Dein Buggy und Du - so werdet ihr ein gutes Team

DIENSTAG, 21.05.2019 Julia M.

Definitiv ein Meilenstein: der Umstieg vom Kinderwagen auf den Buggy. Unsere Autorin hat erst im zweiten Anlauf „den Richtigen“ gefunden – und nun einige Tipps auf Lager. 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich es gar nicht erwarten konnte, das erste Mal in meinem Leben als Mama (und nicht Tante, Freundin und Co) einen Kinderwagen zu schieben – meinen Kinderwagen mit meinem Kind. Als der Moment gekommen war, ein paar Tage nach der Geburt meiner Tochter, war ich stolz wie Oskar und schob dieses Gefährt vor mir her wie eine überdimensionale, mit auf meinen Namen ausgezeichneten Bundeverdienstkreuzen geschmückte Sahnetorte (ich liebe Sahnetorten).

Dabei war es mir relativ egal gewesen, was das eigentlich für ein Gefährt war, hauptsache es passte zur von der Tante gehäkelten ersten Decke meiner Kleinen und entsprach den allergröbsten Qualitätsvorstellungen, die ich zu dem Zeitpunkt hatte. Es war ein günstiger gebrauchter, neu kaufen erachtete ich als unsinnig, war ja nur für ungefähr ein Jahr. 

Nun ist ein gutes Jahr vergangen und ich muss zwei Dinge feststellen. Erstens: Ich hatte Glück, und der Kinderwagen hat im Großen und Ganzen seinen Zweck erfüllt. Gut, das Zusammenklappen hat mir, dem Papa und der Oma den Schweiß auf die Stirn getrieben und viele Nerven gekostet, aber immerhin beherrschte ich diese Funktion nach einiger Zeit einigermaßen zuverlässig. Zweitens: Ich habe mich in diesem Jahr enorm verändert – was der Kauf des Buggys (neben vieler anderer Dinge) zeigt. Ja, ich bin sozusagen etwas spießiger geworden: lieber alles gut planen und prüfen und und und, so bin ich jetzt. Vorher eher so alles easy bis hin zu etwas verplant.

Nach etwa sieben Monaten: Der Sportaufsatz 

Als meine Kleine etwa sieben Monate alt war, sind wir auf den Sportaufsatz des Kinderwagens umgestiegen, obwohl sie noch nicht sicher alleine sitzen konnte. Wir merkten, dass sie liegend und in Himmel starrend nicht mehr zufrieden war und legten sie in die niedrigste Position des Sportaufsatzes, natürlich nicht, ohne den Arzt gefragt zu haben, ob das in ihrem individuellen Fall schon okay für ihre Wirbelsäule ist. Für mich war das ein riesen Schritt, ich fühlte mich – stellvertretend für meine Tochter – schon richtig groß. Ich fand es super, dass man den Aufsatz in beide Richtungen drehen kann und genoss es, sie weiterhin zu mir schauen zu lassen.

Nach einem Jahr: Die Suche nach dem Buggy begann

Pünktlich zu dem Zeitpunkt, als ich immer stärker nach Buggys zu schielen begann und meine Tante trocken anmerkte, dass ich allzu lang nicht mehr mit diesem sperrigen Wagen herumfahren müsste, gab das alte Gefährt den Geist auf, die Bremsen verhakten sich ständig. Immerhin ein Jahr, dachte ich und freute mich auf die nächste große Stufe in Babys und unserem Leben: den Buggy. Zumal meine Kleine da auch schon alles dafür tat, nicht mehr in die Kategorie Baby zu passen, sondern zu den Kleinkindern zu gehören: Sie krabbelte wie ein Weltmeister und lief super an der Hand, sitzen ging schon seit Monaten problemlos. 

Mir war nun klar, worauf es wirklich ankommt im Mama-Leben...

Mittlerweile hatte ich aber einen ganz anderen Blick auf das Gefährt, das uns die kommenden Jahre begleiten sollte. Mir war in diesem ersten Mama-Jahr klar geworden, worauf es wirklich ankommt im Mama-Leben: die wichtigen Dinge müssen einwandfrei funktionieren. Das Zusammenklappen und mitnehmen sollte absolut reibungslos laufen und der Buggy sowohl für holprige Waldwege (Natur finde ich für mich und mein Kind superwichtig) als auch für kleine Geschäfte taugen. Von meinen Freundinnen kannte ich diese hochpreisigen Sport-Modelle mit großen Luft-Rädern, und die hatten mich überzeugt. Zumal ich im Schneechaos mit meinen kleinen Rädern ein paar Tage lang einfach nicht mehr voran kam... Dieses Mal sollte es also eine wohl überlegte Entscheidung sein, und da ich viele Anforderungen hatte, dachte ich, es müsste nun ein neuer sein. Allerdings wollten wir dennoch nicht zu viel Geld ausgeben und entschieden uns für ein Mittelklasse-Modell statt für das, das ich eigentlich haben wollte. 

...und dennoch traf ich erstmal die falsche Entscheidung...

Das war leider die falsche Entscheidung. Schon am ersten Tag und der ersten größeren Ausfahrt merkte ich, dass der Buggy und ich keine Freunde werden würde. Irgendwie passten wir nicht zusammen. Ich bekam Schulterschmerzen von der Handhaltung, die der Griff erforderte, der Korb war schlecht befüllbar, die Gurte ließen sich sehr schwer verstellen und das schlimmste: es holperte so sehr, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte einen dieser billigen Klapper-Buggys gekauft und nicht einen für ein paar hundert Euro. 

365 Tage im Jahr über die Macken des Buggys ärgern? Nein Danke!

Das Ende vom Lied: Uns wurde klar, dass gut einfach nicht gut genug ist. Ein Gerät, das man in den kommenden drei Jahren fast täglich im Einsatz hatte, mit dem man die ersten Zoobesuche und zahlreiche Waldspaziergänge mit seinem kleinen Liebling genießen möchte, musste nahezu perfekt sein, zumindest für meine Ansprüche. Also entschied ich, dass es es wert war, ein bisschen mehr Geld auszugeben und das favorisierte Modell neu zu kaufen, wenn es denn sein muss. Ich wollte mich nicht die nächsten 365 Tage mal drei täglich über die Macken dieses Buggys ärgern müssen. 

Mein sportlicher Buggy und ich: ein Traumpaar!

Wir hatten Glück im Unglück: plötzlich ploppte genau das Modell gebraucht auf, das wir haben wollten, in ebenjener soliden Qualität, die wir uns vorstellten. Da er ein Mercedes unter den Buggys ist, immer noch in Top Zustand, wie neu. Und wieder: Schon am ersten Tag merkte ich, dass der Buggy und ich ein Traumpaar waren – es passte einfach alles. Er schiebt sich federleicht, ist wendig in der Stadt und meistert mit seinen großen Lufträdern Stock und Stein ebenso wie völlig vereiste und eingeschneite Wege problemlos, der Korb ist super und alles funktioniert wie es soll. Und: Ich bekomme keine Schulterschmerzen von der Handhaltung. Auf den zweiten Anlauf, aber immerhin: Alles richtig gemacht! 

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MeinSpatz - Gezwitscher

...übrigens habe ich mir diesen sportlichen Buggy geholt, obwohl ich einen Fahrradanhänger habe. Der Grund: mir persönlich sind die Radanhänger als täglicher Buggy zu niedrig, ich mag es, wenn das Kind weiter oben ist und mehr Teil des Erwachsenen-Geschehens sein und mit uns interagieren kann. Außerdem wollte ich nicht jeden Tag umrüsten... aber da hat jeder seine eigenen Kriterien. Vielleicht hilft Dir diese Checkliste für den perfekten Buggy, aber mein Tipp: unbedingt individuell anpassen und Buggys ausleihen (z.B. bei Freunden) und ausprobieren! 

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.