#momlife: Wie unsere Ernährungspyramide zusammenbrach

MONTAG, 18.11.2019 Hella B.

Unsere Kolumnistin Hella war mal perfekt durchorganisiert was gesunde Ernährung angeht. Doch dann brach die Ernährungspyramide in sich zusammen… 

Als Nicht-Mutter hätte ich mir niemals träumen lassen, wie sehr das Thema Ernährung bei Babys, Kleinkindern und Kindern polarisieren kann. Schon im ersten Jahr mit Baby häufen sich vermeintlich elementare Fragen an: Stillen, Nicht-Stillen, zufüttern? Dann diese Sache, ob man zu Baby-Led-Weaning eine Meinung hat und wie man zur Fertig-Gläschen-Kost steht. Das einzige, was ich in diesem ersten Jahr als Mutter gelernt hatte ist: zurücklehnen und einfach die Klappe halten. Man kann eh nur alles falsch machen. Und im zweiten Jahr hab‘ ich dann endgültig alle guten Vorsätze über Bord geworfen. 

Ich habe mir Mühe gegeben. Echt. Ich hatte mit meiner Hebamme eine Art Schlachtplan aus einer Mischung zwischen Stillen und Zufüttern entworfen und wir kamen damit wunderbar zurecht. Schnell lernte ich: Fläschchen-Milch kommt in Mama-Kollektiven nicht gut an. Und dann noch die große Frage, wann der perfekte Zeitpunkt zum Abstillen ist? Mein Learning: Jede machts anders, jede geht ihren eigenen Weg und das ist auch der richtige. Grundsätzlich aber ist das Vertrauen in sich selbst absolut notwendig und niemals – wirklich niemals – ist es ratsam, eine Diskussion darüber anzufangen, wann, wie oft und wie lange man stillt. Und wenn das Gespräch darauf kommt, empfehle ich, sich zurückzulehnen oder auf die Toilette zu gehen. 

Perfekt geplant: Die Breiphase war grün, gesund und stressig 

Als es in die Breiphase ging, stattete ich mich mit diversen Ernährungsbüchern aus und startete meiner Meinung nach absolut vorbildlich. Wir haben so viel wie möglich selbst zubereitet und ich achtete haargenau darauf, dass ich vielfältiges Gemüse-, Fleisch- und Fischanteil quasi nach diversen Ernährungsempfehlungen umsetze. Ich fühle mich gut, aber – ganz ehrlich – ich war auch gestresst.

8 h Frühstück, 10.30 h Obstsnack, 12 h Mittag, 15 h Gemüsesnack, 17.30 h Getreidebrei – der Tag war perfekt durchgeplant.

Alles änderte sich, als die Mädchen feste Nahrung zu sich nahmen. 

Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich merkte, wie verdammt einfach es ist, den Zwillingen je zwei Bananen in die Hand zu drücken, anstatt mit Vollgas in die Tram zu hechten, um irgendwie doch noch pünktlich eine ausgewogene Mahlzeit daheim zu kredenzen. Und wie praktisch sind bitte Brezn, die das Kind a) beschäftigen und b) sättigen? 

Trauben, Nüsschen und diese herrlichen Fruchtriegel (mit den überflüssigen Oblaten dran) – danke, lieber Ernährungsgott, dass Du an uns Mamas gedacht hast! 

Meine ausgewogene Ernährungspyramide brach doch schneller zusammen als ich geplant hatte. Wenigstens keine Süßigkeiten und kein Fertigzeugs, dachte ich mir. Bis ich krank zwischen den Seilen (bzw. Toilette und Bett) hing und ich seitdem immer Fischstäbchen, Gemüsebratlinge und Nudeln mit Pesto im Haus habe. 

Schokoeis, Nudeln und Pommes: Mamas Speiseplan vs. Leibspeisen 

Und dann war da noch diese Eisdiele zwischen Kita und Spielplatz. Zunächst holten wir Mamas uns einen Eiskaffee. Das ging ein paar Wochen gut. Bis der Verstand der Kinder begriff: Hier gibt es Eis auch für uns. Das sieht lecker aus. Und diese bunten Kügelchen drauf. Die sehen noch besser aus! 

Der Sommer war heiß. Und Eis ist kalt. Und kühlt. Und überhaupt. Ist Eis eine Süßigkeit? Ist Eis nicht so etwas wie ein Grundrecht? Ich mochte es sehr, dass Emma immer „grünes“ Eis haben wollte und Fritzi sich durch Sortiment schleckte. Mittlerweile sind wir umgezogen. In unserer Straße ist tote Hose, aber wie es der Zufall will, eröffnete eine verdammt gute Eisdiele wenige Häuser weiter. Diesen Sommer waren wir jeden zweiten Tag dort. 

Die Zwillinge sind nun knapp vier Jahre alt und Schokolade ist nun die Lieblingssorte - oben auf der Spitze mit einem Marshmallow. Während die Mädchen in der Breiphase Brokkoli, Spinat oder Möhrchen liebten, ist Gemüse semibeliebt. Ich möchte außerdem erwähnen, dass ich Nudeln mit Tomatensauce bis ins Detail perfektioniert habe. Gemüse kriegen wir schon noch irgendwie unter (neben den Wiener Würstchen) und von mir aus können sie auch mal Pommes essen. Ich lehne mich einfach wieder zurück. Perfekt machen kann ich eh nichts… 

Die Sache mit der ausgewogenen Ernährung oder: Ist Eis eine Süßigkeit oder ein Grundrecht? 

MeinSpatz Gezwitscher

Lebkuchen, Plätzchen, Kekse, Kuchen – als Mama musst du dir ständig die Frage stellen, wie viel dein Spatz davon naschen darf. Wir klären auf: Ist Zucker schädlich?

Hella B.

Hella ist gerade mit ihrem Mann Christoph und den Zwillingen Fritzi und Emma von der Innenstadt an den Münchner Stadtrand gezogen. Sie spielt schlecht und gerne Klavier, kocht sehr gern und teilt mit ihren Mädchen das große Hobby lesen. Hella arbeitet für ein großes Kaffeeunternehmen im Bereich Social Media. Den Job als Mama hat sich Hella irgendwie anders vorgestellt - davon berichtet sie regelmäßig in ihrer Kolumne.