Gefühle eines Teilzeit-Papas

DONNERSTAG, 10.05.2018

Unser Autor lebt getrennt von der Mama und seiner Tochter. Ein Erfahrungsbericht, wie es sich anfühlt sein Kind nicht immer um sich zu haben.

Das Wochenende ist vorbei. Jetzt packen wir den Koffer. Kuscheltiere, Bücher und das pinkfarbene Pony, das ich ihr gestern gekauft habe. Gleich wird meine Tochter von ihrer Mutter abgeholt. Dann wird es Tränen geben, gesenkte Blicke und dieses dämliche Gefühl der Leere, wenn meine Ex mit unserem Kind das Haus verlässt. Was noch bleibt? Das schlechte Gewissen und der Gedanke, dass ich das alles so nicht wollte.

Meine Tochter ist drei Jahre alt. Sie war nicht unbedingt ein Wunschkind, aber hey, meine Freundin war plötzlich schwanger. Nach dem ersten Schock freuten wir uns auf das Kind. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich damals bereits Bedenken. Die zwei Jahre unserer Beziehung waren sehr durchwachsen. Großartige Momente wechselten sich ab mit wochenlangen zähen Phasen. Als die Kleine dann im Bauch meiner Ex immer größer wurde, wuchs auch unsere Euphorie. Auf einmal schien alles gut zu werden. Wurde es aber dann doch nicht.

Nach sieben harten Monaten kam die Trennung
Zunächst war alles gut. Die Kleine kam gesund zur Welt, wir hatten gemeinsam ein paar Wochen frei. Dann verloren wir uns aus den Augen, waren nur noch Mama und Papa, die Beziehung war im Eimer. Als meine Tochter sieben Monate alt war, zog meine Freundin zu ihren Eltern. Ab da wurde ich zum Teilzeit-Papa. Um es in einem Wort zu sagen: ätzend. Dabei waren Kinder nie wirklich ein wichtiges Thema für mich. Ab dem ersten Tag war ich vernarrt in meine Tochter. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich froh war, dass in den ersten Wochen meine Frau nachts raus musste und nicht ich – trotzdem genoss ich jede Minute mit ihr. Obwohl die Kleine nichts tat außer schlafen, kacken und essen war ich mächtig stolz auf sie. Das ist bis heute so.

Freie Abende sind gar nicht so schlecht
Als meine Ex die Koffer packte, war das extrem hart. Ich hätte die Lütte am Liebsten bei mir behalten. Aber mir war klar, dass das unrealistisch ist. Zum Glück verlief unsere Trennung einigermaßen erwachsen, ein Rosenkrieg blieb uns erspart. Von Beginn machte ich deutlich, dass ich mich um mein Mädchen kümmern wollte. Unter der Woche war sie bei Mama, an jedem zweiten Wochenende bei mir. Ihre Eltern waren anfangs skeptisch, ob ich mich allein um mein Kind kümmern könnte. Zum Glück stellte meine Ex das nie in Frage. Auch wenn unsere Beziehung zu Ende war – wir waren immer noch Eltern. Das klingt jetzt alles sehr vernünftig und nüchtern. Trotzdem flossen Tränen, kochte ich vor Wut und hatte abends Bauchschmerzen vor Sehnsucht. Um mich abzulenken, ging ich mit Freunden öfter was trinken. Und ich muss zugeben, dass diese vielen Abende ohne Kind nicht schlecht waren. Mein Leben war plötzlich wieder spontaner, ich war freier. Aber auch viel einsamer. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich es auch leichter als ihre Mutter. Ich bin der Fun-Dad. Ich kann coole Sachen mit ihr machen, muss nicht so streng sein und wenn sie bei mir ist, gibt es schon mal Gummibärchen und Bibi&Tina im Fernsehen. Dafür verpasse ich aber auch viel. Vor allem habe ich Angst, irgendwann einmal den Anschluss zu verpassen.  

Der neue Freund nervt
Wir haben uns arrangiert. Ihre Mutter und ich verstehen uns gut, wir koordinieren unsere Termine, sprechen uns ab, und ich kann meine Tochter auch ohne Probleme unter der Woche auf ein Eis einladen. Weihnachten und Geburtstage feiern wir gemeinsam. Mittlerweile sogar mit dem neuen Freund meiner Ex. Er ist schon okay. Aber irgendwie nervt es mich jedes Mal, wenn er dabei ist. Ich gönne meinem Kind von ganzem Herzen ein Familienleben, aber ich will einfach nicht, dass er die Vaterrolle übernimmt. Als er ihr ein Fahrrad kaufte und so lange mit ihr übte, bis sie frei radeln konnte, wollte ich ihm am Liebsten eine verpassen. Ja sorry, das ist wohl nicht die feine englische Art, aber bitte, was erlaubt der Typ sich denn? Immerhin bin ich der Vater und meiner Tochter etwas beizubringen, ist ja wohl meine Sache. Irgendwie soll ich immer da sein, wenn sie mich als Babysitter brauchen und brav Geld abdrücken. Aber sobald ich Ansprüche stelle oder spontan etwas unternehmen möchte, muss ich immer erst Rücksprache halten. Wie ein Vater auf Abruf.  Das ist ziemlich ätzend. Ich habe keine neue Frau in meinem Leben. Zumindest nichts Festes. Wenn ich ehrlich bin, habe ich im Moment auch nicht wirklich Lust, noch einmal in so eine Situation zu geraten. Wobei ich es auf gar keinen Fall bereue, dass es meine Tochter gibt. Ich versuche einfach, das Beste daraus zu machen. Naja und vielleicht, wenn eines Tages die Richtige kommt … wer weiß?

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Wie fühlt es sich an, sein Kind nicht jeden Tag um sich zu haben? Ein Papa erzählt.

MeinSpatz Gezwitscher

Wenn Mama und Papa nach dem Ende der Beziehung nicht gleich entspannt miteinander umgehen können, ist das völlig normal. Zum Wohl des Kindes solltet ihr versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Familienberatungsstellen wie z. B. pro familia und das Jugendamt vermitteln Therapeuten und Mediatoren für eine Familientherapie, um Lösungen für die neue Familienkonstellation zu erarbeiten. In manchen Fällen werden die Kosten für die sogenannte „Hilfe zur Erziehung“ sogar vom Jugendamt übernommen.