Oh nein, schon wieder Eingewöhnung? Hallo Kindergarten!

MONTAG, 23.12.2019 Tina

Da hat man gerade erst mit Ach und Krach die Krippen-Eingewöhnung hinter sich gebracht und schon steht man vor der nächsten Hürde: Auch der Kindergarten startet mit einer Eingewöhnung. Und die ist einfach nur nervig ...

Als meine Tochter Matilda mit knapp 13 Monaten in die Krippe kam, war das für mich ein riesen Meilenstein. Da klebt man ein Jahr täglich aufeinander, hat kaum mal eine Stunde Zeit für sich und dann sind da plötzlich mehrere kinderlose Stunden, ja ganze freie Vormittage in Sicht. Ich konnte vor Aufregung gar nicht schlafen. Was ich alles machen wollte: In Ruhe auf die Toilette gehen, zum Frühstück Actionfilme schauen, einkaufen gehen ohne Trotzanfall am Süßigkeitenregal oder einfach nur eine Stunde in der heißen Wanne liegen. Zumindest die drei Wochen, die ich noch Elternzeit hatte, bis der Job wieder losging. Ich hatte natürlich die Trennungsangst unterschätzt, die mich völlig überraschend traf, als ich Matilda nach drei Tagen gemeinsam in der Puppenecke spielen, für eine Stunde in der Gruppe alleine lassen musste. Dieses schreckliche Gefühl, wenn du dein Kind in der Obhut eines fremden Menschen lassen musst. Aber trotzdem war da immer dieser aufregende Gedanke im Hintergrund: Nächste Woche muss ich nicht mehr in der Garderobe sitzen, dann darf ich schon zwei Stunden raus. Ins Cafe auf der anderen Straßenseite gehen. Mit diesem Gefühl im Hinterkopf übersteht man die psychisch schon etwas herausfordernde Eingewöhnungszeit in der Krippe ohne Probleme.

Der Wechsel in den Kindergarten: Alles auf Anfang

Aber zwei Jahre später sieht die Sache etwas anders aus. Dann kommt das Kind nämlich in den Kindergarten und da kann man es auch nicht einfach so rein werfen und wieder abhauen. Nein, auch da gibt es eine Eingewöhnung. Doch ein entscheidendes Merkmal fehlt jetzt: Diese aufregende Erwartung zukünftiger Freiheit. Jetzt war das Kind ja schon mehrere Jahre in Betreuung, Trennung macht einem nichts mehr aus und der ein oder andere freie Vormittag ist auch schon ein alter Hut. Jetzt will man einfach nur, dass alles so weitergeht wie bisher und die eingespielten Abläufe nicht durcheinander kommen. Und der Wechsel in den Kindergarten bringt alles durcheinander, zumal man auch wieder arbeitet und Eingewöhnung leider mehrere Tage bis Wochen Zeitaufwand bedeutet. Als ich einige Tage vor Start den Eingewöhnungsplan bekomme, wird mir schon angst und bange. Da ist von mehreren Tagen jeweils nur eine Stunde Trennung die Rede und gemeinsames Mittagessen erst Ende der zweiten Woche. Leicht panisch versuche ich mich damit zu beruhigen, dass Matilda ja bereits Krippenerfahren ist und die Eingewöhnung deswegen bestimmt schneller schafft.

Hier weht ein anderer Wind

Am ersten Tag betreten wir beide mit gemischten Gefühlen den Kindergarten, die tränenreiche Abschiedsfeier von den lieb gewonnenen Erzieherinnen der Krippe noch im Hinterkopf. Aber auch voller freudiger Erwartung: Meine kleine Maus ist jetzt ein Kindergartenkind! Nicht mehr lange und sie zieht aus. Was mir als erstes auffällt: Hier ist der Ton schon ein bisschen rauer als in der Krippe. Die Erzieherinnen werden mit Nachnamen angesprochen, es wird nicht viel erklärt und es gibt viel mehr Kinder. Die nicht besonders begeistert sind, dass da jemand neues kommt. Puh, schaffen wir beide das? Und als ich der Erzieherin sage, dass hin und wieder noch eine Windel nötig ist, wird das gar nicht positiv aufgenommen. Meine Güte, das Kind ist gerade erst drei geworden. Sie ist doch noch fast ein Baby. Innerlich schluckend lasse ich Matilda nach einer Stunde spielend in der Gruppe zurück und begebe mich in den Elternwarteraum, wo bereits mehrere Mütter Kaffee trinkend und fröhlich quatschend zusammen sitzen. Mir ist klar, dass ich jetzt kaum meinen Laptop auspacken und Emails beantworten kann, ohne sofort als karrieregeile Rabenmutter abgestempelt zu werden, also füge ich mich in mein Schicksal und führe belanglosen Smalltalk. Hin und wieder lasse ich einen sarkastischen Kommentar einfließen oder mache einen zynischen Witz um zu testen, ob irgendwer in dieser Mamigruppe meinen Humor teilt, aber leider lande ich keinen Treffer. Na toll, das werden spannende zwei Wochen. Nach einer Stunde Quälerei erlöst mich die Erzieherin, die mir Matilda bringt.

Schluss jetzt, ich will nicht mehr

Und so geht es die nächsten drei Tage weiter. Wir hangeln uns zeitlich zwar immer ein Stück weiter, aber das Mittagessen oder gar ein Entkommen aus dem höllischen Elternwarteraum ist noch nicht in Sicht. Und Matilda ist ja nicht blöd: Meines Erachtens könnte sie ohne Probleme schon bis 15:00 bleiben, aber dass sie unabhängig von mir spielen kann, ich aber doch in greifbarer Nähe bin, ist ihr ganz recht. Und das nutzt sie aus. Also lässt sie sich von der Erzieherin hin und wieder vorbeibringen um zu testen, ob ich noch da bin und verschwindet dann wieder in ihrer Gruppe. Keine Chance, mal für zwei Stunden abzuhauen und was zu erledigen. So langsam bekomme ich einen Lagerkoller. Aber ab Mitte der zweiten Woche geht es dann plötzlich doch ganz schnell. Das gemeinsame Mittagessen wird vorgezogen, ich darf für ein paar Stunden raus und nach neun Tagen haben wir es geschafft: Matilda ist im Kindergarten angekommen!

Mittlerweile hat sie sich eingelebt und geht jeden Tag gerne in ihren KiGa. Das bin eher ich, die noch mit der Umstellung zu kämpfen hat. Ich habe noch keine neuen Freunde gefunden und die Erzieherinnen sind auch nicht so nett wie in der Krippe. Und dieses vermaledeite Brotbox packen in der Früh geht mir auch auf die Nerven. Vielleicht hätte ich noch ein paar Wochen mehr Eingewöhnung nötig gehabt ...

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Natürlich freue ich mich, dass mein Kind endlich in den Kindergarten kommt. Aber diese notwendige aber einfach nur lästige Eingewöhnung? Bitte nicht! 

Gezwitscher

Auch wenn die Eingewöhnung nervig ist, ich kann froh sein, dass ich überhaupt einen Kindergartenplatz bekommen habe. In Bayern und ganz besonders in den Großstädten wie München herrscht akuter Kitaplatzmangel. Trotz Anmeldung über Kitafinder und Rechtsanspruch braucht es eine gehörige Portion Glück, um an einen Platz zu kommen. Man muss hartnäckig sein, viel telefonieren und persönlich Hände schütteln. Ohne Eigeninitiative geht nichts, da werden Muffins gebacken und seitenlange Bewerbungen geschrieben. Das kann es ja auch irgendwie nicht sein.  

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.