Was ist eigentlich Social Freezing?

MITTWOCH, 18.07.2018

Frauen mit Kinderwunsch können ihre Eier für später einfrieren lassen. Wir erklären, wie das Verfahren funktioniert und was dabei zu beachten ist.

Du willst ein Kind, aber jetzt ist irgendwie nicht der richtige Zeitpunkt dafür? Andererseits wirst du natürlich auch nicht jünger und du hörst deine biologische Uhr ticken? Vielen Frauen geht es ähnlich, manche entscheiden sich dann für Social Freezing – das Einfrieren der eigenen Eizellen für einen späteren Zeitpunkt. Ursprünglich wurde diese Methode für Frauen entwickelt, denen eine fruchtbarkeitsschädigende Krebsbehandlung bevorstand. Mittlerweile erkundigen sich auch immer mehr gesunde Frauen nach einer möglichen Konservierung ihrer Eizellen.

Nicht immer verlaufen Kinderwunsch, Partnerschaft und Karriere nach Plan. Manche Frauen wollen ein Baby, haben aber gerade keinen Partner. Bei anderen bietet sich eine unglaubliche Job-Chance. Wieder andere fühlen sich in jungen Jahren einfach nicht bereit für ein Baby. Aus rein biologischer Sicht liegt das beste Alter für eine Schwangerschaft zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr. Aber bereits ab 25 nimmt die Qualität der Eizellen ab, und damit sinkt pro Lebensjahr auch die Chance schwanger zu werden. Mehr dazu in unserem Artikel "Wann ist der perfekte Zeitpunkt um schwanger zu werden?". Aber nicht alle Männer und Frauen fühlen sich in diesem Alter reif für ein Kind. Sie möchten warten und die Familienplanung auf später verschieben. Laut einer Forsa-Studie aus dem Jahr 2015 stehen knapp zwei Drittel der über 1.000 befragten Männer und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren dem Thema Social Freezing offen gegenüber. Klar ist, dass Social Freezing die Chancen auf ein Kind über 35 erhöht. Eine Garantie für eine erfolgreiche späte Schwangerschaft ist es allerdings nicht.

Wie funktioniert Social Freezing?

Gut zwei Wochen vor der geplanten Entnahme der Eizellen beginnt die Frau mit einer Hormonbehandlung. Die Eierstöcke werden angeregt, mehr Eizellen reifen heran. Diese werden unter einer kurzen Narkose vaginal entnommen, in eine Nährlösung übertragen und zunächst in den Wärmeschrank gelegt. Die Zellen, die sich für die Kryokonservierung (Einfrieren und Lagern von Teilen des Organismus) eignen, werden anschließend schockgefrostet (Flash Freezing) und auf minus 196 °C runtergefroren (vitrifiziert). Die Lagerung erfolgt in flüssigem Stickstoff. Dank dieses Schnellverfahrens überleben 90 bis 95 Prozent der Eizellen den Auftauprozess. Nach dem Auftauen werden die Eizellen im Reagenzglas mit Spermien befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt.

Wie wahrscheinlich ist eine Schwangerschaft?

Ob die Frau mittels Sozial Freezing später auch wirklich schwanger wird, hängt von mehreren Faktoren ab.

  1. Alter der Frau bei Entnahme der Eizellen: „Am besten lässt man Eizellen vor 30 einfrieren“, sagt Ute Czeromin, Reproduktionsmedizinerin und Vorstandsvorsitzende des Deutschen IVF-Registers, in einem Interview mit welt.de
  2. Anzahl entnommener Eizellen: Mediziner empfehlen mindestens 20, da nicht alle Eizellen das Einfrieren überleben oder später erfolgreich befruchtet werden.
  3. Spermienqualität: Wie bei den Eizellen der Frau lässt auch die Spermienqualität der Männer mit steigendem Alter nach.
  4. Alter der Frau bei der Befruchtung: Je älter die Frau, desto eher treten Komplikationen während der Schwangerschaft auf. Dazu gehören Diabetes, Schwangerschaftsvergiftung und Frühgeburten.

Risiken und Nebenwirkungen für Mutter und Kind

"Das Einfrieren mit anschließender Befruchtung bringt im Vergleich zu einer Spontankonzeption kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für das Baby mit sich," ist auf der Webseite des Münchner Kinderwunschzentrum an der Oper zu lesen. Für die Mutter gilt: Wie bei jedem medizinischen Eingriff sind Risiken nicht auszuschließen. So können die Frauen zum Beispiel auf die Narkose reagieren und leichte Blutungen oder Gewebeverletzungen durch die Eizellenentnahme davontragen. Entscheidest du dich für Social Freezing, wird dich der behandelnde Arzt lange und ausführlich beraten.

Gesellschaftlich verpönt

So richtig ist diese Methode die Fruchtbarkeit zu verlängern noch nicht in unserer Gesellschaft angekommen. Das hat auch damit zu tun, dass es heutzutage verpönt ist über 40 noch Mutter zu werden. Eine späte Vaterschaft ist dagegen für die meisten Menschen unproblematisch. Mehr zu dem Thema findest du in unserem Artikel "Späte Mutterschaft – Baby mit 40+?". Erstaunlich, wo es doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass Frauen früher gar nicht in die Menopause kamen. Unten im "MeinSpatz Gezwitscher" greifen wir das noch mal auf.

Was kostet Social Freezing?

Ganz billig ist Social Freezing natürlich nicht. Und genau da liegt der Haken an der Methode. Denn für bessere Chancen auf ein Baby empfehlen Ärzte, die Eier am besten mit Mitte 20 entnehmen zu lassen. Viele junge Frauen können sich zu diesem Zeitpunkt die Behandlung aber nicht leisten. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Natürlich rechnet jede Klinik ein klein wenig anders ab. Aber mit diesen Kosten musst du in etwa rechnen:

  • Ein Stimulationszyklus mit Eizellentnahme: 2.500 bis 3.000 Euro (manchmal sind zwei Zyklen notwendig
  • Lagerung der Eizellen: 200 bis 300 Euro pro Jahr
  • Spätere Mikroinjektion mit Spermien: Eigenanteil zwischen 1.500 und 2.500 Euro pro Versuch. Bei der künstlichen Befruchtung übernehmen einige Krankenkassen einen Teil der Kosten – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Übrigens gibt es Social Freezing nicht nur für Frauen. Auch Männer können ihre Spermien in jungen Jahren einfrieren lassen, wenn etwa die Samenqualität eingeschränkt ist oder eine Chemotherapie ansteht. Eines solltest du nicht vergessen: Ob du dich für Social Freezing entscheidest, ist ganz allein deine Sache.

Was ist eigentlich Social Freezing? pin

US-Konzerne wie Apple, zahlen ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen, damit sie den Kinderwunsch aufschieben.

MeinSpatz Gezwitscher

Forscher fanden heraus, dass früher die Menopause bei Frauen gar nicht existierte und sie genauso lange fruchtbar waren, wie Männer heutzutage auch. Hier erzählt eine 42-Jährige, wie sie dieses Wissen wachgerüttelt hat und warum sie sich dann für Social Freezing entschieden hat.