Der Schnuller muss weg – Tricks zum Schnuller abgewöhnen

MITTWOCH, 24.01.2018

Eltern lieben und hassen ihn: den Schnuller. Wie du ihn wieder loswirst, erfährst du in unserem Artikel.

Zuerst ist der Schuller so etwas wie der heilige Gral – in vielen Situationen bringt er die dringend benötigte Ruhe oder hilft beim Einschlafen. Dann aber soll er weg, vor allem wegen der Zähne. Und das ist die Krux an der ganzen Sache. Denn das ist meistens nicht so einfach – irgendwie logisch. Wenn wir uns an etwas gewöhnt haben, möchten wir es ja auch ungerne wieder hergeben. Aber was soll man machen? Der Zahnarzt liegt uns in den Ohren. Und wir wollen doch nur das Beste für unseren Spatz. Ein Plan muss her. Aber zuerst noch einmal die Fakten.

Was sagen die Experten

Zahnärzte empfehlen die Abgewöhnung spätestens zum dritten Lebensjahr. Das gilt natürlich auch für die Nuckelflasche und das Daumenlutschen. Eine Verformung der Kiefer und eine verzögerte, nicht altersgerechte Sprachentwicklung können die Folge sein. Müssen es aber nicht.

Beim Treffen des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden berichtet Prof. Dr. Rolf Hinz über die Historie des Schnullers und Hintergründe für neue Entwicklungen, dabei bezeichnete er „altersgerechte Sauger“ als reines Marketingargument. Was die Frage Daumen oder Nuckel angeht, machte er deutlich, dass die „Nuckeldauer“ der entscheidende Faktor sei: „Mit Daumen im Mund kann man nicht Lego spielen – mit Nuckel im Mund geht das stundenlang.“

Doch so einfach wie viele Experten das Thema sehen, ist es für Mütter, Väter und die kleinen Zwerge oft nicht. Im Idealfall verläuft die Entwöhnung langsam und ohne größere Probleme. Doch es gibt auch Kinder, die die ersten zwei Wochen ohne Schnuller die Nächte durchweinen. Als Eltern da konsequent zu bleiben ist gar nicht so einfach. Wer will sein Kind schon leiden sehen? Trotzdem raten vor allem Zahnärzte und Logopäden den Schnuller so früh wie möglich zu entwöhnen. Wir verraten ein paar Tricks.

Ohne Drama Abschied nehmen

Schon nach dem ersten Lebensjahr kann die Entwöhnungsphase beginnen. Je früher desto einfacher. Das Abgewöhnen braucht oft viel Zeit. Wann der richtige Moment gekommen ist? Hier ist dein Feingefühl gefragt.

Eine Entwöhnung des Schnullers ohne Druck ist besonders wichtig. Am besten legst du zusammen mit dem Papa gemeinsam einen Zeitplan für die Abgewöhnung fest. Stelle zum Beispiel als Belohnung ein tolles Geschenk für dein Kind in Aussicht. So motiviert erscheint der Tausch – Schnuller gegen Präsent - etwas weniger schlimm.

Dein Kind braucht jetzt in jedem Fall mehr Zuwendung, Fürsorge und Lob von dir. Das heißt viel Kuscheln, Spielen und Reden. Ein Urlaub mit der ganzen Familie bietet sich an.

Phase 1

Den Schnuller in der Entwöhnungsphase bitte möglichst wenig anbieten (nur zum Schlafen). Aber konsequent sein! Geht dein Kind in die Kinderkrippe, könnt ihr als Ritual den Sauger gleich beim morgendlichen Bringen, mit abgegeben. Die Erzieher bieten diesen dann nur noch zu den vereinbarten Zeiten an. Dein Nachwuchs gewöhnt sich sicher schnell an die neue Regel.

Den Trick einer Kinderzahnärztin: In den Schnuller ein kleines Loch stechen und dieses immer wieder etwas vergrößern. Dann kann das Kind nicht mehr richtig daran saugen und der Schnuller verliert an Attraktivität. Hier ist aber Vorsicht geboten, es dürfen sich durch den Eingriff keine Teile vom Schnuller lösen. Ansonsten droht Erstickungsgefahr. Und ein bisschen gemein ist diese Methode ja schon…

Schnullerfee oder Schnullerbaum?

Mit einer einfallsreichen Geschichte kannst du deinem Kind helfen, über den Verlust hinwegzukommen. Wohin verschwindet der Schnuller? Diese Rituale erleichtern die Akzeptanz:

Gibt es eine Schnullerfee, die nachts alle Schnuller einsammelt? Oder nimmt der Osterhase oder der Nikolaus den Schnuller mit? Fantasie ist hier gefragt und eine Belohnung für das Kind ist natürlich Pflicht.

Schnullerbäume sind ein Abschiedsritual aus Dänemark und finden hierzulande immer mehr Liebhaber. Die Kleinen hängen ihre Schnuller in einer Art Zeremonie in den Baum. Wo es in deiner Nähe Schnullerbäume gibt, findest du im Internet.

Ein Schnuller ist auch ein schönes Geschenk zum Weiterreichen. Schick mit deinem Spatz gemeinsam ein schön verpacktes Päckchen mit dem Schnuller an eine Adresse. Der Adressat kann ein neugeborenes Baby aus dem Bekanntenkreis sein oder vielleicht die Oma…

Bei vielen Kinder- oder Zahnärzten kann der geliebte Sauger ebenfalls abgegeben werden. Hier kommt der Schnuller in eine Schublade zur Aufbewahrung und dein Nachwuchs bekommt ein kleines Geschenk. Fragt bei euren Ärzten einfach nach.

Älteren Kindern hilft beim Schnuller-Entzug möglicherweise ein Buch zum Thema Schnuller. Zum abendlichen Vorlesen gibt es eine Reihe an Titeln, die sich mit der Abgewöhnung befassen. Die Geschichten reichen von der Schnullermaus über das Schnuller-Monster zum Schnulleralarm.

Trennungsschmerz

Lobe deine Kind und zeige ihm wie stolz du bist. Der große Verzicht ist eine beachtliche Leistung für deinen Schatz. Ganz wichtig ist seine Mitentscheidung für den Entzug. Bei der Trennung vom Schnuller sind Sensibilität und Einfühlungsvermögen gefragt. Daher gilt: Nie den Schnuller einfach heimlich wegwerfen!

Ein Gegenmodell finden

Als Alternative zum Schnuller bietet sich ein Beißring an. Er lindert die Schmerzen beim Zahnen und hilft das Zahnfleisch gut zu durchbluten. Ein Kuscheltier oder -Tuch ist in dieser Zeit unabdingbar. Denn einen Tröster braucht das Kind. Gerade wenn es nachts wach wird, muss eine Alternative zum Schnuller her.

Was sagt die Logopädin?

Die Logopädin Mathilde Furtenbach aus Innsbruck beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Auswirkungen von Schnullern. Den optimalen Zeitpunkt für die Abgewöhnung beschreibt Furtenbach mit folgenden Worten: „Bis ihn die ersten Kinderworte aus dem Kindermund vertreiben.“ Der Schnuller sollte nicht mitwachsen, sondern mit dem aktiven Spracherwerb, idealerweise nicht mehr zum Einsatz kommen.

Eine stufenweise Entziehung des Schnullers ist sicher die sanfteste Methode. Wir wünschen viel Erfolg und Kraft beim Kampf gegen das Schnuller- Monster!

Der Schnuller muss weg pin

Besser zwei als einen: Die meisten Kinder lieben ihren Schnuller heiß und innig. Aber irgendwann muss er ja dann doch mal weg, oder?

MeinSpatz Gezwitscher

Ein Erfahrungsbericht aus der Redaktion: Vorneweg – unsere Tochter hat ihren Schnulli heiß und innig geliebt und der Abschied war schwer. Mit etwa zwei Jahren, haben wir begonnen immer mal wieder mit ihr über das Thema zu sprechen. Wir haben ihr erklärt, dass der Schnulli schlecht für die Zähne ist. Wir haben dann Beispiele aus unserem Freundes- und Verwandtenkreis aufgezählt, welche Kinder hier keinen Sauger mehr benötigen. Wir haben ihr auch gesagt, dass sie uns Bescheid geben soll, wenn sie ihn nicht mehr braucht. Davon war sie erst mal natürlich meilenweit entfernt. Als nächsten Schritt durfte sie den Schnuller dann nur noch zum Schlafen haben. Er lag frei zugänglich in einer Box im Kinderzimmer, aus der sie ihn sich dann zu den erlaubten Zeiten selbst genommen hat und ihn auch wieder selbst hineingelegt hat. Als nächstes hat uns dann die Kinderkrippe geholfen. Alle anderen Kinder in ihrer Altersgruppe waren schon entwöhnt und konnten als gutes Beispiel herhalten. Die Erzieher haben dann mit unserer Tochter besprochen, dass sie versuchen soll den Mittagsschlaf „ohne“ zu meistern. Das hat erstaunlich gut geklappt, zu Hause war es viel schwieriger das umzusetzen. Als nächstes haben wir mit einem Buch die Schnullerfee eingeführt: Schnuller gegen Geschenk. Wir haben zwischendurch immer mal wieder nachgefragt, ob sie denn schon so weit wäre, ihn abzugeben. Die Antwort lautete immer „nein“, aber wir reagierten darauf nicht negativ. Und irgendwann war es dann tatsächlich soweit: Eines Morgens sagte sie mir, dass sie den Schnuller jetzt der Schnullerfee geben möchte. Ein paar unruhige Nächte und Nachfragen gab es noch. Aber dann nach 2 Wochen war der Schnuller tatsächlich Geschichte.