Basteln mit Kindern: Bunte Herbst-Bäume kleben

MITTWOCH, 02.10.2019 Tina

Der Herbst hat den Sommer abgelöst, die Tage werden dunkler und das Familienleben hat sich wieder nach Innen verlagert. Damit man sich jetzt nicht gegenseitig auf die Nerven geht, muss das Kind beschäftigt werden. Wie wäre es mit einem Bastelnachmittag?

Basteln ist nicht so mein Ding. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die dieses Hobby als meditativ empfinden und durch das Herstellen von Kettchen und Armbändern innere Ruhe finden. Eher das Gegenteil: Mein Stresspegel steigt, vor allem beim Basteln mit Kindern. Das liegt zuallererst an meiner fehlenden Geduld. Die winzigen Kreise, die ich in mühevoller Kleinstarbeit ausgeschnitten und mit Wasserfarben bemalt habe, kleben meistens nicht wie beabsichtigt an der zuvor für das Geburtstagskind angefertigten Papierkrone, sondern lieber an meinen Fingern, dem Klavier oder im Haar der Tochter. Während ich mit einer Hand besagte Tochter davon abhalte, den Prittstift abzuschlecken und mit der anderen versuche, Glitzer vom Holztisch zu rubbeln, fällt gerne noch das Wasserfarbenglas um und ruiniert das zum Trocknen beiseite gelegte Gemälde, was einen Tobsuchtsanfall zur Folge hat. Also nicht sehr Zen das Ganze.

Zum anderen habe ich eine Abneigung gegen überflüssige Sachen. Natürlich liebe ich es, wenn meine Tochter Matilda mir ein Bild malt. Wie sie konzentriert da sitzt, sich eine Komposition überlegt und es mir dann stolz mit den Worten "für meine beste Freundin auf der Welt" überreicht – da schlägt das Mutterherz schon ziemlich laut. Aber muss ich das Kunstwerk unbedingt aufhängen? Sind wir mal ehrlich, Jackson Pollock kommt vielleicht mit ein paar Klecksen durch, meine dreijährige Tochter nicht. Also landet es nach einer angemessenen Bewunderungs-Zeit heimlich im Müll, Matilda hat unterdessen sowieso acht weitere Einzelstücke produziert. Der Ordner mit selbst gebastelten "Kunstwerken" aus zwei Jahren, der mir am letzten Krippentag überreicht wurde, treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Er steht jetzt seit sechs Wochen hinten auf dem Wohnzimmertisch weil ich nicht weiß, was ich damit machen soll. Also eigentlich weiß ich schon, was ich damit machen will ...

Da ich aber eine gute Mutter bin, landet das Ding wahrscheinlich im Keller, neben der Kiste mit den anderen ausgesuchten Kreationen, die ich zum Aufbewahren auserkoren habe. Weil natürlich habe auch ich so eine Kiste, wie es sich gehört.

Bunte Herbstbäume basteln

Ich bin also nicht wirklich zum Basteln geboren. Aber als Mama sehe ich durchaus die Vorteile einer oft mehrstündigen selbständigen Beschäftigung an verregneten Nachmittagen, die nicht den Fernseher beinhaltet. Also habe ich Kinderschere, Bastelkleber, jegliche Art von Papier sowie um die 30 Tuben Glitzer in einer Bastelkiste daheim. Und noch besser: Ich habe eine Freundin mit etwa gleichaltriger Tochter, die eine Bastelkoryphäe mit eigenem DIY Blog ist. Also die Mutter, nicht die Tochter. Stürmischer Nachmittag mit Regen von allen Seiten? Ich packe Matilda nach dem Kindergarten ins Auto und rase zu Martha nach Hause. Tagesprogramm: Bunte Herbstbäume basteln. Nachmachen erlaubt.

Martha hat mit ihrer Tochter Isabella am Vortag bereits schöne Herbstblätter gesammelt und sie in ein Tuch eingeschlagen zwischen dicken Buchseiten getrocknet.

Das braucht man außerdem:

  • Wasserfarben, Pinsel, bunte Stifte
  • Großes Tonpapier, hell und braun
  • Weitere verschiedene Papiere und Materialen, von Transparentpapier bis zu alten Stoffresten ist alles möglich, was sich zerschneiden lässt
  • Kinderschere
  • Klebestift
  • Ganzkörperschutzanzug für die Kinder sowie Unterlagen für den Tisch. Oder danach einfach Kind und Möbel kräftig abschrubben

Bevor wir mit dem Basteln loslegen, müssen aber erst mal die Löwen gefüttert werden. Mit Kuchen im Bauch ist man einfach kreativer. Während Martha und ich den neuesten Tratsch austauschen, fangen Matilda und Isabella schon mal an. Mit Wasserfarben werden die Blätter bunt gemalt. Oder mit Augen beklebt, was sehr lustig aussieht (Klebeaugen auf Rolle, gibts bei amazon. Lassen sich auf alles kleben, zum Beispiel auch auf Milchtüte und Bierflasche im Kühlschrank, überrascht lachender Ehemann inklusive). Isabella malt bereits exakte Punkte und bunte Streifen, während Matilda, die acht Monate jünger ist, sich noch auf eine Farbe beschränkt oder alles zur Trendfabe "Matsch" vermischt. Aber egal, die Kinder haben Spaß. Und unterhalten sich währenddessen wie Erwachsene. "Und Matilda, wie ist es so im Kindergarten?" "Schön, du kannst auch mal vorbeikommen und mitspielen". "Nein das geht nicht, ich habe doch meinen eigenen Kindergarten". "Egal, du kommst trotzdem". "Nein, das geht nicht" "Doch, du musst kommen", usw. Martha und ich vergessen unseren Tratsch, weil das Kindergespräch so faszinierend ist.

Während die Kinder malen und quatschen, zeichnen wir einen Stamm samt Ästen auf das braune Tonpapier und schneiden ihn aus. Das wäre noch etwas zu schwierig für die Kids. Aber das schöne an dieser Bastelarbeit ist, dass auch schon die Kleinsten mitmachen können. Als nächstes dürfen Isabella und Matilda nämlich wild Schnipsel schneiden. Da das sowieso ihre momentane Lieblingsbeschäftigung ist, es gibt nicht eine Zeitschrift daheim, der nicht ein Stück fehlt, macht sich Matilda begeistert über die verschiedenen Blätter her. Schnipsel von grünem Transparentpapier und silbernem Glanzpapier fliegen uns um die Ohren.

Ich bin wie immer fasziniert, dass sich kein Kind in den Finger schneidet. Und dann geht das Kleben los. Die Mamas haben den Stamm auf ein großes Blatt Papier geklebt, die Kinder dürfen jetzt die mittlerweile getrockneten Laubblätter auf den Stamm kleben und die Schnipsel als kleine Blätter daneben. Beim Ankleben der Blätter unterstützen wir noch ein wenig, damit nichts zerreißt, die Papierschnipsel können beide selbst verteilen. Einfach Klebestift offen und aufrecht auf den Tisch stellen. Die Kinder können dann mit dem Schnipsel über den Kleber fahren und danach an die Äste kleben. So entstehen nach und nach zwei schöne bunte Herbstbäume.

Da wir nicht alle Laubblätter verwendet haben, wird der Rest mit Klebeband ans Fenster gehängt. Was für eine schöne selbstgemachte Herbstdeko. Und noch ein Dekotipp: Bemalte Blätter mit Klarlack fixieren und mit Heißkleber an dünne Äste kleben. So entsteht ein bunter Strauß Herbstlaub, der in einer Vase bis zum Winter hält. Meine Güte, ich bin zur Bastelexpertin geworden.

Unsere beiden bunten Herbstbäume sind fertig. Die Kinder auch, deswegen dürfen sie jetzt "als Belohnung" ein bisschen Paw Patrol schauen. Und bröseln das ganze Sofa mit Reiskeksen voll. Egal, die Mamas müssen eh noch die überall in der Wohnung verteilten Schnipsel aufsammeln, was sind da schon ein paar Brösel mehr. Abends hängen wir gemeinsam den Herbstbaum an Matildas Kinderzimmerwand. Schön sieht er aus. Ein paar Wochen darf er da hängen bleiben, dann landet er in der Kellerkiste. Ich verspreche es.

 

Action-Basteltipp für den Herbst: Drachen

Da ich ja jetzt ein Bastel-Experte bin, habe ich eine Woche später mit Matilda gleich noch mal einen Bastelnachmittag eingelegt. Dieses Mal haben wir Drachen gebastelt. Das geht in der einfachen Variante auch schon mit kleinen Kindern. Wir haben eine Upcycling Variante aus alten Plastiktüten  und Strohhalmen gebaut (hatte ich beides noch daheim, bitte keine neuen Plastiksachen kaufen!). Es gehen auch Mülltüten und kleine Holzstäbchen. Wer möchte und Zeit hat kann mit Krepppapier oder Transparentpapier noch hübsche Verzierungen oder Schwänze anbringen. Matilda war ungeduldig und wollte ihr Fluggerät gleich ausprobieren. An einem wunderschönen Herbstnachmittag haben wir unseren Drachen steigen lassen. Klare Empfehlung: Unbedingt nachmachen!

Eine Anleitung für einen einfachen Drachen findest du auf dieser Website.

Basteln ist eine tolle Nachmittagsbeschäftigung, wenn die verregneten Herbsttage die Familie an die Wohnung fesseln.

Gezwitscher

Basteln macht nicht nur Spaß, sondern fördert die Kreativität, das Konzentrationsvermögen und die Feinmotorik von Kindern. Studien zeigen außerdem, dass Kinder, die gerne und oft basteln sich sprachlich besser ausdrücken können, ein größeres mathematisches Verständnis haben und besser eigenständig Probleme lösen können. Also worauf wartest du noch? Kinderschere auspacken und los geht’s!

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.