Wenn der Kinderwunsch zur Belastung wird

MONTAG, 19.03.2018

Jedes zehnte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Die Sehnsucht nach einem eigenen Kind führt häufig zu seelischen Problemen.

„Es ist so ungerecht. Lisa ist schon wieder schwanger und ich? Wir probieren es schon so lange und – immer noch nichts. Werde ich jemals Mutter, werden wir jemals Eltern sein? Was stimmt mit uns nicht? Meine Gedanken fahren Karussell und kreisen scheinbar nur noch um das eine Thema: Kind, Kind, Kind.“ So oder so ähnlich geht es vielen Frauen.

Warum ausgerechnet wir?

Je mehr Zeit verstreicht und sich bei einem Paar mit Kinderwunsch kein Erfolg einstellt, desto stärker drängt sich die Frage auf, woran es liegt: An mir? An ihm? Oder passen wir als Mann und Frau biologisch einfach nicht zusammen?

Ein Jahr Wartezeit auf eine Schwangerschaft gilt medizinisch als völlig normal, erst danach wird nach eventuellen Fruchtbarkeitsstörungen gesucht. Bis dahin bleibt Paaren nur die Möglichkeit, häufig Geschlechtsverkehr an den besonders empfängnisbereiten Tagen im Zyklus der Frau zu haben.

Die „Schuldfrage“

Sex nach Plan bringt oft neue Probleme mit sich, denn auf Dauer weicht die Lust dem Frust. Ängste, als Frau oder Mann in punkto Fortpflanzung zu scheitern, wirken sich auch auf die Beziehung aus. Will mein Partner wirklich genauso dringend ein Kind wie ich? Ist sich ein Paar uneins in seinem Kinderwunsch, ist die Beziehung häufig zum Scheitern verurteilt.

Ein letzter Weg bei anhaltenden Problemen ist die Hilfe von unabhängigen Experten. Kontakte zu psychosozialen Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen sowie kostenlose Literatur zum Thema Kinderwunsch vermitteln die Vereinigung „Wunschkind“ unter www.wunschkind.de und das Informationsportal www.familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Diagnose: unfruchtbar

Ergibt die ärztliche Untersuchung, dass einer der Partner unfruchtbar ist, bedeutet diese Diagnose für das Paar meist eine seelische Katastrophe. Der Betroffene fühlt sich schuldig, allein gelassen mit seinem biologischen Unvermögen, dem Partner die Chance auf die „Ur-Erfahrung Kind“ zu ermöglichen. Angst macht sich breit, deshalb womöglich verlassen zu werden. Macht der Partner auch noch Vorwürfe, führt der seelische Druck in eine tiefe Krise. Und nicht selten ist das dann auch das Ende der Beziehung.

Aus diesem Dilemma gibt es drei Lösungen: Sich mit einem Leben ohne Kinder für sich als Paar zu arrangieren, eine Kinderwunsch-Behandlung zu versuchen oder ein Kind zu adoptieren. Mehr Infos rund um das Thema Adoption findest du in unserem Artikel „Eltern ohne Schwangerschaft: Adoptivkinder“. Wer sich auf ein Leben ohne eigene Familie einstellt, hat dennoch Trauerarbeit zu leisten, Trauerarbeit um das Kind, das man nie haben wird. Dieses Problem wird oft völlig unterschätzt. Deshalb therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist keine Schande, sondern kann eine echte Unterstützung sein.

Hoffen und Warten

Eine Kinderwunsch-Behandlung verlangt einem Paar viel Kraft ab. Sie gleicht einer Achterbahn der Gefühle. Zwischen Hoffen und Bangen muss vor allem sehr lange gewartet werden. Die Ungewissheit, ob der erneute Versuch klappt, zermürbt enorm und setzt vielen Paaren psychisch zu.

Auch mit allen Möglichkeiten der heutigen Reproduktionsmedizin beträgt die Chance auf eine Schwangerschaft maximal 50 Prozent. Misserfolge (vor allem Fehlgeburten) stellen eine starke Belastung dar und können zu Depressionen führen. Insbesondere Frauen sind durch die Hormonbehandlung beansprucht und geschwächt. Der Kinderwunsch sollte bei beiden Partnern sehr groß sein, um sich diesen körperlichen und seelischen Strapazen einer Behandlung auszusetzen.

Kostenfaktor Kinderwunsch-Behandlung

Aus finanziellen Gründen keine (weitere) Kinderwunsch-Behandlung vornehmen zu können, belastet viele Paare zusätzlich. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich bei Frauen bis 40 und Männern bis 50 an den hohen Kosten für künstliche Befruchtung. In Niedersachsen und den neuen Bundesländern gibt es zusätzlich eine gemeinsame Bund-Land-Finanzierung für junge Paare mit Kinderwunsch. Maximal vier Behandlungen werden gefördert, der Eigenanteil beträgt dabei jedoch mindestens 50 Prozent. Das Bundesfamilienministerium veröffentlicht unter www.informationsportal-kinderwunsch.de die Bedingungen für die staatliche Unterstützung von Kinderwunsch-Behandlungen.

Wenn dein Kinderwunsch einfach nicht in Erfüllung gehen will, dann zögere nicht, und suche dir Hilfe! Du bist nicht allein – auch wenn du um dich rum nur noch Schwangere zu sehen glaubst.

Was macht Männer unfruchtbar? pin

Wenn es mit dem Baby nicht klappt, ist das eine starke psychische Belastung und eine große Herausforderung für die Beziehung. 

MeinSpatz Gezwitscher

Einen Artikel mit Erfahrungsbericht zu dem Thema findest du auf Süddeutsche.de: „Wenn die Sehnsucht nach einem Kind krank macht“.