Good Cop, Bad Cop: Wenn Papa spielt und Mama erzieht

FREITAG, 27.04.2018

Unsere Autorin steckt in einem Dilemma, dass viele Mamas kennen: Sie ist immer die Böse, während Papa fürs Spielen zuständig ist. Ein Erfahrungsbericht.

Wir sind ein eingespieltes Team als Eltern. Und in Kindererziehungsfragen sind wir uns weitestgehend einig. Damit haben wir es leichter als viele, viele andere Elternpaare. Und trotzdem gibt es etwas, das mich in den Wahnsinn treibt. Und zwar dass ich immer die doofe Spielverderberin bin.

Hat ja auch keiner gesagt, dass Mama sich im Urlaub erholen soll. Im Urlaub bin ich es, die Mann und Kinder antreibt, die Sandburg Sandburg sein zu lassen. Schließlich muss ich – zurück in der Ferienwohnung – noch kochen. Und ich kenne meine Kinder. Die Große wird zur Oberzicke, wenn sie müde ist. Und das ist nicht nur nervig, sondern kann auch eine Lärmfrequenz knapp unter Ultraschall erreichen. Wie fies das ist, brauch ich wohl nicht näher auszuführen. Und der Kleine schläft unter Garantie während des Essens ein. Nur um dann mitten in der Nacht wach zu werden und einen Mitternachtssnack einzufordern. Daher gilt: Die Sandburg bleibt, wo sie ist und meine Familie kommt mit mir gemeinsam zurück. Kaum habe ich meinen Wunsch ausgesprochen, bin ich blöd, gemein, ungerecht, ... Und mein Mann ist der Held, der mir – selbstverständlich vor den Kindern – erklärt, dass wir im Urlaub sind und es total egal ist, wann wir essen. Vernünftige Argumente (s. o.) sind ihm egal. Mein Abend ist damit gelaufen. Nachdem ich meine Tochter beruhigt habe, die – wie von mir prophezeit – ausgetickt ist, werde ich in der Nacht von meinem hungrigen Sohn geweckt. Was zu beweisen war. Eine Grundsatzdiskussion mit meinem Mann am nächsten Tag hilft nicht wirklich weiter. Ich solle locker bleiben, schließlich seien wir im Urlaub, blablabla. Und abends fängt das ganze Spiel von vorne an. Hat ja auch keiner gesagt, dass Mama sich im Urlaub erholen soll.

Kein Problem - Mama macht am Abend Zwiebelwickel

Oder diese leidige Mützendebatte. Ja, ich bin überzeugt davon, dass ein Kind, das am Vortag 39 Grad Fieber hatte und jetzt mit Rotznase rumrennt, eine Mütze anziehen soll, wenn es rausgeht. Ach was, sagt mein Mann, der Kleine ist doch nur zehn Minuten draußen. Und zehn Grad Außentemperatur sind ja nicht so kalt. Windig ist es auch nicht. Kein Problem - Mama macht am Abend Zwiebelwickel ("Meinst du, er hätte vielleicht doch eine Mütze anziehen sollen?"), steht in der Nacht dreimal auf, um das jammernde Kind zu beruhigen und regt sich nur ein bisschen auf, als der Mann am nächsten Morgen erklärt, ich solle mich eben besser durchsetzen.

Ich wäre manchmal gerne lockerer

Wenn das denn so einfach wäre. Schließlich will man ja kein Unmensch sein. Und vor allem nicht vor den Kindern mit Papa über die Sinnhaftigkeit mancher Erziehungsmaßnahmen diskutieren. Es gibt meines Erachtens einfach Dinge, die gemacht (und manchmal eben auch zu einer bestimmten Uhrzeit) werden müssen. Auch wenn es den lieben Kleinen und ihrem Superdaddy nicht gefällt bzw. sie die Diskussion scheuen.

Und ja, ich wäre manchmal gerne lockerer und würde mich gerne mehr treiben lassen. Doch das geht leider nicht immer. Aber tief in meinem Herzen weiß ich, dass meine Kinder ihre strenge Mama über alles lieben und mit ihren Sorgen immer zu mir kommen. Und dass auch mein Mann total stolz auf mich ist, dass ich alles so gut im Griff habe zuhause. Manchmal passiert es sogar, dass er mir das sagt. Und dann kann ich mich auch wieder darüber freuen, dass er so liebevoll mit den Kindern spielt und jeden Mist mit sich machen lässt. Auch wenn die Kleinen dann vielleicht eine halbe Stunde später ins Bett kommen ... 

Good Cop, Bad Cop: Wenn Papa spielt und Mama erzieht pin

Findest du es auch so unfair, dass du immer die Böse bist, während Papa der Held deiner Kinder ist? 

MeinSpatz Gezwitscher

Wir glauben, jede Mama mit einem Kleinkind kennt diese Situationen, wenn auch vielleicht in anderen Ausprägungen. Aber auch wenn du das nicht so gerne hörst: von diesem Unterschied zwischen Mama und Papa profitieren die Kids – meistens.