Liebesbrief an meine Kinder

DIENSTAG, 16.01.2018

Warum wir unsere Kinder uneingeschränkt lieben, verrät eine Mama in diesem wundervollen Liebesbrief an ihre Kleinen.

Es gibt diesen einen wunderbaren Moment am Ende des Tages. Diese besondere Zeit am Abend, wenn es langsam ruhig wird und wir uns zusammen unter die große Bettdecke kuscheln. Ihr, meine zwei Lausejungs, liegt links und rechts in meinen Armen. Ich frage euch, wie euer Tag war und ihr plappert drauflos, erst schnell, dann immer langsamer, weil die Müdigkeit sich breitmacht. Am Tag seid ihr wild und laut und schnell. Ihr kämpft als Superhelden gegen Aliens und wälzt euch den Erdhügel hinunter. Ihr verwüstet euer Kinderzimmer und schmeißt mit Lego in alle Himmelsrichtungen. Und ihr kostet mich den letzten Nerv. Aber jetzt ist es Abend und ihr liegt friedlich bei Mama und Papa im Bett. Ab jetzt schaltet ihr auf Kuschelmodus. Wir lesen ein paar Geschichten und ich höre, wie euer Atem immer regelmäßiger wird. Die Geschichte ist zu Ende, das kleine Licht bleibt an, während ihr langsam einschlummert.

So lange ihr unsere Nähe sucht, schenken wir sie euch gern

Eigentlich habt ihr euer eigenes Schlafzimmer, mit zwei tollen Betten. Richtige Räuber-Jungs-Höhlen. Und obwohl ihr schon drei und vier Jahre alt seid, schlaft ihr bei uns. Wir haben ein großes Matratzenlager gebaut, fast drei Meter breit, damit wir alle genug Platz haben. Klar sind wir froh, abends im Wohnzimmer unsere Ruhe zu haben, aber wir genießen es, Nacht für Nacht eure zufriedenen Seufzer und Traumgeräusche neben uns zu hören. Und so lange ihr unsere Nähe sucht, schenken wir sie euch gern. Denn ihr werdet so schnell groß.

Es ist spürbar, ihr nehmt euch immer mehr Freiraum. Manchmal macht ihr nachmittags beim Spielen eure Zimmertüre zu und wollt eure Ruhe haben. Ihr geht allein auf Kindergeburtstage und übernachtet ein Wochenende lang bei Oma und Opa. Ihr geht eure ersten Schritte ohne uns. Papa und ich genießen die neu gewonnene Freiheit. Aber wir blicken auch zurück … ihr habt euch in der kurzen Zeit seit eurer Geburt so verändert. Und wir uns mit euch!

Euer Enthusiasmus für einfache Dinge haut mich regelmäßig um

Ihr lebt jeden Tag mit so viel Energie und Emotion, dass ich mich manchmal frage, wo ihr die Kraft dafür hernehmt. Ihr seid so richtig wütend und bockig und kurz darauf wieder fröhlich und gluckst vor Lachen. Das habe ich mir von euch abgeschaut: Wenn ich früher schlechte Laune hatte, habe ich sie den ganzen Tag mit mir rumgetragen. Jetzt versuche ich, das Thema einfach abzuhaken und den Rest des Tages zu genießen. Und es klappt immer öfter, vor allem, weil ihr mich zum Lachen bringt. Und ihr seid so herrlich begeisterungsfähig. Euer Enthusiasmus für einfache Dinge, wie Pommes mit Ketchup, haut mich regelmäßig um.

Ich würde euch vieles so gern ersparen

Täglich sehe ich, wie ihr neue Dinge lernt. Klettern, Radfahren, das erste Gedicht, wie Spiderman seine Finger bewegt, wenn er „Spiderfäden“ schießt … Was in eurem kleinen Köpfchen vorgehen muss, ist mir unbegreiflich. Und ihr lernt, mit Wut und Enttäuschungen umzugehen. Die Traurigkeit in eurem Gesicht, wenn ihr von anderen Kindern ausgelacht oder nicht beachtet werdet, ist schwer zu ertragen. Aber ich kann und darf euch diese Erfahrung nicht abnehmen. Ihr müsst eben auch lernen, dass nicht alle Menschen nett sind, dass es auch Mal Streit gibt und es ab und an ungerecht zugeht. Ich würde euch das so gern ersparen. Doch durch die Fähigkeit mit Frust umzugehen werdet ihr stark. Bestimmt machen Papa und ich viele Fehler mit euch. Zu oft schimpfen wir wegen unwichtiger Kleinigkeiten. Dann sind alle sauer, Türen knallen und jeder will seine Ruhe.

Lange kann ich sowieso nicht böse auf euch sein

Aber wir haben uns alle versprochen, dass wir abends nicht im Streit ins Bett gehen. Und lange kann ich sowieso nicht böse auf euch sein. Wenn ihr mit „Mama, vertragen wir uns wieder?“ ins Wohnzimmer tapst und es dicke Bussis regnet, schmilzt mein Widerstand sofort. Und dann kuscheln wir uns zusammen, quatschen miteinander und lesen eine Geschichte. Und während ihr langsam beginnt zu schnarchen, weiß ich, dass ich in diesem Moment nirgendwo anders auf der Welt sein möchte.

Liebesbrief an meine Kinder pin

Auch unsere Kinder haben einmal einen Liebesbrief verdient. 

MeinSpatz Gezwitscher

Ein Liebesbrief zum Fest der Liebe? Im Kindergarten einer Kollegin schreiben die Eltern den Kleinen zu Weihnachten einen Liebesbrief. Sie dürfen nur positive Dinge erwähnen und sollen dem Kind verdeutlichen, was sie an ihm toll finden. Daraus entsteht ein Adventskalender. Im Dezember bekommt dann jeden Tag ein Kind seinen Brief von einer Betreuungsperson in einer intimen Situation vorgelesen. Ein wunderschönes Ritual. Wir sollten unseren Spätzchen öfter mal sagen, warum wir sie so sehr lieben.