#momlife: Vom Suchen und Finden eines Kita-Platzes

MITTWOCH, 15.05.2019 Hella B.

Hallo, hier schreibt Hella, Mutter von den mal überaus bezaubernden, mal maximal weinerlichen und immer absolut liebenswerten Zwillingsmädchen Fritzi und Emma (3). Ab und an gelingt uns der Familien-Alltag zwischen Job, Kindergarten und der Suche nach einer kleinen Kaffee-Pause ganz gut. Und dann hat uns der ganz normale Familien-Wahnsinn doch wieder voll im Griff. Ab sofort schreibe ich in meiner Kolumne über die großen und kleinen Dinge, die sicher nicht nur uns im Familienleben bewegen...

Ob München, Berlin, Hamburg: Insbesondere in Großstädten gibt es unter Eltern ein Reizwort – Kitasuche. Such in München einen veganen Latte Macchiato, einen Designer-Balkonstuhl für Kleinkinder oder einen frisch eingeflogenen Darjeeling Tee – du findest alles.

Kita-Suche: Der schmale Grat zwischen freundlich nachfragen und nerven

Ein Kita-Platz kommt jedoch einer Diamant-Suche in den Isar-Auen gleich. Das größte Problem: Du kannst es nur falsch machen. Das Elend vollzieht sich in mehreren Schritten und beginnt am Tag der offenen Tür, idealerweise schwanger, da plärrt das Kind nicht. Lächeln, Fragen stellen, die nicht zu nervig sind, versuchen die Kita-Leitung in ein Gespräch zu verwickeln gehören zur Grunddisziplin. 

Dann folgt die Kür, hier müssen die Eltern jedoch viel Feingefühl mitbringen. Denn: Jede Kita tickt anders. Von einer Karte zu Ostern, Keksen fürs Team, freundlichen Nachfragen, alles ist möglich. Bei einem Tag der offenen Tür riet mir eine Mutter aus dem Elternbeirat: "Komm einfach alle zwei Wochen mal rum und wink' übern Zaun."

Nebenbei bemerkt: Rein offiziell läuft die Platz-Vergabe über den Münchner Kita-Finder. Hier tragen Eltern sich ein und werden angeblich nach Bedürfnis (Lebenssituation, Arbeitszeit) eingestuft.

Bei einer anderen Kita hab ich Vollgas gegeben: Meine Zwillinge waren beim Tag der offenen Tür ausnahmsweise richtig gut drauf und wurden schon von zwei Erzieherinnen betüddelt. Besser kann's nicht laufen, dachte ich. Es folgten ein Besuch beim hausinternen Flohmarkt inklusive Plausch mit der Leiterin, drei weitere Anrufe sowie noch ein persönlicher Besuch. Dann kam die Absage. "Was bei den einen zu viel ist, ist bei anderen zu wenig", meint meine Freundin Annett, die ebenfalls Zwillinge hat. "Eine Kita hatte mir vorgeworfen, ich sei zu forsch und nervig gewesen, nachdem ich das dritte Mal angerufen habe. Eine andere hat abgesagt mit der Begründung, ich wirke zu wenig interessiert."

Vertrauen in die Erzieher kommt immer gut an

Am Ende haben wir einen Platz in einer Kita bekommen, die mein Mann allein besichtigt hatte als ich noch hochschwanger war. Christoph ist tendenziell ein recht wortkarger Typ. Er schaute sich die Kita an und während andere Eltern fragten, ob man sich hier regelmäßig die Zähne putze, auch täglich rausginge oder mal Ausflüge ins Schwimmbad unternommen werden, sagte er nichts. "Haben Sie denn keine Fragen?", wurde er von der Leiterin angesprochen. "Nö. Sie machen das hier schon mit den Kleinen", sagte er nur.

Kindergartensuche: Dieser Satz kommt prima an

Jetzt hat uns das Reizwort Kitasuche schon wieder eingeholt. Diesmal waren wir auf der Suche nach zwei Kindergartenplätzen. Fälschlicherweise dachte ich, das sei einfacher. Ein Irrtum. Ich legte eine Excel-Tabelle an mit allen Daten an (Tag der offenen Tür, Fristen, Flohmärkte) und ging strategisch vor. Möglicherweise ist bei der Kindergartensuche aber auch eine ganz andere Sache entscheidend. Bei den Telefonaten stellten mir alle Kindergarten-Leiterinnen die gleiche
Frage: "Sind Ihre Kinder schon trocken?" Verdammte Axt, jeder der mich kennt, weiß, dass ich nicht lügen kann. "Sag' ja", dachte ich. "Nein, noch nicht", sagte ich. Und schon war die Stimme am Telefon deutlich kühler.

In diesem Jahr wird der Kindergarten in Bayern kostenlos, noch dazu bleiben einige Kinder ein Jahr länger, da wegen der Einschulungs-Reform mehr Kinder zurückgestellt werden. Der Konkurrenzkampf um die wenigen Plätzen ist denkbar hart. Das Argument: "Aber ich will doch zur Arbeit gehen", wird nur müde belächelt. "Alle arbeiten", antwortete die Leiterin nur trocken.

Die Crux: Verzweiflung auf beiden Seite

Während ich verzweifelte, spürte ich auch die Verzweiflung auf der anderen Seite. "Ja, ich habe Plätze", machte mir eine Dame kurz Hoffnung. "Aber ich habe kein Personal. Wir mussten gerade erst eine Gruppe schließen."

Die Rechnung ist denkbar einfach. Keine Erzieherin, keine Kindergartenplätze.

Wie es der Zufall will, sind wir umgezogen. Nicht, dass die Lage am Stadtrand Münchens sehr viel entspannter wäre, aber wir haben kurzfristig in einem (nicht städtischen) Kindergarten zwei bezahlbare Plätze bekommen. Ein wirklich schönes Haus mit tollen Erziehern. Was für ein Glück!

Meiner Freundin Annett, die noch in der Innenstadt wohnt, habe ich übrigens meine Excel-Tabelle vermacht. Gestern hat sie angerufen: "60 Anmeldungen über den Kita-Finder und 40 über Elterninitiativen und private Einrichtungen habe ich gemacht. Nur Absagen!"

Mittlerweile ist sie bereit, die Zwillinge in unterschiedliche Einrichtungen zu bringen oder/und eine dreiviertel Stunde durch die Gegend zu kutschieren. Ansonsten muss sie ab September noch einmal Elternzeit einreichen. Verrückte Welt.

Aufatmen mag ich auch noch nicht. Wir hören uns in drei Jahren wieder, wenn wir auf der Suche nach zwei Hortplätzen sind.

Die Kitasuche in der Großstadt ist eine harte Angelegenheit. Kolumnistin Hella hat die Erfahrung gemacht: Eltern können eigentlich nur alles falsch machen. Und doch scheint es ein paar Verhaltensweisen zu geben, auf die Kita-Leiterinnen stehen. Was könnte bei der Suche nach einem Kita- oder Kindergartenplatz helfen? Gibt es Tricks?

MeinSpatz Gezwitscher

Die Kita ist die wohl beliebteste Möglichkeit, ein Kind unterzubringen? Das Kind mit 12 Monaten abgeben? Für manche unvorstellbar, für andere ein einfaches MUSS. Saskia und Jana von unserem Nestgeflüster-Podcast haben dazu eine klare Haltung - wie immer aber eine sehr kontroverse. Sie sprechen ganz offen über zwei unterschiedliche Wege, Folgen und finanzielle Aspekte der Kinderbetreuung. Hör rein! 

Hella B.

Hella ist gerade mit ihrem Mann Christoph und den Zwillingen Fritzi und Emma von der Innenstadt an den Münchner Stadtrand gezogen. Sie spielt schlecht und gerne Klavier, kocht sehr gern und teilt mit ihren Mädchen das große Hobby lesen. Hella arbeitet für ein großes Kaffeeunternehmen im Bereich Social Media. Den Job als Mama hat sich Hella irgendwie anders vorgestellt - davon berichtet sie regelmäßig in ihrer Kolumne.