Große Geschenke zum Nikolaus? Nicht mit mir!

FREITAG, 30.11.2018 Andrea Huber

Schluss mit fetten Geschenken, ab jetzt gibt’s wieder Mandarinen in die Stiefel. Eine Mama erklärt, warum Tradition in der Familie gerade jetzt wieder wichtig ist.

Draußen ist es bäh: Eisiger Wind pfeift durch alle Ritzen unserer Anoraks, Sprühregen zerstäubt sich auf gefrorenen Wangen und es gibt gefühlt nur drei Stunden Tageslicht. Trotzdem beginnt jetzt die schönste Zeit für unsere Familie: Der Advent ist da und hat Adventskalender, Nikolaus und als Highlight noch Weihnachten im Gepäck. Schon als Kind liebte ich diese Zeit. Plötzlich erstrahlten überall kleine Lichter, das ganze Haus duftete nach süßen Plätzchen und Lebkuchen und es gab täglich ein kleines Stück Schokolade – und das gleich nach dem Aufstehen. Meine Eltern zelebrierten den Advent, mit allem was dazugehört. Mir war immer klar, dass ich das genauso machen werde. Also schmücke ich die Wohnung, bemale Fenster mit weißem Kreidestift, bastele Adventskalender und backe Plätzchen mit meinen Jungs. Naja, eigentlich versuche ich möglichst schnell ein paar davon in den Ofen zu bekommen, während meine zwei Gierschlünder über den Teig herfallen. Und dann das erste Highlight: Nikolaus.

Ab zum Stiefel putzen

Der Abend vor Nikolaus beginnt klassisch: Wir hören Rolf Zuckowskis "Weihnachtsbäckerei" und meine Jungs bekommen einen Putzlumpen und einen Schwamm in die Hand. Denn jetzt heißt es Stiefel putzen. Der liebe Nikolaus legt Geschenke nämlich nur in saubere Stiefel. Mit anderthalb und knapp drei Jahren sind die Zwerge schon ziemlich gute Stiefelputzer und mit großer Leidenschaft dabei. "Sau mal Mami, gaaar nix mehr smutzig!" Die zwei sind sooo stolz und ich auch. Wir lesen noch eine Geschichte über den Nikolaus und stellen dann die Stiefel vor die Tür. Ziemlich aufgeregt schlafen die beiden ein.

Süßes und ein Kuschelkissen vom Nikolaus

Morgens ist der Große kaum wach, schon flitzt er strumpfsockig zur Eingangstür und ruft: "Mami snell sauen!" Wir wecken erst den kleinen Bruder und stehen dann voller Spannung im Flur. Langsam sperre ich die Tür auf und – tadaaa – die Stiefel sind gefüllt. Es gibt Mandarinen, Nüsse, einen kleinen Apfel, einen Schokonikolaus und für jeden ein "Feuerwehrmann Sam" Kuschelkissen. Die Kleinen strahlen über beide Gesichter und mein Mann und ich mit ihnen. Wir setzen uns an den Frühstückstisch, zünden eine Kerze an und schmatzen alle gemeinsam die leckere Nikolausschokolade. Es ist bei uns also kein Nikolausabend, sondern ein Nikolausmorgen.

Tradition wichtiger als Geschenke

Ich halte es für absolut übertrieben an Nikolaus große Geschenke zu verteilen. Zumal drei Wochen später Weihnachten vor der Tür steht. Es geht doch vielmehr um das Ritual, die Vorbereitung und die Spannung, die dahinter steckt. Wir haben nun bereits zwei Mal Nikolaus mit unseren Jungs gefeiert, einmal mit einem kleinen Kissen, einmal mit einer Weihnachtslieder-CD. Ansonsten die Klassiker: Mandarine, Nüsse, Apfel und Schokolade. Obwohl mein Mann und ich beide nicht religiös und aus der Kirche ausgetreten sind, wollen wir die Tradition und das Gefühl von Liebe, Achtsamkeit und Hilfsbereitschaft an unsere Kinder weitergeben. Natürlich nicht nur im Advent, sondern an jedem Tag des Jahres. Das bedeutet für uns auch, dass wir etwas zurückgeben. Zum zweiten Mal müssen unsere Jungs an Nikolaus eine große Kiste mit Spielsachen aus ihrem Zimmer füllen. Autos, Kuscheltiere, Krims Krams – Alle Dinge, mit denen sie nicht mehr viel spielen werden verpackt und anschließend gespendet. Zum einen hat das rein praktische Gründe, denn übers Jahr verteilt kommen immer wieder neue Teile dazu – da wird es dann schnell zu voll. Zum anderen sollen sie lernen zu teilen und sich nicht nur an Dinge zu binden. Das klappt übrigens ziemlich gut. Sie suchen selber aus und die Kiste füllt sich ziemlich schnell. Am nächsten Tag bringen wir sie gemeinsam weg.

Der Schnuller-Trick zu Nikolaus

Was an Nikolaus auch ziemlich gut geklappt hat: Schnuller loswerden. Gemeinsam mit Freunden engagieren wir jedes Jahr einen "echten" Nikolaus. Er kommt, erzählt den mucksmäuschenstillen Kids eine Geschichte und verteilt kleine Jutesäckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Und: Er nimmt die Schnuller mit. Dreimal, bei drei Kindern hat das bereits funktioniert. Die heißgeliebten Schnuller werden in ein Täschchen gepackt und das Kind darf sie feierlich dem Nikolaus überreichen. Der nimmt sie dankend an, mit dem Kommentar, sie jetzt an kleine Babys weiterzugeben. Keine Tränen, keine durchweinten Nächte ohne "Diddi". Offensichtlich ist dieses Ritual eine gute Möglichkeit für die Zwerge Abschied zu nehmen. Unser Zweiter schickte seine Schnullis mitten im Sommer in einem großen Briefumschlag an den Nikolaus. Klappte auch einwandfrei.

Das Gefühl von Wärme und Geborgenheit

Ich glaube ich hatte ziemlich Glück. Meine Kindheit war geprägt von Liebe und Geborgenheit. Besonders an diesen Festtagen, wenn die ganze Familie zusammenkam: die Knallerparty an Silvester, die lustige Eiersuche an Ostern, ausgelassene Geburtstage mit unglaublich viel Essen und Musik, kuschelige Adventssonntage mit Tee und Plätzchen vor dem Kamin, das Stiefelputzen und warten auf den Nikolaus und als festlichen Höhepunkt: ein glitzerndes Weihnachtsfest mit unendlich vielen Lichtern und tollen Geschenken. Natürlich konnte ich es als Kind kaum erwarten die Stiefel zu leeren und die Geschenke auszupacken. Doch wenn ich jetzt daran zurückdenke, war es nicht das Materielle, das diese Tage zu etwas Besonderem machte. Auch damals schon nicht. Es war das Lachen, der Duft nach leckerem Essen, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und dieser kleine Hauch Magie, der irgendwie immer in der Luft lag. Klischee? Ja. Kitschig? Und wie! Und trotzdem möchte ich meinen Kindern den Zauber dieser Zeit in die Herzen legen.

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MeinSpatz Gezwitscher

Jede Familie hat ihre eigene Tradition! Sei es in Sachen Bescherung, Festessen oder der ulkige "Ugly Christmas Sweater" … Hier findest du ein paar Anregungen für EUER nächstes Weihnachtsfest.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.