Wird mein Partner wirklich ein guter Vater?

MITTWOCH, 01.08.2018

Ich will ein Baby. Aber ist mein Partner bereit für so viel Verantwortung? Hat er überhaupt das Zeug zum Papa? Was ist die Alternative? Trennung?

Wir sind seit vier Jahren ein Paar. Unsere Beziehung läuft mehr als gut, wir sind happy und erleben viel. Mein Freund ist ein Abenteurer, ein Draufgänger und ein Freigeist. Er lässt sich nichts vorschreiben, wechselt öfter mal den Job und ist ständig auf der Suche nach dem großen Glück. Auf einem Trip durch Neuseeland haben wir uns kennengelernt. Er war allein unterwegs, ich mit einer Freundin. Es hat eigentlich sofort gefunkt. Ich verliebte mich in seine unangepasste Wildheit. Nach einem Jahr Fernbeziehung kündigte er seinen Job und zog zu mir, in meine kleine Altstadtwohnung. Langeweile gibt es mit ihm nicht. Wobei es mich auch manchmal anstrengt immer auf Achse zu sein. Ich bin 32 und in mir reift der Wunsch Mama zu werden. Aber ist er wirklich der Richtige für den Papa-Job?

Für einen guten Vater hat die Familie oberste Priorität

Schon seit ich ein Teenager bin steht für mich fest, dass ich eines Tages eine Familie haben werde. Ich bin selbst in einer wunderbaren Familie groß geworden. Mit meinen Eltern, zwei Schwestern, Oma und Opa, einem Kaninchen und einer Katze wohnte ich in einem Haus und genoss die Vorteile dieser wunderbaren Gemeinschaft. Mein Vater verbrachte unglaublich viel Zeit mit uns und war, auch was Haushalt und Co. angeht, meiner Mutter eine große Hilfe. Das Bad flieste er selbst, baute uns ein riesiges Baumhaus, brachte uns Fahrrad fahren und Klettern bei, und wenn wir während einer Fahrradtour schlapp machten, schob er uns den ganzen Weg bis nach Hause an. Mein Vater war und ist ein toller Papa. Ziemlich streng, aber immer für uns da. Seine Bedürfnisse stellte er meistens hinten an, ohne uns Kinder das spüren zu lassen. Ich fühlte mich geliebt, beschützt und geborgen. Und auch wenn ich mir natürlich einen anderen Typ Mann als Partner wünsche – freier, offener, weniger spießig – so hat mich mein Papa als Vaterfigur sehr geprägt. Für mich ist klar: Ein guter Vater verbringt viel und vor allem gerne Zeit mit seinen Kindern, lässt Mama in Sachen Haushalt nicht im Regen stehen, ist der beste Handwerker und stellt seine Familie an die erste Stelle. Das Problem: All das sehe ich bei meinem Freund leider gar nicht.

Zu egoistisch für ein Baby?

Mein Freund ist ein wunderbarer Mann, und sobald wir die Kinder meiner Schwester sehen, beginnt er mit ihnen zu blödeln und zu toben. Die Kids lieben ihn. Weil er auf gewisse Weise selbst noch ein Kind ist. Und genau das beunruhigt mich. Ein Papa soll ja ruhig viel Quatsch machen, aber er sollte eben auch wissen, wann er der Erwachsene sein muss. Dazu gehört auch, auf die Party zu verzichten, wenn das Kind mal krank ist. Auf langweilige Elternabende zu gehen. Sich um ganz profane Dinge zu kümmern wie: Haben wir genug zu essen im Haus? Gesundes Essen? Unser Lieblingsasiate rollt zwar hervorragendes Sushi, aber ein Kleinkind will nun mal nicht viermal die Woche rohen Fisch. Dann ist da noch die Sache mit den Jobs. Männer müssen heutzutage zum Glück nicht mehr den Ernährer der Familie geben. Trotzdem würde ich mich wohler fühlen, wenn zumindest die Jahre bis zur Kita finanziell abgesichert wären. Auch dann würde ich gerne erstmal Teilzeit arbeiten. Allerdings wäre mein Einkommen für eine Familie wirklich nicht ausreichend. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mein Partner sein ganzes Leben ändern und seine Freiheit für ein Kind aufgeben würde. Ich glaube, dafür ist er (noch?) zu egoistisch, und ich wäre zu zweit alleinerziehend.

Ich will nicht wählen müssen

Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, meinen Freund zu verlassen. Dazu liebe ich ihn zu sehr. Aber werde ich das auch noch tun, wenn er meinen Kinderwunsch nicht erfüllt? Wenn er sein unstetes Abenteurerleben nicht aufgeben kann? Dabei will er Kinder. Er spricht dann davon, mit dem Baby eine Weltreise zu machen. Oder dass er ein Kind ohne viele Regeln, völlig selbstbestimmt, großziehen möchte. Das halte ich für unrealistisch. Früher war mir das egal, aber jetzt bin ich über 30 und der Gedanke an eine Familie wird greifbar. Wie kann ich mit einem Mann ein Kind bekommen, der selbst noch ein Kind ist? Ja, er wäre liebevoll und lustig, und sicher würde unser Kind aufregende Dinge erleben und seinen herrlichen Humor teilen. Aber würde ihm nicht auch die Stabilität fehlen? Die Zuverlässigkeit, dieses "Ich kann immer auf Papa zählen"-Gefühl. Mein Freund reist jedes Jahr mehrere Wochen lang durch die Welt. Zweimal in dieser Zeit treffen wir uns für ein Wochenende in einer tollen Stadt. Ich vermisse ihn, aber als Paar ist das auszuhalten. Mit Kind kommt das für mich nicht in Frage. Ich traue mich nicht, ihn zu fragen, ob er auf all das verzichten kann. Denn wenn ich ehrlich bin, kenne ich die Antwort. Falls er jemals bereit dafür ist, wird es noch Jahre dauern. Dann bin ich zu alt für ein Kind. Und jetzt? Ich will nicht wählen. Warte ich einfach ab und hoffe, dass er sich irgendwann ändert? Egal wie ich mich entscheide – irgendwas, irgendwer wird auf der Strecke bleiben.

Wird mein Partner wirklich ein guter Vater? pin

Unsere Autorin weiß nicht weiter. Ist der Partner den sie liebt auch der Vater, den sie für ihre Kinder möchte? Nicht immer hat alles im Leben ein Happy End.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Beziehung bedeutet immer auch Nehmen und Geben. Aber gerade bei einem so gravierenden Punkt, sollte keiner der Partner zurückstecken müssen. Was hier hilft sind lange Gespräche, viel Verständnis und Respekt für die Lebensplanung des Partners. Außerdem kann es sinnvoll sein, sich Hilfe bei einer Familien- oder Paarberatung zu holen. Für viele bedeutet das sicherlich Überwindung. Gemeinnützige Einrichtungen wie die Caritas oder die AWO bieten kostenlose Erstgespräche an. So kannst du sehen, ob euch diese Methode als Paar zusagt. Wir finden, es ist einen Versuch wert.