Mit Babys und Kleinkindern schwimmen gehen? Ab ins Freibad

MONTAG, 05.08.2019 Tina

Ein schönes Beispiel für den Kreislauf des Lebens ist das Freibad: Es bestimmt die erste Hälfte deiner Existenz, spielt dann jahrzehntelang keine Rolle und taucht wieder auf, wenn du selbst Mama wirst. Vom Babyschwimmen bis zur Kleinkind-Bespaßung – das Freibad ist mein Ort der Wahl im Sommer!

Diese herrliche Ruhe unter den Wipfeln der Bäume. Mit einem Buch und Gläschen Sekt der Sonne zusehen, wie sie malerisch hinter dem Natursee untergeht. Langsam ins kühle Wasser waten und mit ein paar einsamen Runden den Tag ausklingen lassen. Sprung ins Hier und Jetzt: Ich hetze mit meinem halben Hausstand unterm Arm um 9:30 am Sonntagmorgen über die Wiese vom Freibad, um einen der begehrten Schattenplätze an der perfekten Stelle zwischen Kinderbecken und Spielplatz zu ergattern, das zappelnde Kleinkind im Schraubgriff, damit es nicht voll angezogen ins nächste Becken hüpft, um sich ohne Schwimmflügel zu ertränken.

Bye Bye Badesee

Im Sommer gibt es nichts Schöneres als am Wasser zu sein. Eines der wenigen Dinge, die sich auch mit Kind nicht geändert haben. An welchem Wasser man seine Zeit verbringt, allerdings schon. Kinderlos geht man nicht ins Freibad. Zumindest nicht in Bayern, wenn um die Ecke die schönsten Naturbadeseen Deutschlands zu finden sind. Da gibt’s tolles klares Wasser, wunderschöne Landschaft, viel Platz zum Grillen mit Freunden und das alles ohne Eintritt zu zahlen. Welcher Teufel muss mich reiten, um das einzutauschen gegen eine überfüllte Liegewiese, ein vor Menschenmassen kaum noch sichtbares Wasserbecken und einen Lärmpegel, der dem Nürburgring alle Ehre macht? Tja, der Teufel heißt Matilda, ist fast drei Jahre alt und bestimmt mit Diktatorqualitäten über meine Freizeitgestaltung.

Solange sie noch ein Baby war, hat der Badesee wunderbar geklappt. Sie saß neben mir auf dem Handtuch, hat ein bisschen gegurgelt und manchmal im flachen Wasser mit ihrem Schaufelchen Kieselsteine gekitzelt. Als ich sie dann ins Wasser mitnehmen wollte, war es vorbei. Für die dunklen kalten Untiefen des gruseligen Sees konnte sie sich nicht erwärmen.

Mit kleinen Babys geht man am besten ins Hallenbad. Da gibt es warme Becken, die oft zu bestimmten Zeiten nur fürs Babyschwimmen reserviert sind. Aber am besten immer jemanden mitnehmen, der dir hilft, sonst kann es passieren, dass du triefend und mit Schaum in den Haaren das Bad verlässt, weil das Baby nicht damit einverstanden war, auf den nassen Boden-Kacheln der Dusche auf dich zu warten. Aber so mit 9 bis 10 Monaten hat bei uns die Freibad-Zeit begonnen. Dann bin ich vormittags unter der Woche mit Matilda im Anhänger zum Freibad um die Ecke geradelt. Das Freibad, in dem ich vor gefühlt 50 Jahren das erste Mal den Drei-Meter-Sprungturm bezwungen habe, Flutschfinger lutschte und mit den Freundinnen kichernd abwartete, bis der Bademeister seinen Stuhl verließ, damit wir vom Rand ins Becken springen konnten.

Bequemlichkeit vor Idylle

Als Mutter erkenne ich heute die Vorzüge eines Babybeckens: Jede Menge Wasserbespaßung durch Spritz-Fontänen und Rutschen, freie Sicht auf den Boden des Beckens und keine Steine, die den Weg ins Wasser behindern. Eindeutiger Vorteil ist auch das Vorhandensein von Toiletten, Wickeltischen und Duschen in Laufnähe. Der Rasen ist immer gemäht, das Eis gibt’s gleich um die Ecke und an Spielkameraden mangelt es auch nicht. Da blendet man gerne aus, dass dank Eintritt und Süßkram an jeder Ecke der Geldbeutel abends nur noch halb so schwer ist und man höchstwahrscheinlich den ganzen Tag in einer 50/50 Mischung Pipi/Wasser gesessen hat.

Matilda ist jetzt fast drei Jahre alt und die Freibadbesuche sind nicht mehr ganz so entspannt wie damals als sie noch ein Baby war. Dank Krippe können wir nicht mehr die entspannten Vormittage nutzen, sondern sind Teil der Massen, die Nachmittags und am Wochenende wie eine Heuschreckenplage ins Freibad einfallen. Heute schleppe ich neben diversen aufblasbaren Flügeln, Reifen und Tieren auch noch jede Menge Snacks, kleingeschnittenes Obst (als Gewissensberuhigung für die drei Eis, die das Kind vertilgt) sowie Spielzeug und Bücher mit. Eine Beschäftigung für die Zeit an Land ist wichtig für die Freibad-Packtasche, denn ohne die wäre Matilda durchgehend im Wasser. Und somit auch ich. Dass man als Mutter quasi nie schwimmt, sondern immer nur höchstens bis zur Hüfte im Wasser herumstakst, sagt einem vorher ja auch keiner. Ich wusste nicht, dass die Haut an den Zehen so weich und schrumpelig werden kann. Ein guter Tipp ist, sich ein Freibad mit Spielplatz zu suchen. Da stehst du dann zwar auch dumm am Rand herum, aber zumindest schrumpeln die Füße nicht.      

Wenn ich dann so am Beckenrand sitze, mein Nacken in der Sonne verbrutzelt, Matilda zum zehnten Mal den Schwimmring wechseln will und die Horde Kinder in meinem Rücken mir kreischend mit der Wasserpistole ins Ohr schießt, denke ich wehmütig an meinen idyllischen Badesee im Sonnenuntergang zurück. Aber dann geh ich mit meiner glücklichen Tochter Pommes essen, und die schmecken bekanntlich nirgends besser als im Freibad.  

Mit Babys und Kleinkindern schwimmen gehen? Ab ins Freibad pin

Sommer in der Stadt und ein Kleinkind daheim? Ab ins Freibad. Da gibt's ungefährliche Babybecken voll mit Spielkameraden, Toiletten an jeder Ecke und jede Menge Nostalgie.

Mein Spatz Gezwitscher

Ein Fact, den man lieber nicht wissen will: Chlor ist eigentlich ziemlich geruchsneutral. Es bekommt seinen typischen Geruch erst, wenn es im Wasser auf Harnstoff trifft. Der gelangt nicht nur durch die Wasserpinkler ins Becken, sondern auch durch die Duschverweigerer, denn Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil von Haut. Wenn es im Freibad also stark nach Chlor riecht, bedeutet das nicht, es ist besonders sauber, sondern … ach egal, gleich wieder vergessen und ein Cornetto holen.

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.