Hilfe! Ich brauche einen Babysitter

FREITAG, 19.10.2018

Unsere Autorin erzählt von ihrem ersten Mal mit Babysitter, ihren Bedenken und warum sie jetzt nicht mehr darauf verzichten möchte.

Als unsere Kinder ein und zwei Jahre alt waren, zogen wir um. Bis dahin lebten wir bei meinen Eltern, in einer eigenen Wohnung unterm Dach. Was für eine Luxussituation: Wir verstanden uns gut, meine Eltern waren bereits in Rente und wir hatten IMMER einen Babysitter im Haus. Egal, ob ich schnell einkaufen musste, zum Sport wollte oder wir als Paar einen Abend in der Stadt verbrachten – Oma und Opa waren da. Nach unserem Umzug wohnen wir nun knapp 100 Km von meiner Familie entfernt – und brauchten dringend einen neuen Babysitter.

Wo finde ich nur einen Babysitter?

Wir leben in einem kleineren Ort, der dank guter Anbindung an die Großstadt, viele junge Familien anzieht. Hier sollte es doch jemanden geben, der im Nebenjob ab und an auf unsere zwei Racker aufpasste. Aber wie sollte ich diese Person finden? Also befragte ich Google und siehe da: Das Familienzentrum der Nachbargemeinde vermittelte sogar geprüfte Babysitter. Das klang nicht schlecht. Ich rief gleich an und die Dame erklärte mir, dass ihre Mädchen mindestens 14 Jahre sein müssen und alle eine Schulung mit Schwerpunkt Pflege am Kind, Pädagogik und Erste Hilfe am Kind erhalten haben. Wow, das beeindruckte mich zugegebenermaßen sehr. Ich konnte aus einer Liste drei Schülerinnen auswählen und diese zu einem ersten Kennenlernen treffen – noch ohne Kinder. Ich lud Julia zu uns nach Hause ein. Sie war sehr nett und freundlich, aber der Funke sprang nicht über. Eine Woche später klingelte dann Louise an unserer Tür.

Liebe auf den ersten Blick

Louise war uns auf Anhieb super sympathisch. Sie lachte viel, war gar nicht schüchtern, sehr aufgeschlossen und – das Wichtigste für mich – kam toll mit unseren zwei Jungs zurecht. Sie war eine Stunde bei uns. Ich wusste bereits nach zehn Minuten: Das ist unsere Babysitterin. Wir klärten kurz, dass wir zwei Mal im Monat Hilfe bräuchten und vereinbarten zehn Euro pro Stunde. Die Babysittervermittlung empfahl einen Mindestbetrag von 5 Euro pro Stunde und Kind. Das erschien uns persönlich etwas wenig. Am ersten Abend war Louise ab dem Abendessen bei uns. So bekam sie live mit, wie unsere Abendrituale aussehen, inklusive Sandmännchen, Zähneputzen und einem klassischen "Ich will einen anderen Schlafanzug anziehen"-Ausraster. Wir brachten die Kinder gemeinsam ins Bett und erklärten ihnen, dass der Babysitter jetzt auf sie aufpasst. Die Jungs schienen okay damit zu sein.

Der erste Abend: Das Handy bleibt auf dem Tisch

Mein Mann und ich gingen ins Gasthaus im Ortskern, nur fünf Minuten mit dem Rad entfernt. Ich muss zugeben: Ich war total unentspannt. Ich vertraute Louise zwar voll – aber irgendwie eben auch nicht so ganz. Was wäre, wenn die Kids aufwachen würden? Klar, wir wären in wenigen Minuten zuhause. Ich bestellte mir einen Wein und behielt das Handy fest im Blick. Eineinhalb Stunden später kam eine SMS von Louise. Ich dachte "Klar, jetzt ist es vorbei – die Jungs sind wach und wir müssen schnell heim." Nö, ganz im Gegenteil. "Hier ist alles ruhig," las ich. Trotzdem wollte ich nach weiteren 20 Minuten nach Hause. Ich fühlte mich komisch, das liebe Mädchen war immerhin doch noch eine Fremde. Wir sperrten die Tür auf. Ich hörte keinen Mucks. Louise hatte gemütlich ferngesehen, die Jungs schliefen tief. Ich war erleichtert, dankbar und fühlte mich total idiotisch. Wir brachten unsere Babysitterin nach Hause und machten gleich einen Folgetermin aus.

Nach und nach gewöhnte ich mich an die Situation

Erst ab dem vierten Abend wurde ich deutlich entspannter. Louise machte ihre Sache wirklich gut. Mittlerweile war einer der Jungs sogar wach geworden und ließ sich gut von ihr beruhigen. Sie sagte uns sofort Bescheid, aber als wir zurück waren, träumten beide wieder friedlich. Mittlerweile ist Louise seit gut 8 Monaten unser Babysitter und gehört fast ein wenig zur Familie. Wir haben ihre Eltern kennengelernt und ihr etwas zum Geburtstag geschenkt. Die Jungs lieben das Mädchen und ab und zu gehen wir schon früher aus dem Haus und Louise schmeißt die gesamte Abendroutine alleine. Ich glaub aber auch, dass wir großes Glück haben: Unsere Jungs sind einfach gute und unkomplizierte Schläfer. Das waren sie von Anfang an. Im Normalfall wachen sie nachts nicht auf und gehen gerne ins Bett. Für meinen Mann und mich sind diese zwei Pärchenabende im Monat ein echtes Geschenk. Wir sind meistens so um die drei Stunden weg – zahlen also 30 Euro pro Abend. Das ist uns die neu gewonnene Freiheit auf jeden Fall Wert. Und unsere Kids? Die freuen sich jedes Mal auf den Abend ohne Mama und Papa, dafür mit ihrer lieben Lulu …

Hilfe! Ich brauche einen Babysitter pin

Es ist nicht einfach einen guten Babysitter zu finden und dann einem fast fremden Menschen sein Kind anzuvertrauen. Unsere Autorin erzählt von ihren Erfahrungen.

MeinSpatz Gezwitscher

Falls das Familienzentrum deines Ortes keine Babysitter empfiehlt, kannst du dich hier darüber schlau machen, welche Babysitter-Portale für die Vermittlung eines guten Babysitters für dich in Frage kommen.