So ist eine künstliche Befruchtung wirklich

DIENSTAG, 12.06.2018

Unsere Autorin und ihr Mann konnten auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen. Sie entschieden sich für eine Insemination. Kein leichter Weg.

Als wir mit Ende 20 heirateten, war klar, dass wir auch gemeinsame Kinder haben wollten. Kann ja nicht so schwer sein. Dachten wir. Doch nach drei Jahren des Hoffens und Bangens und zig Untersuchungen später, stellte sich heraus: Der Traum vom eigenen Baby würde sich nie erfüllen. Zumindest nicht auf natürlichem Wege. Der Grund: Die Spermien meines Mannes waren einfach nicht beweglich genug, als dass ich hätte schwanger werden können.

Diagnose: Zeugungsunfähigkeit

Der Schock war groß. Und die Frage, wie es jetzt weitergehen würde, begleitete uns Tag für Tag: Sollten wir uns als Pflegeeltern bewerben? Oder um eine Adoption bemühen, die möglicherweise Jahre dauern würde? Oder doch eine künstliche Befruchtung? Letztlich entschieden wir uns für eine Insemination. Wir wollten absolut ein eigenes Kind! Und wenn das nicht auf natürlichem Wege möglich war, dann eben so. Zwar übernahm die Krankenkasse einen Teil der Kosten (schließlich hatten wir die Zeugungsunfähigkeit meines Mannes ja schriftlich), doch einen Eigenanteil mussten wir aus eigener Tasche bezahlen.

Das war jedoch nicht das Hauptproblem. Das bestand eher darin, dass mein Mann das Gefühl hatte, versagt zu haben. Immerhin war es seine „Schuld“, dass es bei uns nicht klappte. Über Wochen und Monate machte er sich Vorwürfe, quälte sich mit Selbstzweifeln. Egal, wie gut ich ihm zuredete und wie oft ich ihm klarzumachen versuchte, dass ich ihm nichts vorwarf: Es nagte an ihm, dass er es „nicht gebracht“ hatte. Keine leichte Prüfung für unsere Beziehung.

Es geht los!

Doch irgendwann lernte er zu akzeptieren, dass es nicht darauf ankommt, auf welchem Weg sein Sperma in meine Gebärmutter kam, sondern nur DASS es in meinen Körper gelangte. Glück im Unglück: Meine Frauenärztin führte die Insemination durch. Bei ihr bin ich schon seit Jahren in Behandlung, und ich vertraue ihr. Die künstliche Befruchtung erfolgte in Kombination mit einer Hormonbehandlung – was bei mir ziemliche Stimmungsschwankungen verursachte. Ich war sozusagen gefühlt schon schwanger, bevor die eigentliche Behandlung überhaupt losging. Dann kam der Tag X, an dem mir die Spermien meines Mannes injiziert wurden. Den Vorgang an sich empfand ich als nicht mehr oder weniger unangenehm als eine normale Vorsorgeuntersuchung.

Geduld, Geduld, Geduld

Jetzt hieß es warten. Und hoffen, dass die Befruchtung erfolgreich war. Und dann … bekam ich meine Periode. Nicht schwanger. Nach drei Monaten fing die Prozedur von neuem an. Und wieder folgte die bittere Enttäuschung, weil es auch beim zweiten Mal nicht funktioniert hatte. Dieses Gefühl war für mich schlimmer als all die Male zuvor, die es auf natürlichem Wege nicht geklappt hatte. Und ich zweifelte, ob wir wirklich noch einen dritten Versuch riskieren sollten. Einen dritten Versuch, der womöglich wieder in einer Enttäuschung enden würde …

Aller guten Dinge?

Nun war es an meinem Mann, mir gut zuzureden. Hatten wir all diese Untersuchungen, Tränen und Strapazen auf uns genommen, nur um kurz vor dem Ziel aufzugeben? Nein! Und nach fünf Monaten wagten wir einen dritten Versuch – der dann auch der letzte sein sollte. Das hatten wir uns geschworen. Wenn es nicht sein sollte, dann eben nicht. Gab es nicht genug andere Paare, die auch ohne Kinder glücklich waren?

Und wieder legte ich mich bei meiner Frauenärztin auf den Stuhl. Und hielt die Luft an, während sie mir den Samen meines Mannes injizierte. Und erneut ging das Warten los. Und das, worauf wir nicht mehr zu hoffen gewagt hatten, wurde tatsächlich Wirklichkeit! Es hatte geklappt: Ich war schwanger! Schwanger von meinem Mann! Mit unserem Kind! Unserem Sohn, wie sich in der 17. SSW dann endgültig herausstellte. Der an einem wunderschönen Sommertag kerngesund geboren wurde!

Ob wir unser Kind mehr lieben als andere, die auf natürlichem Wege schwanger geworden sind? Das sicher nicht. Doch ich bin der festen Überzeugung, wir haben die Zeugung und auch die Schwangerschaft, ja, vielleicht sogar die ersten Wochen mit dem neugeborenen Baby, bewusster erlebt, als andere Eltern. Wir haben hart dafür gekämpft und viele Beziehungskrisen gemeistert – doch am Ende ist uns klar geworden: All das war es wert! Denn wir sind mit dem größten Wunder belohnt worden, dass es gibt: unserem Sohn!

So ist eine künstliche Befruchtung wirklich pin

Eine Insemination ist eine Belastung für Körper, Seele und Partnerschaft. Aber das alles war unserer Kollegin egal – denn sie wollte ein Kind.

MeinSpatz Gezwitscher

In unserem Artikel So kannst du dich bei Kinderlosigkeit behandeln lassen erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, wenn es mit dem Nachwuchs nicht auf Anhieb klappt.