Daumenlutschen oder Fingernägelkauen: Was tun?

FREITAG, 29.06.2018

Luke auf und rein damit: Egal ob Popel, Daumen, Fingernägel oder die kleinen feinen Nagelhäutchen – einige Kinder verspeisen einfach alles. Das Abgewöhnen fällt oft schwer. Diese Tipps helfen.

Die sogenannten nervösen Angewohnheiten, die Kinder an den Tag legen können, sind zahlreich: Zähneknirschen, Haarezwirbeln, Nasebohren, Daumenlutschen oder Fingernägelkauen. Eltern schrecken oft auf, wenn sie ihr Kind dabei ertappen. Dabei haben die Angewohnheiten viele Ursachen: Stress kann eine davon sein, aber auch Langeweile, Neugier oder einfach nur Gewohnheit. Irgendwann wird das Kauen zum Automatismus. Und jetzt?

Geduld, reden und erstmal locker bleiben

Fingernägelkauen ist für viele Eltern besonders schlimm. Nicht nur, weil die Nägel und Finger geschädigt werden und furchtbar aussehen, sondern weil Mamas und Papas befürchten, dass ihr Kind vielleicht psychische Probleme hat. Und ja, die Angewohnheit kann Ausdruck einer inneren Anspannung, Angst oder Stresssituation sein. Etwa wenn das Kind den Kindergarten wechselt oder die Eltern sich trennen. Dann ist es wichtig, in Ruhe und ganz ohne Vorwurf mit dem Kind zu sprechen. Versuche herauszufinden, was dein Kind beschäftigt, zeige viel Geduld und rede mit ihm.

Auf keinen Fall solltest du schimpfen oder nörgeln. Vergiss nicht: Dein Kind ist sich der Handlung oft nicht bewusst. Erkläre ihm ruhig und geduldig immer wieder, was mit den Fingerchen passiert, wenn es zu oft daran knabbert. Das Nagelbett kann sich entzünden, eingerissene Häutchen stark schmerzen. Auch Bakterien können sich rasch vermehren. Versuche, dein Kind immer wieder liebevoll daran zu erinnern, wenn es kaut. Ihr könnt auch ein geheimes Zeichen ausmachen. Lass dein Kind die Abgewöhnung aktiv mitgestalten, dann wird es mehr Interesse daran zeigen. Stress, Bestrafung und Druck solltest du auf jeden Fall vermeiden. Und vor allem: Nicht immer muss ein seelisches Problem dahinterstecken. Manche Kinder ahmen Ältere nach oder ihnen ist in der Situation schlicht und ergreifend langweilig.

Tinkturen, Ablenkung und positive Anreize

In Apotheken gibt es viele Tinkturen und Nagellacke, die richtig bitter schmecken und so dem Kind sofort bewusst machen, dass es mit dem Kauen aufhören soll. Wenn du sie einsetzen möchtest, dann suche die Mittel am besten zusammen mit dem Kind aus. So empfindet es die Tinktur nicht als Bestrafung und freut sich vielleicht darauf, sein Verhalten abzugewöhnen. Ihr könnt auch eine Belohnung festlegen: Pro Millimeter gewachsenem Nagel gibt es ein kleines Pixibuch und, wenn das Kauen ganz vorbei ist, den Ausflug in einen tollen Freizeitpark. Ein positiver Anreiz hilft gut als Motivation. Du kannst auch zu feinen Baumwollhandschuhen greifen. Allerdings empfinden viele Kinder das als störend. Aber gerade kleine Prinzessinnen freuen sich vielleicht, wenn sie den ganzen Tag ihre Elsa-Handschuhe tragen dürfen.

Hast du das Gefühl, dass dein Kind eher aus Langeweile kaut, hilft es, seine Hände anderweitig zu beschäftigen. Lustige Fingerspiele, Lego, Sandkasten, Knete – alle Tätigkeiten, bei denen die Hände im Dauereinsatz sind, helfen.

Bei langen Autofahrten kann es auch ein Handschmeichler-Stein sein oder eine Bernsteinkette, mit denen dein Kind spielen kann. Versuche, locker zu bleiben und dem Verhalten deines Kindes nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, denn das wirkt sich mitunter kontraproduktiv aus und dein Kind beginnt noch mehr zu kauen, damit es eine Reaktion von dir bekommt.

Ab wann zum Arzt?

In einigen seltenen Fällen steckt wirklich mehr dahinter: Wenn dein Kind seine Fingernägel blutig beißt und sich auch sonst verletzt, sich zum Beispiel kratzt, und sich sein Verhalten und seine Schlafgewohnheiten gleichzeitig stark ändern, solltest du mit deinem Kinderarzt darüber sprechen. 

Daumenlutschen oder Fingernägelkauen: Was tun? pin

Unschöne Verhaltensmuster: Wie gewöhne ich meinem Kleinkind das Daumenlutschen ab? Was tun gegen Fingernägelkauen?

MeinSpatz Gezwitscher

Achte während der Phase der Abgewöhnung darauf, die Hände deines Kindes extra gut zu pflegen: Creme sie mit einer guten Handcreme ein und schneide anstehende Häutchen mit einer Nagelhautschere ab. Auch hier ist das Motto: Sucht die Creme gemeinsam aus, dann macht dein Kind viel besser mit.