Kindergeburtstagskuchen: Die Regenbogen Schachbrett Torte

MONTAG, 26.08.2019 Tina

Von großen Ambitionen, kurzfristigen Panikattacken und der Erkenntnis, dass man eigentlich weniger fürs Kind, sondern fürs eigene Ego backt: Regenbogen Schachbrett Torte, der schönste Kindergeburtstagskuchen der Welt, ein Erfahrungsbericht. Inklusive Rezept und ganz viel Emotion.

Ich backe wirklich gut. Ohne mir jetzt selbst zu offensichtlich auf die Schulter zu klopfen, aber bei Kuchen, Torten, Minimuffins macht mir keiner was vor. Ich bringe auf Partys immer Desserts mit, backe für alle Krippenveranstaltungen und verfolge auf Instagram die neuesten Back-Trends. Meine YouTube Playlist ist voll mit Videos von filigranen Dessert-Variationen und Spritzbeutel-Life-Hacks. Kuchenglasuren in der Endlosschleife beruhigen mich. Andere haben eine Tupper-Schublade, die überquillt, bei mir ist es Torten-Zubehör: Von diversen Backformen über Drehteller und Spritzbeutel in der Dreifach-Ausführung bis hin zum 90teiligen Fondant Ausstecher Set – ich habe alles. Ok, die Tupper-Schublade habe ich auch.

Backen macht mir einfach Spaß. Das ist ein großer Vorteil, wenn man Kinder hat, denn wenn der Geburtstag ansteht, kommt man um einen Geburtstagskuchen nicht herum. De facto kann man den auch kaufen, aber dann ist man eine schlechte Mutter ... was natürlich Quatsch ist, aber gegen das eigene Gehirn kommt man schwer an. Diese Entscheidung muss ich aber glücklicherweise nie treffen, denn wie gesagt, ich backe gerne. Allerdings hat mich der Kuchen zum dritten Geburtstag meiner Tochter an die Grenzen getrieben. Dieses Mal wollte ich ihn angehen, den aufwändigsten Kuchen, den ich mir vorstellen konnte, den heiligen Gral aller Kindergeburtstagskuchen: Die bunte Regenbnogen Schachbrett Torte!

Mutig sein und einfach anfangen

Immer wieder bin ich bei meinen "Recherchen" auf diese wunderschönen Regenbogen Torten gestoßen, habe mich bisher aber nie rangetraut. Man muss unter anderem 6! verschiedenfarbige Böden backen, alleine der zeitliche Aufwand mit Abkühlen und Dekorieren hat mir den Schweiß auf die Stirn getrieben. Dazu kommt, dass meine Küche ungefähr die Ausmaße von Harry Potters Kammer unter der Treppe hat. Aber egal, das Ding war jetzt fällig. Einen Tag vor Matildas Geburtstag habe ich angefangen. Das komplette Rezept mit Anleitung findet ihr unten in der Galerie (oder HIER sofort hinspringen).

Beim Grundteig habe ich mich gegen Biskuitteig entschieden, weil ich den immer ein bisschen trocken finde. Und was ist der schönste Kuchen, wenn er am Ende nicht schmeckt? Am Ende wurde es der sogenannte "Wunderkuchen". Ganz einfach in der Herstellung, lässt sich gut einfärben, schmeckt wunderbar saftig. Beim Backen aber lieber ein bisschen länger im Ofen lassen (auch wenn die Stäbchenprobe schon "fertig" anzeigt), wenn die Teigböden erst am nächsten Tag verarbeitet werden.

Über Nacht in Alufolie eingepackt ist mir einer zu matschig geworden, weswegen die Farbe Gelb leider im finalen Kuchen fehlt. Beim Einfärben am besten gelbasierte Farben nehmen, die funktionieren nach meiner Erfahrung am besten und sorgen für kräftige Farben. Ausgebreitet in der Küche sehen die Teige wirklich schön aus! Da stand ich nun am nächsten Tag, am Tag des Geburtstags in meiner Mini-Küche, umgeben von bunten, saftigen Kuchen und rieb mir lachend die Hände: Na, das war doch gar nicht so schwer. Und dann beging ich meinen ersten Fehler. Alle Teigböden sollten auf dieselbe Höhe gebracht werden, mit einem großen Messer, einem Draht oder am besten einer speziellen Maschine. Leicht ungläubig wurde mir klar, dass mir so eine Maschine in meiner Kuchen-Gimmick Sammlung fehlte. Ein Draht ließ sich nicht auftreiben und mit dem Messer wollte ich die wunderschönen Kuchen nicht verunstalten. Aber die Kuchen waren alle fast gleich hoch, nicht übermäßig aufgegangen und nahezu eben. Das muss doch auch ohne Zuschneiden gehen.

TIPP 1: Kuchenböden IMMER noch mal zuschneiden und auf dieselbe Höhe bringen! Auch wenn sie fast gleich aussehen.

Wenn man jetzt stapeln würde, bekommt man einen wunderschönen Regenbogen Kuchen. Aber wieso einfach, wenns auch kompliziert geht? Ich wollte ein Schachbrettmuster. Dafür müssen aus jedem Teig einfach zwei Ringe ausgestochen werden. Ich habe eine Schüssel und eine Tasse als Schablonen benutzt. Diese Ringe werden dann wild untereinander gemixt und so wieder sechs (in meinem Fall nur noch fünf, Gelb ist auf der Strecke geblieben, ihr erinnert euch) Tortenböden gebildet. Hurra, das macht Spaß! Aber, zweiter Fehler, bitte aufpassen, dass beim Umheben keiner reißt. Ich dachte, passt schon, klebe ich nachher mit der Creme wieder zusammen.

TIPP 2: Beim Umheben der Tortenkreise vorsichtig vorgehen. Einmal gerissene Tortenringe lassen sich nicht einfach wieder zusammenkleben und sorgen später für einen "Erdrutsch". Außerdem: Ringe nicht einfach ineinanderlegen, sondern die Zwischenräume mit Tortencreme verkleben.

So, da lagen sie nun alle. Meine wunderschönen bunten Tortenböden. Gut, das Zusammenlegen hat ein bisschen länger gedauert als gedacht, Matilda kommt in drei Stunden aus der Kita und die Party fängt an, aber jetzt musste ich ja nur noch Stapeln und Dekorieren.

TIPP 3: Plant wirklich viel Zeit ein! Das Anrühren der Creme (inkl. Abkühlungszeit), Stapeln und Herstellen der Dekoration dauert lange. Und ihr wollt den fertigen Kuchen auch noch ein wenig im Kühlschrank lagern, damit er fest wird.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Bei der Füllung wollte ich keine reine Buttercreme. Das klingt bei einem Geburtstag im August, bei 30 Grad im Garten einfach nach Overkill und Food-Koma. Trotzdem sollte es etwas helles sein, damit das Muster gut zu erkennen ist. Bei mehrlagigen Torten kommt man um eine Buttercremebasis kaum herum, denn man braucht eine gewisse Stabilität. Ich habe die Buttercreme mit Vanillepudding gemischt. Das macht es am Ende auch nicht leichter, aber es klingt zumindest so. Man muss eine große Menge Vanillepudding-Buttercreme herstellen, denn die Torte wird ganz schön hoch und muss sowohl zwischen den Böden als auch außen herum eingeschmiert werden. Und dieser Pudding muss abkühlen, damit er nicht zu flüssig ist. Dann hieß es also für die nächste Stunde, alle 10 Minuten zum Kühlschrank rennen, umrühren, Kältezustand testen, erste Panikattacken beim Blick auf die Uhr. 

Bei Raumtemperatur habe ich dann mit Stapeln und Schmieren begonnen, auf meiner wunderbaren Drehplatte. Bis zum dritten Boden lief es ganz gut, dann wurden mir die eingerissenen Ringe und nicht auf die gleiche Höhe gebrachten Tortenböden zum Verhängnis. Böden, die in der Mitte immer ein wenig höher sind als am Rand potenzieren mit zunehmender Anzahl das Gefälle von Innen nach Außen. Die glitschige Creme macht es nicht besser und irgendwann gaben die eingerissenen Ringe der Schwerkraft nach und rutschten auseinander. Ich hielt mit einer Hand den Kuchen zusammen und schmierte mit der anderen fleißig weiter Creme überall hin, in der Hoffnung, die Klebequalität setzt irgendwann ein. Da ich keine Hand mehr frei hatte, musste mein Mann die nächsten Böden aufsetzen. Laut lachend, da ihm anscheinend die Dramatik der Situation nicht bewusst war. Ich stand kurz vorm Nervenzusammenbruch, versuchte panisch, die Torte zu retten während ich immer wieder verzweifelt "Aber die Böden waren so schön" vor mich hin faselte. Am Ende habe ich es irgendwie hinbekommen und rundherum so viel abgeschnitten, dass ein einigermaßen Torten-förmiges Etwas entstand.

Besonders hübsch sah der Haufen da vor mir allerdings noch nicht aus. Matilda hatte sich Schmetterlinge und Monster für ihren Geburtstagskuchen gewünscht, also habe ich ein Kilo weißen Fondant gekauft zum Einkleiden und Verzieren der Torte. Als ich den Fondant ausrollte, eine Stunde, bevor Matilda aus der Kita kam, fiel mir siedend heiß eine Information ein, die aus den Tiefen meines Back-Wissens plötzlich aufpoppte. Da hing sie schaukelnd vor meinen Augen wie ein großes leuchtendes Warnschild: Nicht jede Creme ist für einen Fondant-Überzug geeignet. Entscheidend ist die Feuchtigkeit: Da Fondant aus reinem Zucker besteht, lösen zum Beispiel Cremes aus Sahne oder Joghurt aufgrund ihres hohen Flüssigkeitsanteils den Zucker sofort auf. Eine reine Buttercreme funktioniert, aber wie ist das mit einem Buttercreme-Vanillepudding-Gemisch? Googeln brachte unterschiedliche Ergebnisse, Fakt war: Ich konnte nicht sicher sein, ob der Fondant hält. Also entschied ich mich für die sichere Variante: Eine Schokoladen-Ganache als Trenner zwischen Creme und Fondant. Mit Schokolade und Sahne rührte ich die Ganache an und verstaute sie im Tiefkühlfach, um sie auf Raumtemperatur zu bringen

TIPP 4: Entscheidet euch für eine sichere, Fondant-taugliche Creme. Oder lasst den Fondant weg und bestreut die Creme mit Smarties, Zuckerkügelchen und jeder Menge Kinder-Deko. Macht es euch nicht unnötig schwer!

Ta ta ta taaaaa: Enthüllung der Torte

Am Ende haute es mit der Zeit natürlich gar nicht mehr hin. Ich ließ innerlich weinend die Fondant-Decke weg, formte nur ein paar schnelle Fondant-Monster (ohne mein 90teiliges Ausstecher-Set) und klebte gekaufte Esspapier-Schmetterlinge auf die Ganache, fertig war das Meisterstück. Und fertig war ich. Fix und alle! Dieser Kuchen war mein Endgegner und ich dachte, er hätte mich besiegt. Doch dann schnitt ich inmitten der Geburtstagsgäste enttäuscht und ohne Erwartung dieses Monstrum auf und siehe da: Ein Sonnenstrahl durchbrach die Wolkendecke und schien auf einen wunderschöne Regenbogen Schachbrett Torte! Nicht jedes Quadrat am richtigen Fleck, aber ohne Frage farbenfroh, fortgeschritten und unglaublich lecker! Ich hatte es geschafft, ich war der Meister, die beste Mutter der Welt! Die Komplimente der Gäste streichelten mein Ego und waren die Belohnung für zwei harte Tage. Und Matilda? Nach einem "Sieht hübsch aus Mami" schnappte sie sich eine einfache Kuchen-Waffel, die ich als Magenfüller nebenher gebacken hatte, sprang vom Tisch und sauste wieder raus zum Spielen. Kinder sind toll.

Die Regenbogen Schachbrett Geburtstagstorte ist ein dickes Ding Back-Arbeit! Aber sie sieht einfach wunderschön aus.

Gezwitscher

Die Fondant-Haube habe ich aus Zeitgründen bei meiner Regenbogen Torte nicht mehr geschafft, aber ich habe schon tolle Sachen mit Fondant gezaubert. Es sieht schwierig aus, das ist es aber nicht. Wer sich noch nie an eine Fondant Torte gewagt hat, einfach mal ausprobieren. Damit man nicht selber rollen muss, gibt es bereits ausgerollte bunte Fondantplatten zu kaufen, die sich ganz einfach über den Kuchen stülpen lassen. Wer nicht selber färben will, kann Fondant in alle Farben kaufen und dann wie Knetmasse bearbeiten. Ich habe mal einen Kuchen für eine "Unter dem Meer" Party gebacken, für den ich die Verzierungen mit den Play Doh Meerestier-Ausstechern der Tochter gemacht habe. Einfach loslegen und Spaß haben!

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.