Späte Mutterschaft – Baby mit 40+?

DONNERSTAG, 08.02.2018

Fünf Prozent aller Frauen sind bei der Geburt ihres Kindes älter als 40. Gesellschaftlich ist das verpönt. Warum eigentlich?

Unsere Gesellschaft altert. Aber Mütter dürfen das nicht. Wenn Frauen sich erst spät für ein Kind entscheiden, werden sie argwöhnisch betrachtet. Teilweise müssen sie auch harte Kritik einstecken. „Unverantwortlich“ und „egoistisch“, das sind die beiden häufigsten Adjektive mit denen reife Mamas bedacht werden. Bei Männern wird dagegen mit einem anderen Maß gemessen. Während beispielsweise die Schwangerschaft der damals 50-jährigen Moderatorin Caroline Beil einen gesellschaftlichen Aufschrei auslöste, ist die späte Vaterschaft von George Clooney mit 56 Jahren kaum der Rede wert. Aber was ist jetzt wirklich dran, an den Vorwürfen?

Argumente gegen ein Baby mit 40+

Biologisch gesehen sind jüngere Mamis klar im Vorteil. Sie verkraften die Geburt und den Alltag mit Kind körperlich besser als Frauen jenseits der 40, auch wenn diese gesundheitsbewusster leben. Das Nervenkostüm ist zudem belastbarer. Ein weiterer Vorteil: Je jünger eine Frau ist, desto schneller kann sie schwanger werden. Die Anzahl der fruchtbaren Eizellen sinkt ab Mitte 20 kontinuierlich. Zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr kann selbst mit den Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin nur noch jede dritte Frau schwanger werden. Auch der Verlauf einer Schwangerschaft ist bei jungen Frauen wesentlich unkomplizierter. Noch mehr darüber erfährst du in unserem Artikel „Wann ist der perfekte Zeitpunkt um schwanger zu werden?“

Argumente für ein Baby mit 40+

Nicht alle Frauen wollen allerdings jung Mama werden. Zum einen dauert die Ausbildung häufig länger als früher, da immer mehr Frauen studieren. Danach arbeiten sie erst am beruflichen Einstieg und ihrer sozialen Absicherung, bevor sie sich bewusst für ein Baby entscheiden. Zum anderen werden Frauen mit zunehmendem Alter, dem Erfolg im Job und ihrer finanziellen Unabhängigkeit wählerischer bei der Partnersuche. Bis der Richtige gefunden ist, geht teilweise viel Zeit ins Land. Kein Wunder also, dass sich manche Frauen erst nach 40 für ein Baby entscheiden.

Psychologen sehen darin sogar einen Vorteil. So zeigen Studien, dass reifere Mamas mehr auf ihre Kinder eingehen als jüngere und sie auch besser unterstützen. Eine konsequentere Erziehung und eine stärkere Förderung, sowohl emotional als auch intellektuell, sind weitere Pluspunkte. Ü40 Mamas sind zufriedener mit ihrer Mutterrolle und empfinden Kinder eher als Bereicherung, denn als Belastung. Laut Forscher hängt die spätere Gesundheit der Kinder direkt mit der Bildung der Mütter zusammen. So deckte eine Studie auf, dass Kinder von Mamis die bei der Geburt jünger als 25 sind, kränker, weniger groß und häufiger übergewichtig sind. Psychologisch gesehen, hat eine späte Mutterschaft also durchaus ihr Vorteile. Medizinisch gesehen, bleiben Zweifel.

Risiko „spätgebärend“?

Ist die Mama 35 Jahre alt gilt jede Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft. Die Krankenkassen reagieren und bezahlen mehr Ultraschalluntersuchungen als bei jüngeren Müttern. Zusätzlich empfehlen sie die Entnahme einer Fruchtwasserprobe. Grund ist die steigende Zahl an Chromosomenstörungen. So hat eine von 68 Frauen über 40 Jahren ein Embryo mit Down-Syndrom. Mit 35 Jahren liegt das Verhältnis noch bei 1:400.

Sind ältere Mütter egoistisch?

Eines ist klar: Die Gefahren für Chromosomenstörungen, Fehlgeburt, medizinisch indizierten Abbruch, Frühgeburt oder Kaiserschnitt sind bei Schwangeren über 40 erhöht. Gesellschaftlich sind Spätgebärende weniger akzeptiert als junge Mütter. Oft wird ihnen vorgeworfen egoistisch zu sein, ihr Ungeborenes bewusst einem größeren Risiko auszusetzen. Viele sind auch der Meinung, dass das Nervenkostüm älterer Mütter nicht mehr so stabil ist und dass sie zu ängstlich sind. Kurz: Sie würden ihre Kinder zu sehr „bemuttern“. Andere wiederum befürworten die Mutterschaft ab 40. Sie haben viel Lebenserfahrung und sind oft finanziell abgesichert, so dass sie ihrem Kind alles bieten können. Die medizinische Versorgung wird immer besser und macht es Spätgebärenden leichter gesunde Kinder zu bekommen. Wofür sich eine Frau auch entscheidet. Sie sollte von anderen keine Kritik, sondern Unterstützung bekommen.

Späte Mutterschaft – Baby mit 40+?

Welche Gründe gibt es dafür, dass Mamas immer älter werden? Und ist das wirklich so unverantwortlich, wie die Gesellschaft es einem suggeriert?

MeinSpatz Gezwitscher

Auch Papas werden immer älter. Obwohl das gesellschaftlich mehr Anerkennung findet, als bei Mamas, gibt es auch hier medizinische Risiken. Schon mit 35 Jahren verschlechtert sich die Spermienqualität deutlich. In einer Studie aus dem Jahr 2014 des Amerikaners Brian D’Onofrio wurde Folgendes festgestellt: Bei Kindern von Vätern über 45, war das Risiko von Fehlbildungen und psychischen Erkrankungen drastisch erhöht. So war die Wahrscheinlichkeit an Autismus zu erkranken dreieinhalbmal so hoch und die Chance ADHS zu entwickeln stieg sogar um das 13-Fache.

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