Mein Liebesgeständnis an das Familienbett

DIENSTAG, 25.06.2019 Lotte L.

Das Thema Familienbett wird kontrovers diskutiert. Hier erklärt unsere Autorin, warum für sie das gemeinsame Schlafen so wunderbar ist – aber eben nicht für jeden.

Mama, Papa und die Kinder: Alle zusammen in einem Bett. Das Familienbett sorgt für Diskussionen unter Eltern und Experten und wie bei vielen anderen Erziehungsfragen gibt es ganz unterschiedliche Meinungen zum Thema.

Gegner des Familienbetts geben zu bedenken, dass Kinder durch das Co-Sleeping nicht lernen, alleine zu schlafen, dass sie freiwillig nur schwer wieder aus dem elterlichen Nest auszuquartieren sind, und dass keiner in der Familie nachts richtig zur Ruhe kommt. Manche sehen in der gemeinsamen Schlafstätte auch das Ende elterlicher Zweisamkeit und eine Bedrohung der kindlichen Gesundheit.

Für Befürworter steht das Familienbett für Gemütlichkeit, Wärme und Geborgenheit, für die Erfüllung kindlicher Bedürfnisse und für unkompliziertes nächtliches Stillen

Warum das Familienbett nicht richtig oder falsch ist

Ob einem das gemeinsame Schlafen liegt oder nicht, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, zum Beispiel der individuellen Persönlichkeit, den eigenen und den kindlichen Bedürfnissen, dem unmittelbaren sozialen Umfeld und dem weiteren kulturellen Kontext.

In vielen industrialisierten Ländern (e.g. USA und Europa), in denen Erziehung zu früher Unabhängigkeit sehr geschätzt wird, entspricht das Schlafen in getrennten Zimmern der Norm.

Wie einige von euch wissen, leben wir in Thailand. Hier - wie in anderen nicht-westlichen Kulturen auch - gehört das Familienbett ganz selbstverständlich zum familiären Zusammenleben. Es ist ganz normal, dass Kinder bei ihren Eltern übernachten. Unsere thailändischen Freunde sind immer total entsetzt bei der Vorstellung, dass ein Kind ganz alleine in seinem Zimmer schläft. Dieses Beispiel zeigt, wie sehr es unter anderem vom kulturellen Kontext abhängt, welche Schlafsituation als „normal“ und „richtig“ empfunden wird. Daher gibt es für mich auch im Bezug auf Schlafarrangements keinen universell richtigen oder falschen Ansatz, sondern nur persönliche und kulturell bedingte Vorlieben mit jeweils unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

Auch in Deutschland teilen sich heute zahlreiche Eltern das Bett mit ihren Sprösslingen. Viele von ihnen haben aber das Gefühl, für diese Entscheidung kritisiert zu werden und sich immer wieder verteidigen müssen, weil das gemeinsame Schlafen eben nicht als normal und selbstverständlich gilt.

Ich erkläre euch hier meine persönliche Vorliebe für das Familienbett, behaupte aber keinesfalls, dass es die einzig richtige und wahre Lösung für alle ist.

Warum wir unser Familienbett so lieben

Wir, das sind mein Mann, ich und unsere beiden Jungs, die mittlerweile schon 2 und 4 Jahre alt sind. Bei uns schläft jeder auf einer eigenen Matratze, so dass ein gemütliches Bettenlager im Zimmer entsteht. Daher passt der Begriff des Co-sleepings auch besser, da es nicht im engeren Sinne um ein einzelnes Familienbett handelt, das alle zusammen benutzen.

Es war nie geplant, die Schlafstätte mit unseren kleinen Lieblingen zu teilen. Doch dann wanderten beide Jungs von Anfang an ganz unbemerkt und automatisch in unser Bett. Das gemeinsame Schlafen war und ist aus unterschiedlichen Gründen einfach unheimlich schön und praktisch für uns. Zum Beispiel konnte ich meine Kleinen nachts anlegen und stillen, ohne dabei richtig wach zu werden. Natürlich genießen wir auch alle einfach die Wärme und den Körperkontakt im gemeinsamen Schlaflager, das abendliche Toben, Geschichten erfinden und Schattenfiguren an die Wand werfen, das morgendliche gemeinsame Wachwerden und Schmusen.  Es gibt kaum etwas Schöneres auf der Welt, als eingekuschelt zwischen zwei schlafenden Kindern im Bett zu liegen. Besonders für Papa, der tagsüber nicht so viel Zeit hat. Auch die zwei Spatzen fühlen sich mit der Geborgenheit und Nähe des Co-sleepings einfach wohl und schlafen dadurch sehr gut. Toll ist außerdem, dass wir immer sofort merken und darauf reagieren können, wenn es einem der Kleinen nachts nicht gut ging.

Warum die Zeit des Co-Sleepings so kostbar ist

Ja klar, es gibt auch anstrengende Nächte, mit unruhigen, hustenden, herumrollenden Kindern, mit Legos, Kekskrümeln und Sandkörnern im Bett, Kinderfüßen im Gesicht und mit wilden Streits um Decken und Kissen. Aber all das steht in keinem Verhältnis zu den schönen Erfahrungen mit dem geteilten Schlafen. Und natürlich ist die Zeit des Familienbetts irgendwann sowieso vorbei. Und zwar viel schneller als man denkt. Und dann ist aus dem kleinen Baby, das sich im Bett an Mama geschmiegt hat, an dessen Haaren sie so gern gerochen hat, und das seine Arme um ihren Hals geschlungen hat, ein Teenager geworden, der sich in sein Zimmer einschließt und dem es peinlich ist, mit ihr gesehen zu werden. Mama und Papa werden ihr Schlafzimmer wieder für sich alleine haben und es wird still und ruhig sein. Keiner wird mehr auf den Matratzen hüpfen, turnen oder sich unter der Bettdecke verstecken.

Die kurze Zeit mit den kleinen Lieblingen möchte ich auskosten, so viel und so gut es geht. Erschöpfung hin oder her. Das Familienbett ist für mich ein Teil davon, diese begrenzte und wertvolle Zeit in vollen Zügen zu genießen, sie einzusaugen und festzuhalten. Eines Tages muss man sich sowieso von ihr verabschieden.

Warum sich keiner unter Druck setzen lassen sollte!

Für unsere Familie ist das gemeinsame Schlafen ein Segen. Aber selbstverständlich ist das nicht für jeden so. Ihr solltet ganz individuell entscheiden, was für euch das beste Arrangement für die Nachtruhe ist. Sei es nun, dass alle zusammen in einem Bett schlafen, jeder auf der eigenen Matratze oder in getrennten Zimmern, Mama in der Hängematte oder Papa im Beistellbettchen. Lasst euch von niemandem sagen, was die einzige richtige Methode ist, denn die gibt es nicht. Es gibt nur unterschiedliche Schlafmodelle, die je nach der individuellen Situation und Bedürfnislage zu einer Familie passen oder nicht. Ihr wisst selbst, was das Beste für euch ist. Wir Mamas können einer bestimmten Schlafgewohnheit unsere Liebe erklären, aber wir sollten uns nicht bekriegen, sondern uns gegenseitig unterstützen. Auch wenn wir ganz unterschiedlicher Meinung sind.

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Das Familienbett: Fluch oder Segen? Das muss jede Familie für sich selbst entscheiden. In diesem Erfahrungsbericht beschreibt eine Mama ihre Liebe zum geteilten Nachtlager.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Vor- und Nachteile sowie der Risiken beim Schlafen im gemeinsamen Bett findest du in unserem Artikel Familienbett: Pro und Contra

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.