Wie lange überleben Spermien?

FREITAG, 18.10.2019 Lotte L.

Sowohl zur Verhütung als auch bei Kinderwunsch ist es wichtig, über die Lebenserwartung von Spermien Bescheid zu wissen. Wir klären auf, wie lange Samenzellen in Abhängigkeit von ihrer Umgebung überleben können, z.B. im  Körper einer Frau oder an der Luft.

Sperma besteht zu einem geringen Anteil aus Spermien (Keimzellen), und zum überwiegenden Teil aus den Flüssigkeiten verschiedener Drüsen.

Die Lebensdauer von Spermien wird von einer Reihe von Faktoren bestimmt. Die wichtigste Rolle spielt der Ort, an dem sie sich befinden, z.B. im Körper oder an der Luft. 

1.   Lebensdauer der Spermien im Körper der Frau

Spermien, die in den weiblichen Körper gelangen, können dort zwischen 30 Minuten und fünf, maximal sechs Tagen überleben. Warum sterben einige von ihnen bereits früh ab, andere dagegen erst nach Tagen?

Die Lebensdauer wird stark davon beeinflusst, wo im Körper sich die Spermien befinden, denn zum Überleben brauchen sie in erster Linie Flüssigkeit, in der sie sich bewegen können. Je tiefer ein Spermium in den weiblichen Genitalbereich eindringt, desto besser sind seine Überlebenschancen. So kann es im Gebärmutterhals fünf Tage befruchtungsfähig bleiben, im Uterus sogar bis zu sechs Tage.

Wie lange Spermien im Körper einer Frau überleben, hängt auch von der Qualität des Spermas ab. Je gesünder die Spermien sind, desto länger ist ihre Überlebensspanne. Die Spermienqualität eines Mannes hängt wiederum von seiner Gesundheit, Lebensweise und Ernährung ab.

Darüber hinaus ist die Zyklusphase der Frau ein entscheidender Einflussfaktor für die Lebenserwartung der Spermien, besonders der pH-Wert des Gebärmuttermilieus, der während der unfruchtbaren und fruchtbaren Tage unterschiedlich hoch ist.

Unfruchtbare Tage

Während der unfruchtbaren Tage führen mehrere Faktoren zu einem vergleichsweise schnellen Absterben der Spermien. Zum einen herrscht in der Scheide ein saures Milieu (pH-Wert zwischen 3,5 und 5,5), in dem Spermien nur kurze Zeit (ca. eine halbe bis 3 Stunden) überleben können. Darüber hinaus bildet der vom Gebärmutterhals abgesonderte Schleim, der während dieser Tage fester bzw. zähflüssiger ist, eine natürliche Zugangsbarriere für die Samenzellen.

Nähert sich der weibliche Körper jedoch dem Eisprung, verändert sich auch die Beschaffenheit des Zervixschleims.

Fruchtbare Tage

Insbesondere einige Tage vor und während des Eisprungs ist das Milieu im Uterus besonders für Spermien geeignet. Denn an den fruchtbaren Tagen wird der Zervixschleim flüssiger und transparenter und produziert für die Spermien spezielle Nährstoffe, z.B. Zucker und Eiweiß. Auch der Östrogenspiegel steigt an und die Scheide wird durchgehend feuchter. Gleichzeitig wird der pH-Wert des Zervixschleim leicht basisch (ca. 7,5), d.h. er hat in dieser Zeit einen höheren pH-Wert als das umgebende Milieu und schützt damit die Spermien vor der saureren Scheidenflora. Spermien überleben am längsten in diesem für sie optimalen pH-Wert und sie werden schneller und beweglicher. Schließlich erleichtert der Zervixschleim den Spermien in der Zeit kurz vor dem Eisprung auch den Aufstieg in den Uterus.

Mit anderen Worten, während der fruchtbaren Tage ist der Körper optimal auf den Empfang von Spermien eingestellt. In dem leicht basischen Scheidenmilieu können Spermien noch fünf, maximal sechs Tage nach ihrem Eintreten in den Körper eine Eizelle befruchten.

2.   Lebensspanne außerhalb des Körpers

Theoretisch können Spermien außerhalb des Körpers maximal 24 Stunden überleben, allerdings nur in einer Umgebung mit optimaler Temperatur, Feuchtigkeit und idealem pH-Wert. Normalerweise sind Samen an der Luft jedoch bereits nach einigen Minuten nicht mehr lebensfähig. Denn im Freien trocknet die Spermienflüssigkeit ein, so dass die darin enthaltenen Spermien absterben. Selbst wenn vereinzelte Spermien etwas länger überleben, sind sie in der Regel nicht mehr befruchtungsfähig. Einmal eingetrocknete Samenzellen lassen sich nicht wieder reanimieren, selbst wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung gebracht werden. Zur Verhütung reicht es daher aus, wenn Sperma von der Haut mit einem trockenen Tuch abgewischt wird. Da die Samenzellen ohne Flüssigkeit bewegungsunfähig werden, sterben sie in kürzester Zeit ab.

Befinden sich die Spermien außerhalb des Körpers in einer größeren Ejakulatspfütze, ist die Lebenserwartung etwas höher. Da Spermien nur einen geringen Anteil des Ejakulats ausmachen und sie vor allem von unterschiedlichen Sekreten umgeben sind, können sie in ausreichend Samenflüssigkeit länger als nur wenige Minuten überleben. Dabei spielt auch die Temperatur spielt eine Rolle: in einer feucht-warmen Umgebung und von der Luft geschützt verlängert sich die Lebenserwartung. Ein Erguss trocknet jedoch in der Regel in etwa einer Stunde ein, so dass die Samen maximale diese Zeitspanne außerhalb des Körpers überleben können.

Schließt man das Sperma direkt nach der Ejakulation in ein steriles Behältnis ein, können Spermien dort mehrere Stunden überleben, weil die Samenflüssigkeit nicht so schnell austrocknet. Wird Sperma bei richtigen Temperaturverhältnissen in einer speziellen Nährlösung unter strengen Laborbedingungen verwahrt, kann es sogar mehrere Tage überleben. Allerdings nimmt die Befruchtungsfähigkeit nach etwa einer Stunde deutlich ab.

3.   Warum ist wichtig, die Überlebensdauer von Spermien zu kennen?

Sowohl zum Empfängnisschutz als auch bei einem Kinderwunsch ist es wichtig, über die Lebensdauer von Spermien informiert zu sein. Denn wenn man die biologischen und physikalischen Wirkmechanismen kennt und versteht, kann man besser planen.

Zum Beispiel sollte Frauen, die sich ein Kind wünschen, stets mitbedenken, dass Spermien einige Tage in der Gebärmutter überleben können. Entsprechend kann eine Eizelle noch bis zu fünf bis sechs Tage nach dem Geschlechtsverkehr befruchtet werden. Folglich erhöht sich die Chance auf eine Schwangerschaft, wenn man nicht nur zum Zeitpunkt des Eisprungs Sex hat, sondern auch schon ein paar Tage zuvor.

Auf der anderen Seite kann das Wissen um die Lebensdauer von Spermien natürlich wichtig sein, wenn Paare bewusst kein Kind wollen. Manche Frauen befürchten, durch mit versehentlich in Kontakt gekommenem Sperma schwanger geworden zu sein. Weiß man über die kurze Lebenserwartung von Sperma an der Luft Bescheid, kann das Ängste reduzieren. Paare ohne Kinderwunsch sollten an den Tagen rund um den Eisprung besonders gut auf Verhütung achten, und zwar nicht nur an den fruchtbaren Tagen selber, sondern auch schon einige Zeit davor.

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Paare, die sich ein Kind wünschen, können sich das Wissen um die Lebensdauer von Spermien zunutze machen.

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.