Hörbücher: Spaß für Kinder, Nostalgie für Mama

MONTAG, 21.10.2019 Tina

Als Kind liebte ich die Welt der Hörbücher und Hörspiele. Heute als Mutter einer Dreijährigen sind die Geschichten zurück in meinem Leben - wenn auch nicht mehr als Kassetten. Und trotz aller Nostalgie können sie auch manchmal nerven ...

Jeder hat etwas, das er mit seiner Kindheit verbindet. Mit Unbeschwertheit und Abenteuer. Was dieses warme Gefühl im Bauch verursacht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Bei mir sind das Hörbücher. Beziehungsweise Hörspiele auf Kassetten, weil ich ungefähr 1920 geboren wurde. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich stundenlang mit Bibi Blocksberg auf Kartoffelbrei durch die Lüfte geflogen bin oder mit Benjamin Blümchen den Zoo gerettet habe. Teil meiner Erinnerung sind allerdings auch nerviges Zurückspulen, Kassette wenden und Bandsalat mit Bleistift wieder aufrollen. Diese Aufregung kann ich meiner Tochter in der digitalen Zeit zwar nicht mehr bieten, aber die wunderbare Welt der Hörgeschichten, die soll sie kennenlernen.

Hörbuch oder Hörspiel?

Matilda ist jetzt drei Jahre alt und seit ca. einem halben Jahr großer Hörspiel-Fan. Wir haben sowohl Hörbücher als auch Hörspiele daheim, denn da gibt es einen Unterschied. Ein Hörbuch ist eigentlich eine Lesung, die von einem Sprecher vorgetragen wird. Gute Nacht Geschichten zum Beispiel oder die Vertonung eines Kinderbuchklassikers wie "Der kleine Prinz". Hörspiele dagegen werden von mehreren Sprechern gesprochen, jede Rolle ist anders besetzt und ein Erzähler erklärt zwischen den Dialogen, was passiert. Einfach erklärt: Wenn im Hörbuch jemand an der Tür klingelt, dann liest der Sprecher das vor. Im Hörspiel klingelts wirklich. Ein Hörspiel ist quasi die Tonspur einer Fernsehsendung. Nicht schwer zu erraten, welche Variante die meisten kleinen Kinder lieber mögen. Geschichten lässt sich Matilda noch lieber von mir oder dem Papa vorlesen, deswegen ist ganz klar das Hörspiel ihr Favorit. Da rummst es durchaus mal laut, Musik wird gespielt und alle reden durcheinander - total aufregend!

Hörspiel-Terror in Dauerschleife

Die Klassiker funktionieren immer noch. Bibi Blocksberg findet Matilda zwar noch doof, aber Janosch liebt sie. Auch Pu der Bär steht hoch im Kurs, ebenso Geister- und Hexengeschichten. Das Gute: Auch ich höre die Stories gerne. Zumindest die ersten drei Wochen. Dann setzt langsam die Verzweiflung ein und mein linkes Auge fängt unkontrolliert an zu zucken, wenn Matilda zum 584 Mal hören will, wie Tiger und Bär Panama suchen. Damit die Situation nicht eskaliert, haben wir Matilda jetzt eigene Kopfhörer gekauft, meine klare Empfehlung bei längeren Autofahrten. Denn es gibt auch Hörspiele, die mir schon beim ersten Mal Hören die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Nervös schiele ich dann aus dem Augenwinkel zu Matilda und versuche optimistisch, Desinteresse zu erkennen. Bitte bitte mach, dass sie es nicht mag! Bitte lass diesen Quatsch in den nächsten Wochen nicht Teil meines Lebens sein. Vergeblich gehofft habe ich unter anderem bei "Leo Lausemaus", dessen überaus unsympathischen Charakter man beim Lesen der Bücher noch irgendwie ausblenden kann, beim Hörspiel aber nicht. Und wenn ich noch einmal das schreckliche Lied vom kleinen Klokönig hören UND MITSINGEN muss, kann ich für nichts mehr garantieren.    

CD, Digital, Alexa oder Tonie?

In meiner Jugend gab es Kassetten und das wars auch schon. Heute kann ich zwischen verschiedenen Varianten wählen, wenn Matilda ein neues Hörbuch bekommt. Am häufigsten ist bei uns die CD im Einsatz, deswegen auch die bevorzugte Geschenk-Variante. Die CD kann Matilda in ihrem Kinderzimmer hören, aber auch im Auto. Würde dort natürlich auch digital gehen, aber ich habe einfach keine Lust, mein Handy mit Hörspielen vollzustopfen. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich dann wieder mit iTunes auseinandersetzen muss und das möchte ich der Familie nicht antun. Außerdem kann Matilda sich die CD-Cover in ihrem Schrank ansehen und so nach Lust und Laune auswählen. Wir haben auch einige Hörspiele auf dem Tablet, aber da ist für Matilda die Versuchung zu groß, schnell rüber zu YouTube zu springen, denn Bewegtbild ist leider immer noch am spannendsten.

Bei Tablet schauen und Fernsehen gibt es bei uns klare Regeln was die Länge betrifft, man darf aber nicht vergessen, dass auch Hörspiele zum Medienkonsum gehören. Die "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" empfiehlt für Kinder ab 3 Jahren, Hörspiele nicht mehr als 45 Minuten täglich (von 0-3 Jahren sogar nur 30 Minuten). Da sind wir drüber. Aber ich empfinde ein Hörspiel eher als pädagogisch wertvoll als die 25. Folge "PJ Masks", deswegen dehnen wir hier die Regeln ein bisschen. Außerdem bekommt Matilda anders als beim Fernseher keinen Tobsuchtsanfall, wenn das Gerät ausgeschaltet wird und ich kann sie guten Gewissens alleine hören lassen und Mama-Dinge erledigen. Das mache übrigens nicht nur ich so, denn laut einer EMNID Umfrage von 2016 hören Kinder in 68% der Fälle meistens oder immer alleine ein Hörspiel. 

Manchmal benutzt Matilda auch unsere Alexa, um sich was Neues anzuhören. Allerdings ist hier die Fehlerquote enorm. Eine Konversation zwischen einer Dreijährigen und einem mäßig intelligenten Lautsprecher, der ein "Nein Alexa, nicht das, das andere mit dem Pups" einfach nicht verstehen will, ist zwar unheimlich lustig, führt aber nicht zum gewünschten Ergebnis. Außerdem hat Matilda letztens über Alexa ein Audible Probeabo abgeschlossen, als ich gerade ins Zimmer kam. Ein paar Freunde haben die Tonies Box, ein eigentlich ganz smartes Hörspielsystem, bei dem die Geschichten in Form von kleinen Figuren gekauft werden, die das Kind dann auf einen Lautsprecher-Würfel setzt und schon spielt die Story ab. Faszinierend und spaßig, aber halt im Prinzip auch nichts anders als CD und Abspielgerät.

Ich freue mich jedenfalls über Matildas Interesse an Hörspielen und Hörbüchern und hoffe, dass es so bleiben wird. Denn ich möchte irgendwann gemeinsam mit ihr in unserer selbstgebauten Höhle liegen, mit der Taschenlampe Figuren an die Decke malen und meinen alten Schätzen lauschen, von "TKKG" über "Scotland Yard" bis zu "Die drei Fragezeichen". Alleine kann sie das eh nicht hören, weil sie keine Ahnung haben wird, wie ein Kassettenrekorder funktioniert.   

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Bei Hörspielen und Hörbüchern müssen Kinder und Eltern heute nicht nur den Inhalt auswählen, sondern auch die Art und Weise, wie sie hören: Digital auf Laptop, Tablet oder Handy? Oder doch lieber eine CD?

Gezwitscher

Wenn man sich die Top 10 der meistverkauften Hörspiele in Deutschland ansieht, dann dominieren seit Jahren "Die drei Fragezeichen" die Charts. Dicht gefolgt von bekannten Kindersendungen wie "Bibi und Tina" oder "Paw Patrol". Außerdem sind immer Hörspiele zu aktuellen Disneyfilmen dabei. Rekordhalter mit Ende 2018 bereits 56 Monaten in der Top Ten:"Die Eiskönigin".

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.