wenn du beim Geschlechtsverkehr und beim Urinieren starke und ungewöhnliche Schmerzen hast, deutet das eventuell ebenfalls auf Endometriose hin. Andererseits tritt die Krankheit manchmal völlig ohne offensichtliche Symptome auf. Dann wird sie meist erst festgestellt, wenn es mit dem Baby über einen längeren Zeitraum nicht klappen will. Umso wichtiger ist es, dass dein Arzt bei Fruchtbarkeitsproblemen auch Endometriose als mögliche Ursache abklärt. Beobachte deinen Körper und deinen Zyklus also ganz genau. Jede noch so kleine Kleinigkeit ist für die Diagnose vielleicht von Bedeutung.

Die Diagnose: Langwierig und problematisch

Endometriose ist eine komplexe Erkrankung und wird deshalb von Ärzten nicht immer gleich erkannt. Die Endometriose Vereinigung Deutschland schätzt, dass jede Patientin im Schnitt sechs Jahre auf eine Diagnose warten muss. Und selbst bei Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen vergehen durchschnittlich drei Jahre. Klar, dass wir in dieser Zeit unsicher sind und uns mit unseren Schmerzen und Problemen nicht ernst genommen fühlen. Ein erstes ausführliches Gespräch mit anschließender Untersuchung bei deinem Frauenarzt hilft, dem Problem auf die Spur zu kommen. Absolute Gewissheit bringt eine Bauchspiegelung. Nur so kann der Schweregrad und die Lage der Krankheitsherde genau bestimmt werden.

Die Behandlung: So kannst du trotzdem schwanger werden

Doch was nun? Was tun mit dem Befund? Vor allem nicht verzweifeln, denn es gibt Mittel und Wege um Endometriose zu behandeln. Sie richten sich nach Art und Ausprägung der Erkrankung und unterteilen sich in verschiedene medikamentöse oder operative Strategien. Dein Kinderwunsch sollte bei der Wahl der richtigen Therapie auf jeden Fall berücksichtigt werden. Denn gerade viele der hormonellen Therapieansätze, zum Beispiel die Einnahme bestimmter Verhütungspillen, stehen einer Schwangerschaft im Weg. Stattdessen kann dein Arzt erst eine operative Entfernung der Krankheitsherde vorschlagen. Die passiert meist über eine Bauchspiegelung. Werden dabei nicht alle Herde entfernt, kann eine anschließende Hormontherapie über mehrere Monate hinweg, die restlichen Stellen "austrocknen". Da die Krankheit chronisch verläuft ist es allerdings so, dass bei fast 80 Prozent der chirurgisch behandelten Frauen innerhalb von fünf Jahren nach dem Eingriff erneut Herde auftreten. 

Wie dein Arzt vorgeht, hängt ganz davon ab, wie genau die Endometriose bei dir ausgeprägt ist. Der Weg zu deinem Wunschkind ist möglicherweise ein wenig länger, deswegen solltest du Fruchtbarkeitstherapien inklusive einer künstlichen Befruchtung nicht ausschließen. Zur Frage ob Endometriose eine Schwangerschaft riskanter macht, gibt es übrigens unterschiedliche Studien. Einige Untersuchungen fanden ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, andere konnten keinen Unterschied zwischen Frauen mit und ohne Endometriose feststellen. 

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Laut WHO leiden 10% aller Frauen an Endometriose. Sie ist die dritthäufigste Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch. Leider wissen viele Frauen nichts davon, weil die Diagnose schwierig ist.

MeinSpatz Gezwitscher

Versuche nicht zu verzweifeln, denn mit der Diagnose Endometriose bist du nicht allein. Vloggerin Madame Marnie erzählt in diesem Video von ihrem Leben mit der chronischen Krankheit und ihrem Weg zum Wunschkind.