Kinderklamotten vom Discounter – besser als ihr Ruf?

DONNERSTAG, 14.02.2019 Julia M.

Kleidung aus dem Supermarkt: Wir wollen gute Qualität und eine umweltfreundliche Herstellung für unseren Nachwuchs. Doch sind die Sachen von Aldi und Co. wirklich schlechter als andere Produkte?

2015 hat Greenpeace den Produkten von Aldi, Lidl, Penny und Tchibo tatsächlich noch eine schlechte Bewertung gegeben. Damals hat die Umweltschutzorganisation Schuhe und Kleidungsstücke für Kinder und junge Erwachsene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz getestet. In mehr als der Hälfte der 26 Produkte wurden laut Greenpeace umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe in Konzentrationen oberhalb der herangezogenen Vergleichs- und Vorsorgewerte gefunden. Am meisten Giftstoffe wurden in Schuhen entdeckt - allen voran in den Gummistiefeln von Tchibo und Kinderschuhen von Aldi-Süd und Aldi-Nord. 

Greenpeace erklärte, dass die Kleidung zwar nicht unmittelbar Auswirkungen auf die Gesundheit des Verbrauchers hat. Allerdings können die Chemikalien über Produkte und Fabriken in die Umwelt und in Lebensmittel gelangen. Die nachgewiesenen Stoffe seien der Non-Profit-Organisation zufolge teilweise krebserregend und schädlich für die Fortpflanzung oder innere Organe wie die Leber.  

Discounter auf Entgiftungskurs 

Aber nun eine erfreuliche Nachricht für Mamis und Papis: Aldi, Lidl, Penny, Rewe, Kaufland und Tchibo haben sich nach den miserablen Ergebnissen dazu verpflichtet, dass ihre Textilien bis 2020 keine schädlichen Chemikalien mehr enthalten. Fragst du dich jetzt auch, ob Eltern wirklich auf das Versprechen vertrauen können? Nach Angaben von Greenpeace haben Aldi, Lidl, Penny und Tchibo bereits erste Chemikalien aus der Produktion verbannt. Wie Alexandra Perschau von Greepeace in einem Fernsehinterview erklärte:"Sie sind allesamt auf einem guten Weg. Besonders hervorzuheben ist Tchibo, die wirklich eine sehr detailierte Liste entwickelt haben. Was alles verboten ist bei ihnen, und die auch sehr genau mit den Laboren prüfen, dass wirklich die neueste Technologie angewendet wird."

Außerdem macht die Umweltschutzorganisation auf Rücknahme- und Recycling-Aktionen von Lidl, Tchibo, Rewe und Penny aufmerksam. Mit diesen Programmen sollen wir weg kommen von unserer Wegwerfkultur – denn jährlich landen in Europa mehrere Millionen Tonnen Kleidung im Müll. Greenpeace rät den Kunden, abgetragene Kleidung ihrer Sprösslinge wieder zurückzubringen, damit die Supermärkte schneller mit dem Recycling beginnen. Allerdings haben bislang nur größere Modeketten wie etwa H&M derartige Aktionen dauerhaft in ihre Verkaufsstrategie aufgenommen. 

Apropos getragene Kleidung: Auch auf Flohmärkten und Basaren gibt es oft preiswerte Anziehsachen zu kaufen. Stehst du dem Thema gebrauchte Kinderkleidung eher skeptisch gegenüber? Dann bist du nicht allein. Eine Kollegin erzählt in ihrem Artikel "Babykleidung - neu oder gebraucht", warum sie anfangs keine gebrauchten Klamotten für ihren Spatz wollte. Vielleicht geht es dir wie ihr und du freundest dich doch noch damit an – zumal dein kleiner Wurm schnell in die nächste Kleidergröße rutscht. 

Was sollten Kinderklamotten aushalten? 

Neben der Herstellung spielen auch Qualität und Langlebigkeit bei Kinderklamotten eine wichtige Rolle – da sind sich wohl alle Mamas einig. Der Öko-Test hat ergeben, dass sich billigere Kleidung beim Waschen etwas mehr verzieht als teurere Mode. Was die Verfärbung angeht, gibt es kaum einen Unterschied: Sowohl No-Name- als auch Markenteile behalten ihr Aussehen nach dem Waschen. 

Auch bei Schuhen gibt es laut der Zeitschrift Öko-Test keinen wesentlichen Qualitätsunterschied. Mit Blick auf die Langlebigkeit halten günstige und teure Produkte etwa gleich viel aus. Und: Das müssen sie auch. Welcher Knirps passt schon besonders gut auf seine Schuhe auf, wenn die nächste Schlammpfütze in Sicht ist oder das Schuhwerk mal wieder als Bremse beim Bobycar-Fahren herhalten muss? Gebrauchsspuren zeigen sich bei billigen und hochpreisigen Produkten gleichermaßen. Ebenso das Biegeverhalten und die Stabilität der Sohlen: Discounter und Markenprodukte schneiden hier gleich ab.

Festzuhalten ist, dass es in puncto Qualität kleine, aber keine gravierenden Unterschiede zwischen den Kinderklamotten vom Supermarkt und namhaften Herstellern gibt. Auch mit Blick auf die Produktion haben sich die Discounterprodukte verbessert. Trotzdem solltest du Supermarkt-Kleidung erst gründlich waschen, bevor du deinen kleinen Spatz darin einhüllst. Ein Vorteil von Second-Hand-Ware: Sie wurde bereits so oft getragen und gewaschen, dass Schadstoffe ganz sicher nicht mehr enthalten sind – und du schonst gleichzeitig die Umwelt und deinen Geldbeutel. 

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MeinSpatz Gezwitscher

Bioklamotten oder Discounterware? Eine Mama aus der Redaktion hat dazu eine eindeutige Meinung: "Klar würde ich gerne ausschließlich nachhaltig produzierte Wolle-Seide-Bodys oder Baumwoll-Shirts in Bioqualität kaufen. Allerdings ist das mit drei Kindern und einem normalen Verdienst nicht machbar. Wenn dann noch für die Kita die doppelte Ausrüstung gekauft werden muss, würde das ein Vermögen kosten. Also kaufe ich die gesamte Matschausrüstung meistens beim Discounter. Ich tausche aber viele Klamotten mit Freundinnen und in unserem Ort gibt es eine Mama-Whatsapp-Gruppe, in der rund 130 Mamis die getragenen Klamotten ihrer Kinder untereinander verkaufen. Das klappt super, ist nachhaltig und wir können die Sachen sogar mit dem Radl abholen."

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.