So kannst du dich bei Kinderlosigkeit behandeln lassen

DONNERSTAG, 11.01.2018

Du wünschst dir nichts sehnlicher als ein Baby? Mit diesem Wunsch bist du nicht alleine. Zum Glück gibt es Behandlungsmöglichkeiten gegen Kinderlosigkeit. 

Mehr als sechs Millionen Deutsche wollen Nachwuchs, doch es will einfach nicht klappen. Die Ursache kann sowohl bei dir als auch bei deinem Partner liegen. Um den Kinderwunsch doch noch zu erfüllen, bietet die Medizin – je nach Ursache – verschiedene Möglichkeiten. Eine Garantie auf Erfolg gibt es dabei allerdings nicht. Zuallererst werden eine allgemeine körperliche Untersuchung und eine Erhebung der Vorgeschichte beider Partner vorgenommen. Außerdem wird eine Hormonanalyse und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt sowie eine gynäkologische Untersuchung. Dadurch wird abgeklärt, ob bei dir überhaupt ein Eisprung erfolgt und wann der beste Zeitpunkt für eine Befruchtung wäre. Nachdem die Ursache der Fertilitätsstörung ermittelt ist, wird in weiteren Diagnoseschritten die beste Behandlungsform ausgewählt.  

Hormonelle Stimulation des weiblichen Eierstocks

Bei 30 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen ist der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch eine hormonelle Störung. Um diese zu behandeln, werden die Eierstöcke durch hormonähnliche Medikamente stimuliert, beispielsweise in Form von Tabletten oder Spritzen. Dadurch soll die Eizellreifung angeregt werden. Durch Ultraschalluntersuchungen wird diese kontrolliert, auch die Hormonwerte des Blutes werden überprüft. Hat sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert, ist der Weg für eine natürlich oder gegebenenfalls eine künstliche Befruchtung frei. 

Samenübertragung (Insemination)

Dass sich bei dir keine Schwangerschaft einstellt, kann an einer geringen Fruchtbarkeit des männlichen Samens liegen, zum Beispiel, wenn dein Partner zu wenige oder nicht ausreichend bewegliche Spermien hat. Um dem männlichen Samen etwas auf die Sprünge zu helfen, werden die – durch Masturbation gewonnenen – Spermien, mit speziellen Verfahren vom Arzt aufbereitet, um die Befruchtungschancen zu erhöhen. Anschließend werden sie direkt mit einer Spritze oder indirekt mit einem Plastikschlauch in die Gebärmutter übertragen. Die durchschnittliche Erfolgsquote liegt bei etwa fünf bis 15 Prozent pro Versuch. Nach mehreren Behandlungszyklen kommt es in bis zu 40 Prozent der Fälle zu einer Schwangerschaft.

Künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, kurz: IVF)

Eine künstliche Befruchtung wird beispielsweise bei einem Eileiterverschluss der Frau, einer Endometriose oder auch bei stark eingeschränkter Qualität der Samenzellen angewendet. Die Dauer einer IVF beträgt mehrere Wochen und ist abhängig von zeitlich genau aufeinander abgestimmten Schritten. Nachdem eine Hormonbehandlung durchgeführt wurde, werden Eizellen aus dem Eierstock entnommen und in einem Labor mit den Spermien des Partners vermischt. Kommt es zu einer Befruchtung und einer Weiterentwicklung einer befruchteten Eizelle, wird diese nach weiteren 24 bis 48 Stunden in die Gebärmutter zurückübertragen. Maximal dürfen drei befruchtete Eizellen eingesetzt werden, um die Erfolgschancen der Behandlung zu steigern. Dies führt bei etwa 20 Prozent der IVF-Behandlungen allerdings zu einer Mehrlingsschwangerschaft. Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Schwangerschaft kommt bei etwa 25 bis 30 Prozent.

Mikro-Injektion oder ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion)

Wenn es aufgrund der Spermienqualität bei einer Samenübertragung oder einer IVF-Behandlung nicht zu einer Befruchtung der Eizelle kommt, wird die ICSI, eine spezielle Form der IVF-Behandlung, angewandt. Nach einer Hormonbehandlung werden dir Eizellen entnommen und eine einzelne Samenzelle wird direkt in die Eizelle injiziert. Kommt es zu einer Befruchtung, werden auch hier bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter übertragen. Die Schwangerschaftsrate liegt je nach Anzahl der übertragenen Eizellen bei fünf bis 30 Prozent. Nach mehreren Behandlungszyklen wird sogar eine Quote von bis zu 60 Prozent erreicht.  

Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA)

Befinden sich in der Samenflüssigkeit des Mannes keine Samenzellen – beispielsweise bei einem Samenleiterverschluss – können häufig zeugungsfähige Spermien durch einen chirurgischen Eingriff aus dem Hoden (TESE) oder den Nebenhoden (MESA) entnommen werden. Die anschließende künstliche Befruchtung erfolgt durch die ICSI-Methode.

Einfrieren von Eizellen (Kryokonservierung)

Die Kryokonservierung ermöglicht das Einfrieren und Lagern von Eizellen und Spermien bei tiefen Temperaturen in flüssigem Stickstoff. Diese Methode wird angewendet, damit bei einer ausgebliebenen Schwangerschaft die körperlich oft sehr belastende Hormonstimulation sowie die Eizellgewinnung nicht wiederholt werden muss. Bei einer hormonellen Stimulation werden normalerweise drei bis zehn Eizellen gewonnen. Maximal drei befruchtete Eizellen dürfen in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die restlichen Eizellen können mithilfe der Kryokonservierung gesichert werden, zu einem späteren Zyklus aufgetaut und nach erfolgter Weiterentwicklung in die Gebärmutter zurückgesetzt werden. In Deutschland bewahrt man eingefrorene Eizellen bis zu zwei Jahre auf, Spermien sind dagegen fast unbegrenzt lagerfähig. Allerdings ist die Schwangerschaftsrate bei der Verwendung frischer Eizellen höher.

Die meisten Behandlungen sind zeitintensiv und seelisch sehr belastend

Wenn du eine dieser Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung ziehst, sollte dir und deinem Partner unbedingt klar sein, dass sie meistens viel Zeit in Anspruch nehmen und außerdem anstrengend, seelisch sehr belastend und teuer für euch werden können. Außerdem sind die Risiken, die mit einer solchen Behandlung einhergehen, nicht zu unterschätzen. Schraubt die Erwartungen nicht zu hoch: Nicht immer stellt sich ein Erfolg ein. Wenn es mit dem Nachwuchs dann aber klappt, wird es die beste Entscheidung eures Lebens gewesen sein. 

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Mit Hilfe moderner Medizin, müssen wir heute einen unerfüllten Kinderwunsch nicht mehr einfach so hinnehmen. 

MeinSpatz Gezwitscher

Wer trägt die Kosten für die Behandlungen? Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch darauf, dass sich die Krankenkasse an den „Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft“ beteiligt. Meistens beträgt der Anteil etwa 50%. Die Voraussetzungen hierfür sind allerdings, dass ihr verheiratet, beide älter als 25, du jünger als 40 und dein Mann jünger als 50 seid. Außerdem muss eine medizinische Notwendigkeit und die Aussicht auf Erfolg bestehen. Ein HIV-Test ist genauso Pflicht, wie eine Beratung zu den medizinischen und psychosozialen Aspekten. Zusätzlich gibt es in manchen deutschen Bundesländern Unterstützung vom Staat. Bei den privaten Krankenkassen bestehen sehr unterschiedliche Regelungen. Ein grober Anhaltspunkt zu den Kosten: 2.500 bis 4.000 € bei einer IVF bzw. 3.000 bis 5.000 € bei einer ICSI.