Ausflugstipps: Mit dem Kind durch München

DONNERSTAG, 24.10.2019 Tina

Hat man erst mal Kinder, entdeckt man seine Heimatstadt mit ganz neuen Augen. München mit seiner bayerischen Gemütlichkeit, kinderfreundlichen Museen und kostenlosen Freizeitangeboten ist die perfekte Familien-Stadt. Ich habe da ein paar Tipps für euch. 

Als Münchner Kindl, hier geboren und aufgewachsen, kenne ich die Stadt wie meine Westentasche. Ich weiß, alle Berliner werden jetzt wieder meckern: "Dit iss ja och keene Leistung". Ja, München ist  von Fläche und Einwohnerzahl nicht mal halb so groß wie unsere Hauptstadt, aber deswegen ist es hier ja so kuschelig und nett. Die Millionenstadt mit Land-Charakter. München hat ein ganz besonderes Flair. Damit meine ich nicht die Schickeria und P1 Bagage, die uns immer (zu Recht) vorgeworfen werden. Wenn ich an einem Sommerabend über den Odeonsplatz laufe, die Sonne tiefrot hinter der Feldherrenhalle untergeht und ich mich auf mein Glas Wein beim Nymphenburger auf dem Viktualienmarkt freue, dann fühlt sich das an wie Urlaub. Es ist einfach schön hier in der nördlichsten Stadt Italiens. Oder griabig, wie der Bayer sagt.

München mit Kind ganz neu entdecken

Als meine Tochter Matilda vor drei Jahren auf die Welt kam, habe ich meine Heimatstadt ganz neu kennengelernt. Mit Kindern verschiebt sich die Sichtweise ein wenig und neue Dinge werden wichtig. Dass es am S-Bahnhof Isartor keinen Aufzug gibt, hat mich früher wenig interessiert. Mit Kinderwagen und kaputter Rolltreppe kann das als Mama allerdings zu einem Problem werden. Oder dass im Bus nicht jede Tür für den Einstieg von Kinderwägen geeignet ist. Der Viktualienmarkt mag schön zum Schlendern sein, aber mit schlafendem Kind kann grobes Kopfsteinpflaster kontraproduktiv sein. Und das schicke Lieblingscafé mit der tollen Schokoladen-Tarte ist bei quengelnden Kleinkindern plötzlich gar nicht mehr so nett.

Aber es gibt auch positive Dinge, die plötzlich ins Gesichtsfeld rücken. Zum Beispiel, dass der Luitpoldpark wirklich schön zum Spazieren gehen ist, kleiner Prosecco-Stopp am Bamberger Haus inklusive. Außerdem veranstaltet das "Referat für Bildung und Sport" dort ganzjährig kostenlose Spiel-Nachmittage. Jeden Sonntag können Kinder aller Altersklassen verschiedene Spiel- und Bewegungsgeräte ausprobieren. Im Winter stehen Schaufeln zum gemeinsamen Schneehaus bauen und Wannen zum Rodeln bereit. Die Spiel-Nachmittage finden nicht nur im Luitpoldpark statt, sondern an verschiedenen Orten in München. Auf der offiziellen Website der Stadt findet man alle Informationen.

Mit Kind ins Museum

München ist mit über 80 Museen einer der bedeutendsten kulturellen Standorte im deutschsprachigen Raum. Ja ok, das klingt ja ganz schön, aber selbst ein Kunstwerk von Dali kann eine Dreijährige nicht länger als 5 Sekunden beschäftigen. Und es ist nicht sehr entspannt, im Haus der Kunst alle zwei Minuten "Nein, nicht anfassen" zu rufen oder in der Pinakothek der Moderne das Kind mit Argusaugen zu verfolgen, damit es nicht in die Fett-Installation von Joseph Beuys steigt. Lieber in ein Museum gehen, das für Kinder geeignet ist, denn davon gibt es in München einige. Das Deutsche Museum ist als größtes Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt nicht nur für Erwachsene aufregend, es hat auch ein eigenes Kinderreich mit Bauklötzen, Flaschenzug und Riesen-Gitarre. Wir waren allerdings zu früh mit Matilda hier, denn um richtig mitzumachen war sie noch zu klein. Das Mitmach-Programm startet dort auch erst ab vier Jahren.

Das Museum Mensch und Natur rechts neben dem Eingang des Nymphenburger Parks dagegen fand Matilda schon mit 2,5 Jahren spannend. Für das spielerische Lernen von Tierarten und Erdentwicklung anhand von Quizzen war sie zwar noch zu klein, aber die lustigen Wandklappen auf Kinderhöhe, hinter denen kleine Tiere versteckt sind oder ein Video von einem Bienenschwarm abläuft, die fand sie toll. Auch der große Mensch, bei dem auf Knopfdruck die ausgewählten Organe leuchten, war der Hit. Und aus der Dinosaurier-Abteilung mit den riesigen Urtieren haben wir sie fast gar nicht mehr rausbekommen. Am Ende im Café am Ausgang noch ein Eis und das Leben der Tochter wieder um einen glücklichen Tag reicher gemacht.

Eigentlich auch erst für Kinder ab vier Jahren, aber je nach Ausstellung auch mal für kleinere geeignet: Das Kindermuseum in einem Seitenflügel des Münchner Hauptbahnhofs. Sehr überschaubar und kinderfreundlich mit kleinem Sitzbereich für mitgebrachte Brotzeiten, bietet es  halbjährlich wechselnde Themenausstellungen zum Mitmachen und Ausprobieren an. Wir waren mit Matilda beim Thema "Seifenblasen" dort, was uns allen sehr viel Spaß gemacht hat. Es gab mehrere große Becken mit Seifenwasser, in die man verschiedene Geräte zur Herstellung von Seifenblasen tunken konnte. Der Hit: Die Kinder konnten sich an einer Stelle sogar komplett von einer Blase umschließen lassen. Hier am besten immer mal wieder auf die Website schauen, was für eine Ausstellung aktuell stattfindet.

Tagesausflüge mit dem Auto

Am Wochenende, wenn Zeit für einen ganztägigen Familienausflug ist, kann man sich auch mal rauswagen aus der Stadt. München liegt perfekt für einen Tagesausflug. Im Sommer sind große Badeseen wie Wörthsee und Ammersee nicht weit und im Winter sind Ski-Gebiete wie Brauneck, Sudelfeld oder Spitzingsee in knapp 60 Minuten erreichbar. Ein Geheimtipp für jede Jahreszeit ist das Walderlebniszentrum Grünwald, mit dem Auto ca. 45 Minuten von der Münchner Innenstadt entfernt. Hier kann man nicht einfach nur Spazieren gehen (übrigens auch gut mit dem Kinderwagen), sondern auf dem Walderlebnispfad durch den Grünwalder Forst gibt es überall etwas zu entdecken. Man kann auf dem Weg Bäume anhand ihrer Blätter erraten oder sich in einer großen Baumhöhle verstecken. Startpunkt ist das Walderlebniszentrum mit einem "Pfad der Sinne" für Groß und Klein, einem Wildschweingehege und einem tollen Outdoor-Sitzbereich inkl. Kiosk.

Und wenn es in Strömen regnet, dann kann man auch mal einen Indoor-Spielplatz ausprobieren. Wenn man den richtigen findet, fühlt es sich für die Eltern auch nicht wie drei Stunden Folter an. Ich finde das Kinderparadies Peppino in Forstern gut. Familiär, sauber und sehr übersichtlich. Mama und Papa können im Bistro gemütlich was Essen, während sich das Kind die Wellenrutschen herunterstürzt. Da es eher klein ist, bekommt man aufgrund der Lautstärke keinen spontanen Hörsturz und der typische Indoor-Spielplatz Duft nach alten Socken und Jungs-Umkleidekabine ist hier auch nicht so stark.

Nichtsdestotrotz, wäre Matilda nicht da, würde ich um so einen Ort einen weiten Bogen schlagen. Aber als Mutter ist es ja kurioserweise so: Wenn das Kind glücklich ist, bist du es auch irgendwie. Und das Bistro verkauft Alkohol. Nur so als Tipp.

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München ist eine Stadt für Familien, lässt man die Mietpreise mal außer Acht. Ich muss es wissen, denn ich bin hier geboren und aufgewachsen. Und entdecke meine Heimat mit der dreijährigen Tochter neu. 

Gezwitscher

Mit ganz kleinen Kindern braucht man noch kein ausgeklügeltes Unterhaltungsprogramm. Plätze zu finden, die Mama und Baby gleichermaßen Freude bereiten, ist trotzdem eine Herausforderung. Schön sind Mama-Kind-Cafés wie z.B. das "Café de Bambini" in Schwabing oder die "Hofreiter BeerenCafés". Ich bin mit Matilda im Sommer durch die Münchner Biergärten getingelt. Da mussten es noch nicht mal welche mit Spielplatz sein. Ein paar Förmchen und eine kleine Schaufel und das Kind hat glücklich direkt neben der Bierbank mit den Steinchen gespielt. Auch wenn sie manchmal ein paar gegessen hat.

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.