Was macht Männer unfruchtbar?

MITTWOCH, 07.03.2018

Macht Fahrrad fahren wirklich impotent? Und welche Ursachen gibt es sonst noch, für die Zeugungsunfähigkeit von Männern?

Worauf die offenbar mindere Qualität oder ungenügende Zahl der Spermien zurückzuführen ist, beschäftigt Mediziner und Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Was alles schuld sein soll: das Fahrrad, die Mama, die vergiftete Umwelt, ein Schmerzmittel, das Handy. Aber was ist wirklich dran an den Mythen zur männlichen Unfruchtbarkeit?

Per Definition ist ein Mann erst dann zeugungsunfähig, wenn selbst eine künstliche Befruchtung mit seinen Samenzellen nicht zu einer Schwangerschaft führt.

Macht Fahrrad fahren impotent?

Daran ist – allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz – die gesunde Angewohnheit, viel Fahrrad zu fahren, vollkommen unschuldig. Der Hamburger Urologe Professor Christian Wülfing verwies diesen Irrglauben bereits 2010 ins Reich der Fantasie: „Selbst, wer täglich mehr als 20 Kilometer radelt, wird keinen bleibenden Schaden davontragen.“ Die größte Gefahr drohe, wenn der Fahrradfetischist im Zuge eines Unfalls schmerzhaft Bekanntschaft mit seinem Sattel oder dem Rahmen seines Gefährts mache und sich an den Genitalien verletze.

Mütter, die sich schuldig machen

Sicher ist hingegen, dass die Gesundheit der Mama die Zeugungsfähigkeit des Sohnes beeinflusst und somit die Tatsache, ob aus der Mutter auch eine Großmutter wird. Der englische Professor Richard Sharpe, Fertilitätsexperte am britischen Medical Research Council, erklärt: „Die Verhaltensweise der Mutter während der Schwangerschaft hat extreme Auswirkungen auf die lebenslange Gesundheit des Kindes und genauso auf die Fruchtbarkeit ihrer Söhne.“

Eine Studie dämonisiert in diesem Zusammenhang den Genuss von Rindfleisch. Isst die Mutter davon während der Schwangerschaft zu viel, macht sie den Spermien ihres Sohnes frühzeitig den Garaus. Raucht sie dazu noch, sinkt die Wahrscheinlichkeit, irgendwann Enkelkinder im Arm zu halten, gegen null. Angeblich vermindert die Nikotinsucht der werdenden Mama die Spermienproduktion ihres Sohnes um satte 40 Prozent. Ein Verlust, den der männliche Körper nicht mehr in der Lage ist, wettzumachen.

Generell ist der männliche Körper, ob noch im Leib der Mutter heranwachsend oder bereits „geschlüpft“, zunehmend schädlichen Einflüssen und Giften ausgesetzt. Füllige Frauen, die schwanger werden, stellen für den ungeborenen Sohn eine zusätzliche Gefahr dar: In den weiblichen Fettdepots lagern sich schädliche Chemikalien ab. So verstecken sich – beispielsweise in Kosmetika –Weichmacher, die die Fruchtbarkeit des Ungeborenen negativ beeinflussen können. Dieser Umstand in Kombination mit diversen Chemikalien, die ohnehin schon unsere Umwelt belasten, führt zu steigender Unfruchtbarkeit bei Männern.

Das Handy gehört nicht an den Hoden

Ein weiterer Grund: Handystrahlung. Eine Studie der israelischen Universität Haifa erforschte diesbezüglich die Auswirkungen auf die männliche Potenz.  Martha Dirnfeld, Professorin am Medizinischen Zentrum der TU Haifa, teilt das wenig überraschende Ergebnis mit: "Wir haben drei Nutzungsgewohnheiten des Mobiltelefons gefunden, die zu einem erheblichen Rückgang der Spermienzahl bei Männern geführt haben. Das sind Männer, die das Telefon nahe am Körper benutzen oder laden oder es in der Nähe der Hoden tragen. Die Anzahl ihrer Spermien war wesentlich geringer."

Eine Untersuchung zum Einfluss des Schmerzmittels Ibuprofen auf den männlichen Hormonhaushalt beunruhigte Anfang des Jahres. Ein internationales Forscherteam fand heraus, dass Ibuprofen möglicherweise zu Unfruchtbarkeit führen kann. Warum? Durch die Einnahme von Ibuprofen soll die Produktion des Fortpflanzungshormons Lutropin angekurbelt werden. So stark, dass dadurch die Produktion des Sexualhormons Testosteron heruntergefahren wird. Die Folge: Die Fruchtbarkeit wird vermindert. Das soll allerdings nur der Fall sein, wenn man regelmäßig hohe Mengen des Schmerzmittels zu sich nimmt.

Die Fruchtbarkeit sinkt

20 Prozent der Männer zwischen 18 und 25 Jahren weisen mittlerweile eine unnatürlich niedrige Zahl an Spermien auf. Zum Vergleich: In den 1940er-Jahren standen dem Mann durchschnittlich noch 100 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit zur Verfügung. Fast 80 Jahre später ist diese Konzentration auf höchstens 60 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit gesunken. Die männliche Fruchtbarkeit ist also erheblich zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie Umwelteinflüsse, Chemikalien und Co.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass die Menschheit vom Aussterben bedroht ist. Allerdings sollte Mann auf seine Ernährung achten und bewusst leben. Dann muss der eigene Kinderwunsch auch kein Traum bleiben. 

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Wenn es mit dem Baby nicht klappt, kann es auch am Mann liegen. Ob daran sein Hobby Mountainbiken schuld ist, erfährst du hier.

MeinSpatz Gezwitscher

Bei einem unerfüllten Kinderwunsch liegt die Ursache genauso häufig beim Mann, wie bei der Frau. Von 100 Paaren bleiben 8 bis 12 kinderlos. In 40 Prozent der Fälle liegt es an der Frau, in 40 bis 50 Prozent der Fälle beim Mann. Der statistische Rest ist eine kombinierte Ursache bei beiden Partnern.