Das möchte ich beim zweiten Kind anders machen

MITTWOCH, 13.02.2019 Andrea Huber

Baby Nummer zwei ist unterwegs und der Große erst ein Jahr alt. Trotzdem weiß ich jetzt schon, dass ich Fehler gemacht habe und überlege, was ich diesmal anders machen kann.

Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich eine entspannte Mama bin. Ich renne nicht bei jedem Wehwehchen erschrocken zu meinem Kind und ich glaube, dass es für ihn wichtig ist, ab und an mal hinzufallen. Wenn er die Blumenerde unserer Zimmerpflanzen in seinen Mund stopft und mich verschmiert mit Erde anstrahlt, finde ich das eigentlich ziemlich lustig. Ich genieße die Zeit in vollen Zügen und finde jeden Tag spannend. Trotzdem gibt es wöchentlich mindestens eine Sache, die ich rückblickend gern anders gemacht hätte. Nun ist unser zweites Kind bereits auf dem Weg. Ich freue mich riesig auf den Kleinen – ja, noch ein Junge. Und ich habe mir jetzt schon vorgenommen, ein paar Dinge zu ändern.

Länger stillen

Zum Beispiel möchte ich länger stillen als beim ersten Mal. Mein Großer hat nach etwa viereinhalb Monaten tagsüber die Brust verweigert. Das Fläschchen liebte er und auch nachts hat er gerne noch ein wenig getrunken. Ich hätte mir gewünscht, dass diese innige Phase etwas länger gedauert hätte. Vielleicht habe ich ja auch einfach zu früh aufgegeben? Ich habe das Stillen wirklich geliebt und würde es bei Nummer zwei gerne die vollen sechs Monate schaffen. Wo wir schon beim Thema Ernährung sind: Ich will ein wenig entspannter in Sachen Babykost werden. Natürlich werde ich zu großen Teilen immer noch selbst für mein Baby kochen – sobald es Brei isst. Aber ich werde mich nicht mehr so stressen und für unterwegs einfach mal ein praktisches Gläschen einpacken. Das habe ich bei meinem Großen nicht gemacht. 

Ich will mich weniger verunsichern lassen

Mit dem ersten Kind betritt man Neuland. Egal wie viel ich vorher auch gelesen und mich informiert hatte – als der Kleine auf die Welt kam war alles unbekannt und aufregend. Manchmal sogar ein wenig beängstigend. Nicht immer habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen, sondern mich von Artikeln, Ärzten, Krankenschwestern oder Freunden verunsichern lassen. Nach und nach hab ich gelernt, auf mich und mein Gefühl als Mama zu vertrauen. Allerdings habe ich es nicht immer geschafft, meine Meinung als Mama auch nach außen hin zu vertreten. Vor allem gegenüber den Großeltern ist es mir oft nicht gelungen, wirklich zu sagen was ich möchte. Das ist bei mir zwar ein generelles Problem – ich halte lieber mit meinen Ansichten zurück, um keinen Ärger zu provozieren – aber für meine Kinder muss ich das lernen. Denn ich bin im Moment die Person, die für sie spricht und für sie einsteht. Also springe ich immer öfter über meinen Schatten. Und ich muss sagen, es tut mir ziemlich gut. Ich mache den Mund auf, anstatt immer höflich zu sein und ich lerne, dass mich nicht jeder mögen muss. Ich merke aber auch, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe. Verrückt, was einem sogar die kleinsten Kinder beibringen, oder?

Ich will mich nicht mehr unter Druck setzen

Aus irgendeinem Grund verspüre ich tief in mir den Druck, perfekt sein zu müssen. Die perfekte Familie, die perfekten Kinder, der perfekte Haushalt und natürlich will ich on top noch gut aussehen, eine tolle Freundin sein und eine sexy Geliebte. All das möchte ich schaffen, während ich nach außen hin aber total locker und unverkrampft wirke. Das diese Rechnung nicht aufgeht ist ja logisch. Die Konsequenz ist nämlich, dass ich total erschöpft bin, weil ich den ganzen Tag versuche alles richtig zu machen. Dabei mach ich alles falsch. Ich lege Wert auf Belanglosigkeiten und verliere für so Dinge wie Staubsaugen oder Abwasch wertvolle Minuten mit meinem Kind. Allein die Tatsache, dass mir das durchaus bewusst ist, bedeutet nicht, dass ich den Drang nach Perfektion einfach so in den Griff bekomme. Also nehme ich mir für unser zweites Baby und natürlich auch für den Großen vor: Pfeif auf Perfektion. Ganz getreu dem Motto: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. Ich werde den Haushalt stehen lassen, auf ein aufwendiges Styling verzichten und mich einfach auf die Couch fläzen, wenn die Kleinen schlafen. Oder noch besser: Ich lege mich zu ihnen ins Bett und inhaliere einfach nur ihren Kleinkinder- und Babyduft. Ob ich das schaffe?

Ich will dem Papa mehr Aufgaben geben

Mein Mann ist toll. Punkt. Er unterstützt mich, er liebt mich und er ist ein ganz wunderbarer Papa. Aber ich mache es ihm auch einfach. Er geht jeden Tag acht Stunden arbeiten, aber ansonsten habe ich ihn bislang ziemlich in Ruhe gelassen. Wäsche, Kinderbetreuung, Einkaufen – all das waren meine Aufgaben. Wenn ich Hilfe brauche, ist er sofort an meiner Seite. Trotzdem wollte ich Baby, zweite Schwangerschaft und Haushalt alleine schaffen – da ist er wieder der Perfektionswahn. Doch ab jetzt möchte ich ihn mehr einspannen. Nicht nur, damit ich mehr Hilfe habe, sondern auch damit er besser Bescheid weiß. Wenn ich mal nicht da bin, will ich nicht jedes Mal alles erklären müssen, was mit den Zwergen zu tun hat. Natürlich geht es allein aus organisatorischen Gründen gar nicht anders. Er muss mehr mit anpacken. Wenn Nummer Zwei da ist, ist der große Bruder auch noch ein Kleinkind, gerade mal 15 Monate. Also sind vier Hände gefragt!

Ich will versuchen weniger Angst zu haben

Seit ich Mama bin, mache ich mir ständig Sorgen. Angefangen von "mache ich alles richtig" über "entwickelt sich mein Kind schnell genug" bis zum plötzlichen Kindstod. Das erste Jahr stand ich nachts gefühlt ohne Unterbrechung neben dem Bettchen meines Sohnes und habe ihn vom Bauch auf den Rücken gedreht und kontrolliert, ob ihm nicht zu warm ist - da das ja angeblich das Risiko für SIDS minimieren soll. Natürlich habe ich ihn damit öfter auch mal aufgeweckt und meine dämliche Angst danach verflucht. Ich wünsche mir, dass ich bei 2.0 entspannter werde, was die Sorge um meine Kinder angeht. Wobei das die vielleicht größte Herausforderung für mich wird: Zu akzeptieren, dass ich meine Kinder nicht vor allem beschützen kann. Auch wenn ich es noch so sehr möchte.

Das möchte ich beim zweiten Kind anders machen pin

Beim ersten Baby ist alles noch ganz neu. Man ist zum ersten Mal in der Situation und muss irgendwie von jetzt auf gleich damit zurechtkommen. Bein zweiten Kind sieht das ein bisschen anders aus. Man hat schon mehr Erfahrung und weiß, wie es läuft oder laufen kann. Unsere Autorin erzählt, welche Fehler sie bei Nummer 2 nicht mehr machen möchte.

MeinSpatz Gezwitscher

Was willst du beim nächsten Kind anders machen? Das war auch Thema bei uns in der Redaktion. Nachdem alle Mamis ein paar Punkte aufzählten, sagte eine Kollegin: "NICHTS. Ich finde ich habe das bei meinen Kindern echt gut gemacht. Sollte noch ein drittes Geschwisterchen kommen, würde ich nichts ändern." Für dieses Statement wurde sie von allen gefeiert! Endlich mal eine Mama, die völlig ohne Selbstzweifel zu ihrem Erziehungsstil steht und sich ihrer Mutterqualitäten völlig bewusst ist. Applaus dafür und bitte mehr davon!

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.